merken
PLUS Pirna

Corona: Was ist in diesem Heim passiert?

Die Geschäftsführung der Einrichtung "Sächsische Schweiz" bestätigt die Anzahl der an Corona-Verstorbenen. Viele wollen das nicht wahrhaben.

Zahlreiche Bewohner sind im Seniorenwohnheim Sächsische Schweiz in Pirna verstorben. Das Thema wird auch auf Facebook intensiv diskutiert.
Zahlreiche Bewohner sind im Seniorenwohnheim Sächsische Schweiz in Pirna verstorben. Das Thema wird auch auf Facebook intensiv diskutiert. © Norbert Millauer

Die Nachricht über die hohe Todeszahl in dem Pirnaer Seniorenwohnheim Sächsische Schweiz, wird auch in den sozialen Medien intensiv diskutiert. Am vergangenem Freitag teilte die Geschäftsführung der Einrichtung mit, dass in den Monaten November und Dezember insgesamt 61 Bewohner mit und an dem Coronavirus verstorben seien. Insgesamt hatte das Heim in dieser Zeit 300 Einwohner - jeder Fünfte starb also mit oder an Corona.

Einige zweifeln die Zahl 61 auf Facebook an und vermuten, dass sie sogar noch höher liegt. So schreibt beispielsweise eine Nutzerin: "Um genau zu sein, waren es über 130 im November und Dezember". Unterstützung bekommt sie von anderen Usern. In der Heimzeitung sei die Todesrate allein für Dezember angeblich mit zirka 75 Personen angegeben worden.

sz-Reisen
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken

Bei SZ-Reisen findet jeder seine Traumreise. Egal ob Kreuzfahrt, Busreise, Flugreise oder Aktivurlaub - hier bekommen Sie für jedes Reiseangebot kompetente Beratung, besten Service und können direkt buchen.

Immer wieder thematisiert wird aber auch die Einsamkeit der Menschen in den Seniorenwohnheimen und deren Leid als mögliche Todesursache . "Noch nie zuvor wurden die älteren Menschen so eingesperrt. Was denkst du, was Einsamkeit mit Menschen macht? Und dann Ältere im Heim, die außer ihren Kindern und Enkeln niemand mehr haben. Selbst ihre Zimmernachbarn dürfen sie nicht mehr sehen", schreibt Ronni Siebert. Mit dieser Meinung steht er nicht allein dar.

Sogar persönlich betroffene Nutzer melden sich auf Facebook zu Wort. "Meine Uroma (99) ist auch dort gestorben. An Corona, laut Totenschein. Zu meiner Omi haben sie immer gesagt, sie hat keinerlei Symptome. Sie durfte sich noch nicht einmal verabschieden und das, obwohl es absehbar war, dass sie nicht mehr lange lebt! ... ", schreibt Janine Kattusch.

Deutlich weniger Todesfälle in den Vorjahren

Unterdessen bestätigt Jan Fritsche, dass in der Heimzeitung tatsächlich mehr verstorbene Bewohner aufgeführt worden sind. Dennoch bekräftigt der Geschäftsführer des Seniorenwohnheimes erneut die Zahl 61 der an Corona-Verstorbenen im November und Dezember 2020. "Es handelt sich dabei um Bewohner, die wir gemeinsam mit dem Gesundheitsamt als Corona-infiziert geführt haben und die sich quasi in der Quarantänephase befunden haben", sagt Fritsche. Da in Seniorenpflegeeinrichtungen auch ansonsten Todesfälle eintreten, sei eine höhere Zahl an Verstorbenen realistisch.

Hierzu zählten unter anderem auch verstorbene nicht infizierte Personen und gegebenenfalls im Krankenhaus verstorbene Menschen. Zudem sei die zeitliche Abgrenzung von berichteten Sterbefällen in der Heimzeitung nicht konkret auf einen Monat zugeschnitten, sondern vom jeweiligen Erscheinungsdatum abhängig, insofern könne es zu Überschneidungen kommen. "Das heißt, dass auch in der Dezemberausgabe Zahlen aus dem November enthalten sind. In den Vergleichszeiträumen der Vorjahre 2018/2019 hatten wir jeweils um die 30 Todesfälle zu verzeichnen", ordnet der Geschäftsführer ein. Also gibt es im Vergleich mindestens eine Verdopplung.

Geschäftsführung weist Kritik zurück

Kritik an der Besucher-Regelung bei Sterbenden möchte Jan Fritsche nicht gelten lasen. "Die Angehörigen konnten sich jederzeit von den Sterbenden verabschieden. Hier haben wir die geltenden gesetzlichen Regelungen sehr weitreichend ausgelegt und entsprechende Zutritte zur Einrichtung ermöglicht. Dies wurde von den Angehörigen rege in Anspruch genommen und auch mehrheitlich gut mitgetragen." Der Abschied nach Versterben musste jedoch leider eingeschränkt werden, da dies mit den geltenden gesetzlichen Regelungen derzeit nicht in Einklang zu bringen sei. "Hierauf haben wir leider keinen Einfluss. Dies bezog sich insbesondere auf die Zeit der Einrichtungsschließung ab dem 11. Dezember 2020", fügt Jan Fritsche hinzu. Unterdessen sind einige Wohnbereiche derzeit wieder geöffnet.

Landratsamt verweist auf Datenschutz

Das Landratsamt schweigt indes in dieser Angelegenheit. Aus datenschutzrechtlichen Gründen sei es nicht möglich, zur Anzahl der Todesfälle in den Pflegeeinrichtungen eine Auskunft zu erteilen. Das sagt Pressesprecherin Maria Ehlers auf Anfrage von Sächsische de. Auch die Frage, ob es vergleichbar viele Todesfälle in anderen Senioreneinrichtungen im Landkreis gegeben habe, beantwortet die Behörde nicht und verweist erneut auf den Datenschutz. Bekannt ist aber, dass Heime in Freital sehr stark betroffen waren. Es ist also davon auszugehen, dass dort die Zahlen ähnlich sind.

Vom Landratsamt heißt es: "Im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Pandemie wurde im Landratsamt eine Planungsgruppe Pflege gegründet. Diese steht den stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten als Ansprechpartner zur Verfügung." Es gebe ständigen Austausch mit den betroffenen Einrichtungen und Diensten. Die Zusammenarbeit zwischen der Landkreisverwaltung und den Pflegeheimen schätzt das Landratsamt als "kooperativ" ein.

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Pirna