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Corona: Wurden Impfdosen in Pirna entsorgt?

Es ist die größte Impfkampagne, die es jemals im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gegeben hat. Einem bösen Gerücht widerspricht das DRK.

Christian Thie, Leiter des Impfzentrums in Pirna-Jessen, hält ein leeres Fläschchen des Corona-Impfstoffs in der Hand.
Christian Thie, Leiter des Impfzentrums in Pirna-Jessen, hält ein leeres Fläschchen des Corona-Impfstoffs in der Hand. © Daniel Schäfer

Pirna. Er gehört derzeit zu den meistbegehrten Produkten im Lande: der Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-Cov-2. Tausende im Landkreis würden sich gern impfen lassen. Doch es mangelt an Impfstoff. Lediglich 180 Dosen stehen täglich für die gesamte Bevölkerung im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zur Verfügung. Zusätzlich bekommen nur Kliniken Impfstoff, den sie Beschäftigten spritzen.

Zwar wurden Prioritäten festgelegt, welche Bevölkerungsgruppen zuerst geimpft werden sollen. Doch selbst für die Gruppe mit der höchsten Priorität, also über 80-Jährige sowie Personal in medizinischen und Pflegeberufen, ist es Glückssache, eine der raren Impfdosen abzubekommen.

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Wie viel Zeit bleibt nach dem Auftauen?

Um so ärgerlicher wäre es, wenn aufgetauter Impfstoff am Ende des Tages weggeworfen werden müsste, weil die Impfteams nicht alles losgeworden sind. In Berlin hat es Medienberichten zufolge einen solchen Fall gegeben. Impfstoff von Biontech und Pfizer war demnach bereits in Spritzen aufgezogen gewesen, aber nicht innerhalb der vorgeschriebenen maximal zwei Stunden gespritzt worden. Zehn Impfdosen mussten deshalb entsorgt werden.

Auch im Impfzentrum des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Pirna-Jessen wird dieser Impfstoff gespritzt. Und gleich kam das Gerücht auf, dass auch in Pirna schon Impfstoff entsorgt werden musste. Am Telefon von Sächsische.de fragte eine Leserin, ob das nicht besser organisiert werden könnte.

Wie effektiv wird gearbeitet?

Dass Impfstoff entsorgt worden ist, dem widerspricht der Leiter des Pirnaer Impfzentrums, Christian Thie vom DRK Pirna, energisch. "Bei uns wird quasi jeder Tropfen genutzt", sagt er auf Nachfrage. Das zu gewährleisten, ist keine leichte Aufgabe für alle Beteiligten, aber lösbar.

Der Impfstoff von Biontech wird nach der Produktion tiefgekühlt, entsprechend transportiert und ist dann 30 Tage haltbar. Vor der Aufbereitung zur Impfung muss er drei Stunden in einem Kühlschrank auf eine Temperatur von zwei bis acht Grad Celsius aufgetaut werden. In Spritzen kann er bei einer Temperatur bis 25 Grad Celsius bis zu zwei Stunden gelagert werden.

Dem Impfzentrum Pirna stehen täglich 36 Fläschchen des Impfstoffs zur Verfügung. Daraus können laut Zulassung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) jeweils mindestens fünf Impfdosen generiert werden. In Pirna-Jessen bereiten Apotheker den Impfstoff auf. Er muss beispielsweise mit Kochsalzlösung verdünnt werden und das, ohne das Serum zu schütteln.

Inzwischen ist in der Praxis aber festgestellt worden, dass ein Fläschchen auch für sechs Impfdosen reicht. Die Zulassung soll entsprechend modifiziert werden. Es kommt jedoch darauf an, welche Spritzen und Nadeln verwendet werden.

Wird Landkreis schlechter beliefert?

Nach einer Woche hat die Impf-Praxis in Pirna gezeigt, dass stabil sechs Impfdosen pro Fläschchen hergestellt werden konnten. Demzufolge wurden nicht nur 180 Personen im Impfzentrum sowie vom mobilen Impfteam geimpft, sondern 216.

Für jede zusätzliche Impfdosis fand sich auch sofort jemand aus der Gruppe mit der höchsten Priorität. Kurzfristig wurde Personal aus Rettungsdienst, Pflege oder Feuerwehr zusätzlich in den Impfplan mit aufgenommen. "Hier wird nichts weggeworfen", bekräftigt Thie noch einmal.

Dass der Landkreis 216 Impfdosen täglich zur Verfügung hat, damit ist aber schon wieder Schluss. "Wir bekommen jetzt nur noch 30 statt der bisherigen 36 Fläschchen und sind somit wieder bei den ursprünglichen 180 Impfungen", sagt Thie. Wohin die sechs anderen Fläschchen jetzt verbleiben, weiß er nicht.

Wer garantiert die zweite Impfung?

Dass die Impfdosen praktisch bereits namentlich zugeordnet sind, setzt das Impfteam auch gehörig unter Druck, keinen Fehler zu machen. Weil es für die Impfwilligen immer noch Glückssache ist, einen Impftermin zu ergattern, soll natürlich auch jeder seine geplante Impfung erhalten.

So schnell wird es auch keine zusätzlichen Impftermine geben. Im Gegenteil. Am Freitagnachmittag erklärte das Gesundheitsministerium, dass es in Deutschland zu Lieferengpässen beim Hersteller Pfizer/Biontech kommen wird. Impfstoffe von anderen Herstellern sind für Sachsen noch nicht verfügbar.

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