merken
PLUS Sachsen

Jetzt reden wir! Wie es Teenagern im Lockdown geht

Kinder und Jugendliche in Corona-Zeiten: Da reden Erwachsene fast nur von Schule. Aber auch junge Menschen haben ein Privatleben. Hier erzählen sie davon.

Wir haben Jugendliche in Sachsen gefragt, wie sie den Corona-Lockdown erlebt haben. Was hat sie beschäftigt, mit welchem Gefühl gehen sie am Montag wieder in die Schule?
Wir haben Jugendliche in Sachsen gefragt, wie sie den Corona-Lockdown erlebt haben. Was hat sie beschäftigt, mit welchem Gefühl gehen sie am Montag wieder in die Schule? © SZ/Privat

Dresden. Kinder, Erwachsene, Großeltern: Menschen aus allen Altersgruppen leiden unter den Einschränkungen der Corona-Zeit. Aber nicht alle finden gleichermaßen Gehör. Die Risikogruppen der alten Menschen schon, schließlich ist ihre Gesundheit am stärksten bedroht, vielfach auch ihr Leben.

Ebenso oft ist inzwischen die Rede von Menschen, deren Existenzen auf dem Spiel stehen, weil sie ihre Berufe nur eingeschränkt oder gar nicht mehr ausüben können. Auch Kindern und Jugendlichen wird eine Stimme gegeben. In der Politik, in den Medien und in der Öffentlichkeit ist das ein Dauerthema: Sie können nicht richtig lernen, müssen sich durchs Homeschooling schlagen, dürfen auch nach Schulöffnungen immer noch keinen wirklich normalen Unterricht erleben und wissen nicht, wie um Himmels Willen das mit den eigentlich bald anstehenden Prüfungen bloß werden soll ...

Anzeige
Ein völlig neues Lebensgefühl
Ein völlig neues Lebensgefühl

Das Frühjahr wird oft zum Abspecken und für Diäten genutzt. Doch wer nachhaltig fit und gesund bleiben möchte, sollte auf eine andere Strategie setzen.

Es geht eben meistens nur darum: Um Kinder und Jugendliche in ihrer Eigenschaft als Schüler, die Leistungen bringen und im Bildungssystem funktionieren müssen. Kaum jedoch sind sie mal ein Thema als Menschen wie alle anderen auch. Als junge Leute, die ein Leben außerhalb der Schule haben, ein privates, mit Freundinnen und Freunden, Sport und Hobbys. All das ist für ihr Heranwachsen mindestens ebenso wichtig wie Schule.

Das bedeutet aber auch: Nicht bei Eltern und Großeltern, vielmehr bei den Kindern und Enkeln ist der Unterschied zwischen dem „normalen“ Leben und dem Leben unter Corona-Bedingungen besonders groß.

Hinzu kommt, dass ein Jahr im Alltag junger Menschen sich ungleich stärker und nachhaltiger auf deren körperliche, geistige und soziale Entwicklung auswirkt als bei allen anderen Altersgruppen. Daher kann ein Jahr der Einschränkungen auch gravierendere Folgen für sie haben.

Das Problem ist schon zum Forschungsgegenstand geworden. An der Universität Hildesheim etwa haben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen untersucht, welche Auswirkungen das Leben unter Pandemie-Bedingungen auf Familien hat. Sie fanden unter anderem heraus, dass über 80 Prozent der jungen Menschen ihre Kontakte sehr maßgeblich eingeschränkt haben.

Zwar kommen Kinder ab einem gewissen Alter besser damit klar als andere, weil sie es ohnehin gewohnt sind, Kontakte auch digital zu pflegen - aber eben nicht nur digital. Durch den Wegfall der regelmäßigen „Live“-Begegnungen mit Freundinnen und Freunden ist die Familie als sozialer Raum und Beziehungsnetz immer wichtiger geworden. Für manche ist das ein Geschenk. Für andere eine Belastung.

Was also macht Corona mit Kindern? Wir wollten es herausfinden und haben junge Menschen zwischen acht und 16 Jahren gefragt. Wie erleben sie diese Zeit? Was fehlt ihnen am meisten? Was vermissen sie am wenigsten? Was tun sie gegen den Corona-Frust? Haben sie überhaupt Corona-Frust? Hier gibt es einige der Antworten aus den Chats, Videos oder Sprachnachrichten, die sie uns geschickt haben.

Dass die Schulen jetzt, wo sie gerade wieder für alle öffnen sollen, nicht wieder schließen, ist die Hoffnung nicht nur von der 8-jährigen Helene aus Dresden. Für die meisten wurde es mit der Zeit zum Problem, dass die Schulen geschlossen waren. Wenn auch viele zugeben, dass sie sich anfangs freuten. Doch irgendwann wird das Lernen allein am heimischen Schreibtisch eintönig. Und manchen fällt es schwer mitzuhalten.

Am meisten aber vermissen die Jugendlichen ihre Freunde und ihre Hobbys.

"Ich möchte überall hingehen können, ohne Maske, wann ich möchte." Mit diesem Wunsch spricht Miriam allen aus dem Herzen. Bei etlichen Jugendlichen dominiert der verständliche Frust über die eingeschränkte Freiheit.

Doch nicht alles ist schlecht. Es gibt auch Positives in dem Lockdown, lange Schlafen zum Beispiel. Viele finden zudem mehr Ruhe, mehr Zeit zum Lesen oder für das Haustier, zum Skaten oder zum Biken.

Zeit mit der Familie: Das ist für viele das große Plus in der Krise. Und fast Jeder und Jede hat ein eigenes Rezept, wie sich Langeweile und Frust bewältigen lassen. Die Jugendlichen haben ihre Strategie gefunden, mit der Situation klarzukommen. "Reden", nennt zum Beispiel die 14-jährige Meta als Tipp, "vielleicht auch gerade, wenn es einem nicht so gut geht".

Weiterführende Artikel

Wie Sachsens Kinder unter dem Lockdown leiden

Wie Sachsens Kinder unter dem Lockdown leiden

Die Zahl der psychotherapeutisch behandelten Kinder und Jugendlichen steigt seit Jahren stark an. Die Corona-Krise verschärft die Probleme zusätzlich.

Und es zeigt sich: Die Kinder und Jugendlichen haben erstaunliche Fähigkeiten, sich auch mit unschönen Umständen zu arrangieren. Sie kommen im Großen und Ganzen gut durch die Krise und ermutigen sich gegenseitig. Ganz nach dem Motto von Jeffry : "Bleibt stark!"

Mehr zum Thema Sachsen