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Warum tragen manche Ärzte keine Maske?

Ärzte sollen ein Beispiel für Hygiene sein. Doch trotz steigender Corona-Zahlen halten sich nicht alle daran. Patienten sind verunsichert.

Für Arztpraxen gibt es keine Maskenpflicht.
Für Arztpraxen gibt es keine Maskenpflicht. © dpa-tmn

„Bei uns gilt keine Maskenpflicht!“ Diese Aushänge finden Patienten in zahlreichen Praxen niedergelassener Ärzte und Zahnärzte in Sachsen. Das irritiert. „Wenn sogar beim Einkaufen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln dieser Schutz vorgeschrieben ist, sollte es doch für sensible Bereiche wie Arztpraxen erst recht selbstverständlich sein“, äußert eine Chemnitzerin ihr Unverständnis. Zumal sie auch viele Praxen erlebt hat, in denen Hygiene- und Abstandsregeln sehr genau genommen werden. Patienten würden dort zum Beispiel nur einzeln zur Anmeldung und ins Wartezimmer vorgelassen, müssten Mund-Nasen-Bedeckung tragen und sich die Hände desinfizieren, einige Zahnärzte tragen sogar zusätzlich zur Maske ein Visier, um sich vor möglicherweise virenhaltigem Sprühnebel bei der Behandlung zu schützen. Warum diese Unterschiede?

Der Sächsischen Landesärztekammer ist es „durchaus bekannt, dass nicht in allen Praxen die Hygienemaßnahmen konsequent eingehalten werden“. Patienten hätten die Aufsichtsbehörde bereits darauf aufmerksam gemacht, so Kammerpräsident Erik Bodendieck auf Anfrage von sächsische.de. „Doch es gibt tatsächlich keine Maskenpflicht für Arztpraxen“, sagt Kammersprecher Knut Köhler. Insofern sind die Aushänge in den Praxen nicht falsch. Zudem gelte das Hausrecht. Jeder Praxisinhaber sei für die Einhaltung der Hygienemaßnahmen selbst verantwortlich – aber auch für die Konsequenzen bei Verstößen. Verstöße werden aber offensichtlich nicht geahndet.

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„Wir weisen mit Nachdruck darauf hin, dass Praxisärzte die empfohlenen Maßnahmen der Coronaschutzverordnung anwenden sowie entsprechend ihrer Ausbildung Infektionsschutz betreiben müssen“, heißt es in einem Positionspapier der Landesärztekammer. Nur eine wirksame Umsetzung könne weitere Bestimmungen verhindern. Arztpraxen seien hier besonders den gefährdeten Personengruppen verpflichtet, darüber hinaus müssten sie auch Vorbild sein. Erik Bodendieck: „Wir sind dankbar, dass die Bevölkerung in Sachsen sich auf eine große Zahl verantwortungsbewusster Ärzte verlassen kann. Leider handeln nicht alle in einer solchen Weise.“

Terminabsagen wegen Angst vor Ansteckung

Am Dienstag habe es eine Telefonkonferenz von Vertretern der sächsischen Ärztekammern mit dem Sozialministerium gegeben, in der über das weitere Vorgehen bei der Umsetzung der Coronaschutzverordnung in Arztpraxen beraten wurde. Ob es aufgrund der unterschiedlichen Handhabung der Hygienevorschriften nun doch eine Maskenpflicht für alle sächsischen Arztpraxen geben soll und inwieweit Kontrollen erfolgen, wollten die Verantwortlichen noch nicht kommunizieren.

Seitdem immer mehr Regionen in Sachsen zu Risikogebieten erklärt werden, bleiben auch wieder Patienten aus. Aus Angst vor einer Infektion schieben sie Behandlungen und Kontrolluntersuchungen auf. Der Präsident der Landeszahnärztekammer Sachsen sieht das kritisch. „Nicht durchgeführte Routineeingriffe können sich zu komplizierten Behandlungsfällen entwickeln. Zahnarzttermine sollten daher nicht aufgeschoben werden“, sagt Dr. Thomas Breyer. Und Dr. Holger Weißig, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsen, weist darauf hin, dass Erwachsene, die ihre Kontrolluntersuchung in diesem Jahr nicht mehr wahrnehmen, ihren kompletten Bonusanspruch verlieren könnten. Für Kinder gelte das jedoch nicht.

Kontrolluntersuchungen werden aber nicht nur im zahnmedizinischen Bereich aufgeschoben. Wie im Frühjahr zeichne sich auch in der Nuklearmedizin dieser Trend ab, wie der Berufsverband informiert. Jeder zehnte Patient sage derzeit seinen Termin aus Angst vor Ansteckung ab. Doch insbesondere Herz- und Krebspatienten setzten sich durch versäumte Kontrollen gesundheitlichen Risiken aus.

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Wie Dr. Roland Jochens vom Berufsverband betont, gebe es ein ausgeklügeltes Hygienekonzept. Geräte, Türklinken, selbst Stifte würden regelmäßig desinfiziert. Es gebe ein Einbahnstraßensystem in den Praxen, das den Kontakt mit anderen Patienten minimiert. Das Ansteckungsrisiko stünde in keinem Verhältnis zur Gefahr durch versäumte Kontrollen von Herz- und Krebskrankheiten.

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