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Corona: Umstrittene Maskenpflicht in Pirna

In der Fußgängerzone muss man jetzt einen Mund-Nase-Schutz tragen. Viele halten diese Regelung für überzogen. Der Handel befürchtet fatale Folgen.

Maskenpflicht-Schild in der Pirnaer Jacobäerstraße: Völlig überzogene Regelung?
Maskenpflicht-Schild in der Pirnaer Jacobäerstraße: Völlig überzogene Regelung? © Daniel Förster

Üblicherweise ist in der Pirnaer Innenstadt auch an Wochentagen immer Begängnis, leere Straßen und Gassen kennt das Zentrum kaum. Doch am Mittwochvormittag liegt die Altstadt beinahe wie ausgestorben da, der Menschenstrom ist nahezu versiegt, nur der Wochenmarkt am Rathaus lockt noch eine größere Kundenschar an - zumindest zeitweise.

Auslöser für den plötzlichen Schwund sind offensichtlich drei Umstände, die ziemlich zeitgleich zusammenfallen. Zum einen sind die Herbstferien vorüber, daher bleiben eine Menge Touristen aus. Zudem sind wegen des zweiten Corona-Lockdowns Gaststätten, Cafés und die meisten Kulturstätten dicht. Darüber hinaus gilt seit Montag auch in der Pirnaer Fußgängerzone einen Maskenpflicht, was vielen Menschen den Gang in die Innenstadt wohl verhagelt. Betroffen davon sind die Bereich der Dohnaischen Straße, der Jacobäerstraße, der Schmiedestraße, der Schuhgasse, der Schössergasse, der Barbiergasse sowie der Markt- und Frohngasse.

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Die Stadt hat die betreffenden Zonen inzwischen mit Schildern gekennzeichnet. Wirkung entfalten sie nicht bei allen, viele Menschen sind ohne Maske unterwegs. An einigen Stellen haben Unbekannte die Schilder sogar beiseite gedreht, sodass sie sich nicht mehr erkennen lassen.

"Völlig sinnfreie Maskenpflicht"

Grundsätzlich hat diese Regelung große Kritik ausgelöst, viele halten sie für völlig überzogen. So schreibt beispielsweise Robin Händler im sozialen Netzwerk Facebook: "Die Corona-Maßnahmen bewirken doch eh schon, dass kaum einer freiwillig unterwegs ist. Jetzt auch noch auf menschenleeren Straßen Maske tragen zu müssen, ist an Sinnlosigkeit nicht zu überbieten." Auch Kay Hofmann empfindet den Beschluss als blödsinnig. "Keine Touristen, keine Gastronomie, und jetzt auch noch eine sinnfreie Maskenpflicht. Das hat Auswirkungen auf die restlichen Einzelhändler der Stadt", so der Kommentar. Und Andrea Kovac konstatiert: Nach dem zweiten Lockdown werden auch die restlichen Einzelhändler pleite sein.

Maskenpflicht trifft Einzelhandel mit Wucht

Nach der langen Schließzeit im Frühjahr trifft die neue Corona-Schutz-Verordnung die Einzelhändler abermals mit Wucht, auch wenn sie ihre Geschäfte weiter öffnen dürfen.

"Seit Montag ist die Stadt wie leer gefegt", sagt Anja Sick, die das Modegeschäft "Funky Town" auf der Schuhgasse betreibt. Das liege aus ihrer Sicht zum einen daran, dass nach dem Ferienende viele Touristen und damit wichtige Laufkundschaft fehlt. Aber auch die Maskenpflicht in der Fußgängerzone trage zu dem plötzlichen Rückgang bei. "Das hat sich so rasant verbreitet, und viele Kunden sagen, dass sie deswegen jetzt nicht mehr in die Stadt kommen", sagt die Ladeninhaberin.

Generell befürwortet sie eine Maskenpflicht - dort, wo es sinnvoll ist, beispielsweise im Geschäft. "Wir sind vorsichtig, schützen uns und andere, damit sich niemand ansteckt, auch die Kunden sind sehr diszipliniert", sagt Anja Sick.

Auf Laufkundschaft angewiesen

Gleichwohl hält sie die Regelung, mit der Maskenpflicht in der Fußgängerzone die Innenstadt derart abzuriegeln und abzuschotten, für übertrieben. Zwar generiert sie ihren Hauptumsatz mit Stammkunden. "Aber wir brauchen auch Laufkundschaft, doch die kommt zurzeit eben nicht", sagt Anja Sick.

Zudem hätten bislang viele potenzielle Kunden gern einen Cafébesuch mit einem Einkaufsbummel kombiniert, was jetzt aber auch flach falle, da die Gaststätten geschlossen sein müssen. 

Frust entlädt sich im Pirnaer Rathaus

Viel Frust über die Neuregelung lädt sich derzeit im Pirnaer Rathaus ab. "Wir durften uns schon so einiges anhören", sagt Stadtsprecher Thomas Gockel. Dabei ist die Kommune nicht unbedingt der richtige Adressat für die Kritik.

Die Maskenpflicht für Fußgängerzonen ist in der neuen Corona-Schutz-Verordnung verankert, die der Freistaat Sachsen erlassen hat. Pirna ist in dieser Hinsicht nur Ausführender - indem die Stadt die Bereiche kennzeichnet. Aber dem Rathaus obliegt weder, die Maskenpflicht-Bereiche festzulegen noch die Einhaltung zu kontrollieren.

Originär zuständig für solche Kontrollen ist das Landratsamt, unterstützt wird die Behörde dabei von der Polizei. "Diese Kontrollen fallen auch in unsere Zuständigkeit. Zudem haben wir uns speziell diese Kontrollen zur Aufgabe gemacht", sagt Polizeisprecher Marko Laske. Denn auch die Polizei wolle einen Beitrag dazu leisten, mögliche Infektionsketten zu unterbinden und dafür sorgen, dass die Pandemie nicht ausufert.

Entweder richtig Lockdown - oder gar nicht

Doch egal, ob Kontrollen oder nicht: Anja Sick wäre eine klarere Regelung lieber gewesen. "Wenn jetzt die geschlossenen Gaststätten 75 Prozent des Umsatzes vom November 2019 als Ausgleich bekommen, da wäre ich mit meinem Geschäft auch gern dabei", sagt sie. Aus ihrer Sicht wäre es einfacher und logischer gewesen, entweder einen kompletten Lockdown zu verhängen - oder eben gar keinen. "Dass wir jetzt weiter öffnen dürfen, obwohl die Kunden ausbleiben", sagt sie, "ist nicht wirklich eine gute Lösung."

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