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Wird's ein trauriger Corona-Advent?

Fast alle Orte im Südkreis haben ihre Weihnachtsmärkte schon abgesagt. Wie die Städte und Gemeinden die Adventsstimmung trotzdem retten wollen.

Die vierjährige Mia mit den selbst genähten Weihnachtswichteln. Mitstreiter vom Oderwitzer Kulturverein haben sie gefertigt. Sie werden Anfang Dezember an einem Stand verkauft.
Die vierjährige Mia mit den selbst genähten Weihnachtswichteln. Mitstreiter vom Oderwitzer Kulturverein haben sie gefertigt. Sie werden Anfang Dezember an einem Stand verkauft. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die kleine Mia freut sich über die selbst genähten Weihnachtswichtel. Ob die niedlichen Weihnachtsboten auch bei den Oderwitzern gut ankommen, wird sich in der ersten Adventswoche herausstellen. Dann nämlich werden die Wichtel, die Oderwitzerinnen selbst genäht haben, neben Bratwurst und Glühwein zum Mitnehmen verkauft. Die Aktion des Oderwitzer Kulturvereins soll den Weihnachtsmarkt zumindest ein Stück weit ersetzen. Denn wie fast überall wird es auch in Oderwitz einen Weihnachtsmarkt wie üblich am ersten Advent nicht geben. Für vorweihnachtliche Stimmung will der Oderwitzer Kulturverein, der den Weihnachtsmarkt in diesem Jahr organisiert hätte, dennoch sorgen. "Stattdessen wird es vor dem Edeka-Markt eine Weihnachtsbude geben, an der man Glühwein und Bratwurst kaufen kann, damit ein bisschen Adventsstimmung aufkommt", erklärt Jana Erbe vom Organisationsteam. Das "1. Oderwitzer Weihnachtsbudel" wird vom 28. November bis 6. Dezember vor Ort sein: wochentags ist es zwischen 16 und 19.30 Uhr geöffnet, am Wochenende 12 bis 17 Uhr. Zudem komme am Nikolaustag um 15.30 Uhr der Weihnachtsmann - natürlich mit Abstand. Mit Abstand plant der Kulturverein auch am 29. November eine Glühweinfuhre durch den Ort. Im Ober- und im Niederdorf soll je ein Auto starten, bei dem sich alle Interessenten nahezu kontaktfrei einen Glühwein abholen können.

Vielerorts fällt die Weihnachtsstimmung in Form von Weihnachts- und Adventsmärkten dieses Jahr flach - aufgrund der Corona-Regeln. Aktuell sind bis zum Ende des Monats derartige öffentliche Veranstaltungen wegen der steigenden Infektionszahlen verboten. Und gerade am ersten Advent, der auf den 29. November fällt, finden in der Region traditionell viele Weihnachtsmärkte statt. 

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Herrnhuter Sterne zum Selberbasteln

Die Herrnhuter sind  regelmäßig die ersten, die den Advent einläuten. Doch dieser „Startschuss“ wird dieses Jahr ausfallen: "Wir haben den Markt abgesagt", bestätigt der Leiter des Herrnhuter Fremdenverkehrsamtes, Konrad Fischer. Am 28. November - zum geplanten Zeitpunkt - sei es mit Blick auf die aktuellen Verordnungen ohnehin nicht möglich, ihn durchzuführen. Und verschieben wollen die Herrnhuter den Markt nicht: "Es bliebe realistisch nur der 12. oder der 19. Dezember, aber auch da ist es fraglich, ob die Infektionszahlen bis dahin so stark gesunken sind", erklärt Fischer. Ein Absperren des Festgebietes, um die Gästezahl auf einer bestimmten Größe zu halten, komme nicht in Frage und das für die Organisation des Herrnhuter Marktes wegen der vielen Händler aus der Region aufwendig ist, habe man sich schweren Herzens zur Absage entschieden.

Auch bei den Herrnhuter Sternen, die vor der Manufaktur immer einen kleinen "Markt" haben, läuft alles auf Sparflamme. "Die Gastronomie im Inneren mussten wir schließen, bieten aber draußen an einem Stand etwas zu essen und zu trinken zum Mitnehmen an", sagt Geschäftsführer Oskar Scholz auf Nachfrage. Auch die Bastelangebote im Zelt seien nun nicht mehr durchführbar. "Dafür bieten wir unsere Bastelsets für zu Hause an, die bereits im Frühjahr sehr gern angenommen wurden", betont er.

Wie in Herrnhut sind alle Weihnachtsmärkte, die traditionell am ersten Adventswochenende stattfinden, abgesagt. Den Gemeinden blieb keine andere Wahl. Dazu zählen neben Oderwitz und Herrnhut zum Beispiel auch Seifhennersdorf und Oppach. 

Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker (parteilos) verweist auf die sächsische Corona-Verordnung, die aktuell Volksfeste und Jahrmärkte ohnehin verbietet, und auf ein aktuelles Zitat von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Spahn sei am Montag in den Medien wie folgt zitiert worden: Die Deutschen müssten sich auf "Monate der Einschränkungen und des Verzichts" einstellen. Wenn die Regeln des Lockdown nach dem November auslaufen, heiße das nicht, dass "alle wieder feiern" könnten. In seiner Gemeinde hätte der Markt am dritten Advent stattgefunden. 

Ein paar Gemeinden haben noch Hoffnung

Einer, der noch ein kleines bisschen Hoffnung hat, ist Hagen Kettmann. Der Beiersdorfer Bürgermeister hält am Weihnachtsmarkt fest - sofern er vom Landkreis eine Genehmigung bekommt. "Wir haben beim Gesundheitsamt ein Hygienekonzept eingereicht", sagt er. Ein Bescheid steht noch aus. Damit werde sich das Amt sicher auch noch Zeit lassen, bis die weitere Entwicklung klar ist, so Kettmann. Der Beiersdorfer Weihnachtsmarkt findet traditionell am dritten Advent am Schützenhaus statt, für einen Nachmittag. 

Bernstadt und Schönau-Berzdorf geben die Hoffnung  auch noch nicht ganz auf. Nach den derzeit geltenden Bedingungen wäre ein Weihnachtsmarkt zwar nicht durchführbar, betont Andrea Mai aus der Bernstädter Stadtverwaltung. Aber da die Märkte in Bernstadt erst am 12. Dezember und am 13. Dezember in Schönau-Berzdorf geplant sind, hält man sich noch alles offen. "Wir werden das kurzfristig entscheiden", sagt auch Schönaus Bürgermeister Christian Hänel (parteilos). Wie in Bernstadt gestalten vor allem Händler und Vereine vor Ort den Markt, da könne man kurzfristig reagieren.

Ebenfalls auf eine Genehmigung für den am 6. Dezember geplanten Weihnachtsmarkt wartet Matthias Lehmann, Bürgermeister in Neusalza-Spremberg. "Wir haben die Absicht, einen Weihnachtsmarkt durchzuführen", bekräftigt er. Vorausgesetzt natürlich, der Landkreis erlaubt es. Realistisch betrachtet sei die Chance aber nicht sehr groß, so Lehmann. "Wenn man sich die aktuellen Fallzahlen und die Entwicklung ansieht, kann ich mir nicht vorstellen, dass es dann heißt: Im Dezember dürfen Weihnachtsmärkte stattfinden." 

Der Weihnachtsbaum kommt auf den Zittauer Markt

Aus diesem Grund heißt es auch in Zittau: Es wird keinen Weihnachtsmarkt wie gewohnt geben. Das hat die Verwaltungsspitze nach eingehenden Abwägungen der aktuellen Corona-Schutzverordnung beschlossen, teilt die Stadt mit. Die nun den gesamten November über greifenden Schutzmaßnahmen untersagen Weihnachtsmärkte explizit. Ob danach Märkte möglich sind, ist völlig ungewiss, heißt es von der Stadt. Eine verbindliche Planung sei unter diesen Bedingungen nicht leistbar. 

Auf vorweihnachtliche Stimmung will man aber nicht verzichten. Der große Weihnachtsbaum wird wie gewohnt auf dem Marktplatz stehen, die Stadt wird geschmückt und je nach den Umständen soll auch der eine oder andere weihnachtlich geschmückte Marktstand zugelassen werden. Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm): „Es ist in Anbetracht der gegenwärtigen Situation nicht seriös von einem echten Weihnachtsmarkt in Zittau zu sprechen, denn einen solchen werden wir nicht durchführen können.“ Die Verwaltung stehe in engem Kontakt mit dem Verein Zittauer Tourismus- und Gewerbeverein "Zittau Lebendige Stadt" um laufend zu prüfen, wie die Vorweihnachtszeit auch ohne Weihnachtsmarkt gestaltet werden kann.

Eine beliebte Weihnachtstradition fällt auch in Oybin der Pandemie zum Opfer. Die Gemeinde sagt sowohl den Weihnachtsmarkt, der immer am Sonnabend vor dem dritten Advent stattfindet, als auch die Kaiserweihnacht am 26. Dezember ab. „Das ist sehr schade, aber unter den Corona-Bedingungen nicht machbar“, sagt Bürgermeister Tobias Steiner (SPD). Das Krippenspiel am Heiligabend in der Bergkirche wird ebenfalls nicht in der Kirche stattfinden. Nach jetzigem Stand soll es nach draußen verlegt werden. 

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Diese Weihnachts- und Adventsmärkte sind ebenfalls bereits offiziell abgesagt: Leutersdorf, Großschweidnitz, Schönbach, Mittelherwigsdorf, Oberseifersdorf, Eibau, Ostritz, Ebersbach-Neugersdorf. Löbau hat sich auf eine SZ-Anfrage nicht geäußert.  

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