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Urlaub stornieren oder nicht?

Das Coronavirus breitet sich kurz vor den Herbstferien weiter aus. Eine Entscheidungshilfe für drei Szenarien.

Trotz Warnung in den Strand? Auch die spanischen Urlauberregionen sind mittlerweile Risikogebiet.
Trotz Warnung in den Strand? Auch die spanischen Urlauberregionen sind mittlerweile Risikogebiet. © Joan Mateu/AP/dpa

Von Marie von der Tannund Philipp Laage

Am 19. Oktober startet Sachsen in die Herbstferien. Viele wollen dann gerne verreisen. Doch mittlerweile sind Dutzende Regionen in EU-Ländern zu Corona-Risikogebieten erklärt worden. Zugleich gelten für viele Länder und Regionen Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. Wer schon einen Urlaub gebucht hat, steht jetzt vor der Frage: Fahren oder nicht? Drei mögliche Szenarien.

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Szenario eins: Urlaubsantritt trotz Risikogebiet und Reisewarnung

Neben dem Risiko, sich mit dem Virus zu infizieren, gibt es hier ein mögliches weiteres Problem: Die Auslandskrankenversicherung greift in der Regel nicht. Der Bund der Versicherten weist ausdrücklich darauf hin, dass private Auslandskrankenversicherungen meistens nicht bezahlen, wenn für das Reiseziel eine Reisewarnung vorliegt. Nur wenige Anbieter bieten in diesem Fall weiterhin einen Schutz an.

Außerdem erfordert die Reise in ein Risikogebiet eine ganz andere zeitliche Planung: Reisende, die aus solchen Gebieten zurückkehren, müssen sich derzeit noch 48 Stunden vor oder nach der Einreise nach Deutschland auf Corona testen lassen – und dann in Quarantäne bleiben, bis das Ergebnis da ist, was mehrere Tage dauern kann.

Von Mitte Oktober an gilt dann: Reiserückkehrer aus Risikogebieten müssen sich mindestens fünf Tage in Quarantäne begeben. Außerdem sollen sich nach Deutschland einreisende Passagiere über ein Onlineportal anmelden. Wer das versäumt, dem drohen Bußgelder.

Szenario zwei: Rücktritt von der Reise in ein Risikogebiet

Individualreisende sollten hier zunächst die für sie geltenden Umbuchungs- und Stornierungsoptionen prüfen. Bei Unterkünften können die Gebühren bei 80 bis 100 Prozent liegen, wenn der Gast kurzfristig absagt. Man verliert also im Zweifel das gesamte Geld. Im Vorteil ist, wer ein Angebot mit kostenlosem Storno bis kurz vor Reiseantritt gebucht hat. Dann lässt sich der Aufenthalt ohne Unkosten absagen.

Grundsätzlich gilt: Ist ein Hotel oder Ferienhaus erreichbar, dann bleibt der Gast auf etwaigen Kosten sitzen, wenn er zum Beispiel rein aus der Angst vor dem Coronavirus seinen Aufenthalt absagt. Hier spielt es keine Rolle, ob das Reiseziel ein Risikogebiet ist.

„Erst mal lohnt es sich aber, direkt bei der Unterkunft anzurufen und zu fragen, ob sie überhaupt geöffnet hat“, rät die Reiserechtsexpertin Sabine Fischer-Volk. „Denn ist ein Urlaubsort Risikogebiet, dann kommt oft der gesamte Tourismus zum Erliegen.“ Ist das Haus geöffnet, sollten Kunden nachfragen, ob nicht im Rahmen einer Kulanzregelung eine Umbuchung auf einen anderen Zeitpunkt möglich ist. Ähnlich ist es mit Flügen: Findet ein individuell gebuchter Flug statt, so kann der Kunde nicht ohne entsprechende Stornogebühren vom Vertrag zurücktreten, sofern die Fluggesellschaft den Flug nicht von sich aus streicht. Viele Airlines bieten derzeit ihren Kunden allerdings auch großzügige, kostenlose Umbuchungsmöglichkeiten an.

Szenario drei: Pauschalreisende sind im Vorteil

Pauschalurlauber haben bessere Karten. Für deutsche Reiseveranstalter ist eine Reisewarnung in der Regel bindend. Die Unternehmen sagen ihre Reisen dann meist ab, sobald eine Warnung vorliegt. Anzahlungen bekommen die Gäste in diesem Fall zurück, und Urlauber mit baldigem Reiseantritt können ihrerseits kostenlos den Reisevertrag kündigen.

Tui zum Beispiel hat allerdings angekündigt, trotz Reisewarnung wieder Reisen auf die Kanarischen Inseln anzubieten. Kunden können zwar auch hier kostenlos von ihrem Vertrag zurücktreten, nur müssen sie es nicht unbedingt, wenn sie doch gerne in den Urlaub wollen.

Und was gilt, wenn für ein Ziel im Ausland noch keine Reisewarnung vorliegt, ich als Pauschalreisender aber jetzt schon weiß, dass ich nicht verreisen will? „Wer zu einer Risikogruppe gehört, kann den Veranstalter um eine Umbuchung auf einen späteren Zeitpunkt bitten“, schlägt Fischer-Volk vor. Die großen Veranstalter zeigen sich derzeit kulant bei den Umbuchungsoptionen. Ihre Reiserücktrittsversicherung können Urlauber im Fall einer Reisewarnung dagegen nicht nutzen. (dpa)

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