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Corona: Hilferuf aus dem Landratsamt Bautzen

Der Landkreis Bautzen schafft es nicht mehr, alle Kontaktpersonen von Infizierten zu ermitteln. Denn die Situation ist schwieriger als im Frühjahr.

Wegen der steigenden Infektionszahlen im Landkreis Bautzen verstärkt das Gesundheitsamt sein Corona-Team: Gesucht werden zwei Mitarbeiter, die Abstriche vornehmen.
Wegen der steigenden Infektionszahlen im Landkreis Bautzen verstärkt das Gesundheitsamt sein Corona-Team: Gesucht werden zwei Mitarbeiter, die Abstriche vornehmen. ©  Archiv/Patrick Pleul/dpa (Symbolbild)

Bautzen. Das gab es lange nicht mehr: Der Landkreis Bautzen sucht über Facebook Personal. Die Meldung vom Freitagmittag ist mit dem unmissverständlichen Wort "Eilt" überschrieben. Gesucht werden ganz schnell zwei neue Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter, die bei Personen mit Corona-Verdacht Abstriche aus Mund, Nase oder Rachen vornehmen sollen. Labore können dann nachweisen, ob der Abstrich Erbgut des Virus enthält oder nicht.

Die Eilt-Meldung vom Freitag verdeutlicht: Das Landratsamt richtet wieder mehr Personal und Kraft auf die Eindämmung von Corona als etwa im Hochsommer. Da tendierte die Zahl der Neuinfektionen im Landkreis gegen Null. In den jüngsten Wochen aber stieg sie wieder an.

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Großveranstaltungen sind zurzeit verboten

Am Donnerstag überschritt der Landkreis die Schallmauer von 60 neu gemeldeten Infektionen binnen sieben Tagen. Das heißt, ab sofort dürfen keine Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern stattfinden.

Aber solche Veranstaltungen stehen ohnehin derzeit nicht im Kalender. Zu Fußballspielen auf der Bautzener Müllerwiese und im Kamenzer Stadion der Jugend kommen auch ohne Verbot deutlich weniger Zuschauer. Kritisch werden könnte es am 31. Oktober zum Fischerfest in Rammenau - aber bis dahin vergehen noch drei Wochen. Sobald es binnen sieben Tagen wieder weniger als 60 Neuinfektionen im Landkreis gibt, fällt auch das Großveranstaltungsverbot.

Vorschuluntersuchungen wegen Corona verschoben

Doch die rund 50 Mitarbeiter im Corona-Team des Landratsamtes haben im Moment weder Zeit noch Muße, an ein Fischerfest Ende des Monats zu denken. Ihre größte Herausforderung, sagt Amtssprecherin Cynthia Thor, ist derzeit das Nachverfolgen von Infektionen: Mit wem hatten die Betroffenen Kontakt, wen könnten sie wahrscheinlich unwissentlich angesteckt haben? Wer muss deshalb vorsichtshalber in Quarantäne? Allein 15 Mitarbeiter des Teams sind nur mit diesen Fragen beschäftigt. Einige von ihnen wurden aus anderen Abteilungen des Landratsamtes für diese Aufgaben umgesetzt.

Weil jetzt wieder mehr Augenmerk auf Corona gerichtet ist, müssen andere Aufgaben zurückstehen. Zum Beispiel Vorschuluntersuchungen. Normalerweise gibt es für diese Untersuchungen je zwei medizinische Teams in Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz. Jetzt könne wegen Krankheit und Corona in allen drei Städten nur ein Team die Schulanfänger untersuchen. Das Gesundheitsamt will ausgefallene Termine nachholen - aber wann, kann im Moment noch niemand sagen. Bis Ende März sollen aber alle Vorschuluntersuchungen abgeschlossen sein.

Kontakte schwieriger zu ermitteln als im März

Kontakte von Infizierten zu ermitteln, sei jetzt schwieriger als im Frühjahr, heißt es aus dem Landratsamt. Damals hatten sich zuerst vor allem Senioren infiziert, deren Kontakte waren meist relativ schnell ermittelt. Aber jetzt, so die Sprecherin, seien "die Kreise der Kontaktpersonen wesentlich höher".

Anders als im März, als etwa in der Baubranche noch Winterpause herrschte, sind jetzt in vielen Unternehmen mehr Leiharbeiter und Saisonkräfte im Einsatz. In der Ernte arbeiten Helfer aus dem Ausland. Auch seien jetzt mehr Schüler als im Frühjahr betroffen - und damit mehr Kontakte zu ermitteln. "Insgesamt gelingt es aktuell noch, die engen Kontaktpersonen ausreichend zeitnah zu ermitteln", sagt Cynthia Thor. Die engen - aber eben nicht mehr alle.

Wenig Todesfälle und Klinik-Behandlungen

Außer Kontrolle gerät die Situation aber nicht, versichert die Sprecherin. "Wir haben aktuell ansteigende Zahlen an Erkrankten, bei den Klinik-Behandlungen von Corona-Patienten und Todesfällen sind die Zahlen gegenwärtig sehr gering. Damit das so bleibt, wird mit Augenmaß täglich die Lage eingeschätzt", sagt Cynthia Thor.

Wäre die Lage außer Kontrolle, würde auch der Krisenstab des Landratsamtes einberufen. Er müsste sich zum Beispiel einschalten, um medizinische Hilfen zu beschaffen. So tagt im Moment "nur" der Corona-Stab. Ihm gehören unter anderem das Büro das Landrats, das Gesundheitsamt und der innere Service des Landratsamtes an.

Abstand, Hygiene, Alltagsmaske

"Damit das gesellschaftliche Leben mit nur geringen Einschränkungen weitergehen kann, mahnt das Gesundheitsamt jeden Einzelnen zur Vorsicht und zur Einhaltung der AHA-Regeln", erklärt die Sprecherin. AHA heißt: Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen - also eine Mund-Nasen-Bedeckung.

"Ziel der Arbeit des Amtes ist nach wie vor, einen Kontrollverlust und damit weitere Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens zu vermeiden." Die aber würden laut sächsischer Corona-Verordnung kommen, wenn die Zahlen weiter drastisch steigen. Aber so weit mag im Landratsamt im Moment niemand denken.

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