merken
PLUS Görlitz

Corona: Weitere 14 Todesopfer im Kreis

Die größten Sorgen an der Neiße bereiten schwer erkrankte Senioren. Daher rücken jetzt auch die Pflegeheime ins Zentrum der Pandemie.

Vor einem Besuchsverbot wie im Frühjahr schrecken viele Altenheime noch zurück.
Vor einem Besuchsverbot wie im Frühjahr schrecken viele Altenheime noch zurück. © Nikolai Schmidt

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hat sich am Donnerstag in Berlin besorgt gezeigt. Auch nach den Beschränkungen der vergangenen Wochen, die zu einer Stabilisierung geführt hätten, seien die Fallzahlen immer noch zu hoch.

Aktuell sei leider eine Entwicklung zu sehen, wie sie bei anhaltend hohen Fallzahlen befürchtet worden sei: Die Gesundheitsämter seien zusehends erschöpft und schafften es nicht mehr zu ermitteln, wo sich Betroffene angesteckt haben. Es gebe mehr Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen, in einigen Regionen kämen Krankenhäuser an Belastungsgrenzen. Die Zahl der schweren Verläufe und Todesfälle steige von Woche zu Woche, zu rechnen sei mit vielen weiteren Fällen.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Hochbetagte Senioren verlieren den Kampf

Wieler hatte den Landkreis Görlitz nicht speziell im Blick, aber die Zahlen des Kreis-Gesundheitsamtes von Donnerstagmittag vermitteln genau dieses Bild.

So sind dem Gesundheitsamt weitere 14 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus übermittelt worden, allerdings für den Zeitraum vom 20. bis 26. November. Verspätetet eingetroffene Totenscheine oder Überforderungen des Gesundheitsamtes können die Ursache dazu sein. Es handelt sich um zwei 89-jährige Männer aus Niesky, eine 94-jährige Frau aus Löbau, eine 90-jährige Frau sowie einen 82-jährigen Mann aus Schönau-Berzdorf, zwei Frauen im Alter von 80 und 85 Jahren aus Weißwasser, eine 93-jährige Frau aus Weißkeißel, eine 79-jährige Frau und einen 81-jährigen Mann aus Horka, einen 26-jährigen Mann sowie zwei Frauen im Alter von 67 und 97 Jahren aus Görlitz und einen 82-jährigen Mann aus Bad Muskau. Damit erhöht sich die Zahl der Todesfälle auf insgesamt 171.

Deutschlandweiter Trend

Unverändert sind die alten Menschen, vor allem über 80 Jahre, besonders von der Corona-Pandemie betroffen. Nach Angaben des RKI sei die Tendenz in dieser Gruppe steigend, während sie in anderen Altersgruppen stagniere oder zurückgehe. In der Gruppe der Über-80-Jährigen seien bisher die meisten Todesfälle deutschlandweit erfasst worden: 11.572 von insgesamt 17.602 bundesweit. Die zunehmende Betroffenheit der Älteren als Folge einer zunächst hohen Virusverbreitung bei jüngeren Altersgruppen war seit Langem befürchtet worden.

Die Altenheime zögern aber, angesichts ihrer Erfahrungen im Frühjahr, ein totales Besuchsverbot zu verhängen, zumal die Lage von Haus zu Haus sehr verschieden ist. Auch der Landkreis hat in seiner Allgemeinverfügung vom Montag dieser Woche kein generelles Besuchsverbot für die Einrichtungen ausgesprochen. Die Besuchsregelungen trifft jedes Haus selbst. Aber der Kreis mahnte am Mittwoch in einer Presseerklärung auch, "die Besuchsregelungen an die aktuelle regionale Infektionslage anzupassen".

Angesichts dieser Entwicklung rief RKI-Präsident Lothar Wieler die Bürger im gesamten Land eindringlich dazu auf, Regeln zu Abstand, Hygiene und Alltagsmasken "immer und überall" zu beherzigen. Dies sei entscheidend, da man sich prinzipiell überall anstecken könne, wo Menschen zusammenkommen - nicht nur bei großen Partys. Auch an den Weihnachtstagen gelte es, Kontakte so stark wie möglich einzuschränken. "Diese Pandemie lebt nur von unserem Verhalten."

Mehr Neuinfektionen als vor einer Woche

Zugleich registrierte das Gesundheitsamt 195 neue Infektionen mit dem Coronavirus innerhalb eines Tages, darunter zwölf Kinder. Am Donnerstag vor einer Woche waren es 179 Fälle. Die vom Kreis berechnete 7-Tages-Inzidenz steigt dadurch weiter und liegt jetzt bei 450 Einwohner.

197 Menschen werden derzeit stationär in den Kliniken des Landkreises Görlitz behandelt, 24 davon benötigen eine intensivmedizinische Betreuung.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Löbau lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Zittau lesen Sie hier

Mehr zum Thema Görlitz