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Corona: Reue in der Hetzdorfer Reha-Klinik

Nach Vorwürfen, Corona-Fälle zu verschweigen, setzt die Hetzdorfer Reha-Klinik auf Transparenz – auch von der Politik.

Chefarzt Peter Themann (l.) und
Geschäftsführer Torsten Wagner sind für die Rehaklinik am Tharandter Wald verantwortlich. Die Einrichtung informiert nach Vorwürfen nun offen über Coronafälle.
Chefarzt Peter Themann (l.) und Geschäftsführer Torsten Wagner sind für die Rehaklinik am Tharandter Wald verantwortlich. Die Einrichtung informiert nach Vorwürfen nun offen über Coronafälle. © Ronald Bonß

Schwimmbad und Therapiebecken sind verwaist. Der Hausfriseur und die medizinische Fußpflege dürfen nicht mehr in die Einrichtung. Die Reha-Klinik in Hetzdorf am Tharandter Wald hat ein strenges Corona-Regiment eingeführt.

Ende November war bekannt geworden, dass die Klinik gegenüber Patienten versucht haben soll, einen Infektionsausbruch zu verschweigen. Auch der Landkreis Mittelsachsen gibt bis heute keine Auskunft darüber, wie viele Menschen in welchen Reha-Kliniken mit Covid-19 infiziert sind. Unter Patienten hatte das Verunsicherung und Ängste ausgelöst. Nur hinter vorgehaltener Hand hatten Mitarbeiter die Infektionen bestätigt. Rehagäste reisten aus Vorsicht ab, auch weil die Klinik ihnen Corona-Tests verweigert haben soll.

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Torsten Wagner ist Geschäftsführer der Hetzdorfer Klinik, die 360 Rehaplätze anbietet, von denen pandemiebedingt momentan gerade einmal die Hälfte ausgelastet ist. Im Gespräch mit der SZ räumt er Fehler ein. „Wir haben alles falsch gemacht, was man in diesen Zeiten falsch machen konnte“, sagt der 44-Jährige. „Aber wir haben daraus gelernt.“ Man habe die Situation unterschätzt. Kommunikation sei in diesen Zeiten alles, auch, um das Vertrauen von Patienten zu erhalten. Man habe sich nun voller Transparenz verschrieben.

Die Rehabilitationsklinik Hetzdorf liegt am Rand des Tharandter Waldes.
Die Rehabilitationsklinik Hetzdorf liegt am Rand des Tharandter Waldes. © Ronald Bonß

Seit Dezember verschickt die Einrichtung wöchentlichen einen Bericht über die Corona-Lage im Haus an Krankenkassen und Krankenhäuser, an das Sozialministerium sowie an Mitarbeiter und Medien. Waren Anfang des Monats sechs Patienten mit positivem Test isoliert und 27 Mitarbeiter in Quarantäne, gibt es nun zu Weihnachten keinen einzigen Corona-Fall mehr.

Warum Ärzte, Therapeuten und Pflegepersonal das Infektionsgeschehen verschwieg, sei nicht nachvollziehbar. „Es gab definitiv keinen Maulkorb für unsere Leute“, sagt Wagner. „Wir haben es nicht geschafft, in der Kommunikation alle mitzunehmen, und wir hätten unsere Mitarbeiter informieren müssen, wo Nachfragen von Patienten im Haus bedient werden können.“ Man ermutige die Mitarbeiter jetzt, offen zu kommunizieren.

Sorglosigkeit und weniger Vorsicht

Wagner geht davon aus, dass das Virus über Besucher in die Klinik getragen wurde. Zwar sei schon während der ersten Pandemie-Welle im April versucht worden, Besucher mit Hinweisschildern und direkter Ansprache zu sensibilisieren, das habe aber nicht in allen Fällen für Einsicht und Regeleinhaltung gesorgt. Die Klinik hatte deshalb ein Zutrittsmanagement mit Sicherheitsdienstmitarbeitern vor der Tür installiert. „Wir bilden auch mit allen Problemen im Kleinen ab, was gerade in der Gesellschaft los ist.“ Rund 20 Patienten hätte die Klinik bisher aus „disziplinarischen Gründen“ entlassen müssen, weil sie sich den Schutzmaßnahmen verweigert hätten.

„Wir hatten lange Glück und in der ersten Welle nur vier Coronafälle bei uns, aber durch die vielen Infektionen im Herbst hat sich unter allen Mitarbeitern ein anderes Bewusstsein gebildet“, sagt Wagner. „Aus heutiger und aus klinischer Sicht war die Sommerzeit schlecht für das Infektionsgeschehen.“ Die gelockerten Maßnahmen, Urlaubsstimmung und die gefühlte Normalität hätten auch in der Klinik zu einer gewissen Sorglosigkeit und weniger Vorsicht geführt. „Hätten wir die strengen Maßnahmen des Frühjahrs beibehalten, sähen die Zahlen vielleicht heute anders aus.“

Über Weihnachten würden angesichts der Corona-Lage in Sachsen die strengen Besuchsverbote beibehalten – bis auf wenige medizinisch begründete Ausnahmen. „Wir haben Tabletcomputer ausgegeben für Videokontakte mit den Angehörigen.“

Chefarzt Dr. Themann im Gespräch mit einem Patienten.
Chefarzt Dr. Themann im Gespräch mit einem Patienten. © Ronald Bonß

Peter Themann ist der leitende Chefarzt der Klinik. Der 61-jährige Neurologe sagt, nach den Coronafällen im Herbst habe man jetzt Reihen-Tests eingeführt. So wird das gesamte Personal zwei Mal pro Woche getestet. Außerdem kämen Patienten jetzt in der Regel mit einem negativen Coronatest, der nicht älter als 48 Stunden ist. Liegt kein Test vor, übernehme das die Klinik inklusive Kontrolle ein paar Tage danach. Pro Woche sind das insgesamt mehr als 500 Antigentests. „Im Unterschied zu manchen anderen Kliniken testen wir aber nicht ständig alle, weil das nur im Moment des Tests eine gewisse Sicherheit vorgaukelt“, sagt Chefarzt Themann. „Aber wer sich testen lassen will oder wer Symptome hat, der bekommt den Test.“

Die Reha-Klinik ist auch als Notfallkrankenhaus vorgesehen, um andere Krankenhäuser zu entlasten und deren Nicht-Corona-Patienten in Hetzdorf aufzunehmen. Geschäftsführer Wagner erwartet die ersten in den nächsten Tagen, auch, weil der medizinische Sektor trotz Lockdown damit rechnet, dass die Corona-Zahlen über Weihnachten explodieren könnten.

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Eigene Fehler vor Augen, wünscht sich Torsten Wagner mehr öffentliche Transparenz über Corona-Fälle in Kliniken und Reha-Einrichtungen. „Ich finde es nicht gut, dass jeder Landkreis das anders handhabt und es kein einheitliches Vorgehen gibt, hier ist auch die Landesregierung gefragt“, sagt er mit Blick auf den Landkreis Mittelsachsen. „Ich würde mehr Offenheit schon deshalb befürworten, weil ich die Fälle ohnehin melden muss.“ Das seien keine geheimen Zahlen, und Patienten sollten sich überall informieren können.

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