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Wie kann ich mit dem Homeoffice Steuern sparen?

Heimarbeit, Kurzarbeit, Corona-Prämien: Die Steuererklärung für 2020 ist komplizierter als sonst. Experten gaben Tipps beim SZ-Telefonforum.

Wer im Homeoffice tätig ist, kann pro Tag fünf Euro, maximal 600 Euro im Jahr, bei den Werbungskosten ansetzen.
Wer im Homeoffice tätig ist, kann pro Tag fünf Euro, maximal 600 Euro im Jahr, bei den Werbungskosten ansetzen. © Julian Stratenschulte/dpa

Seit Montag prüfen die 24 Finanzämter in Sachsen die Einkommensteuererklärungen für das Jahr 2020. Zur Abgabe sind diesmal viele Arbeitnehmer verpflichtet, die sonst keine Erklärung abgeben mussten, im Corona-Jahr jedoch Lohnersatzleistungen, wie Kurzarbeitergeld oder Krankengeld, von über 410 Euro bezogen haben. Das wirft viele Fragen auf. Antworten gab es beim SZ-Telefonforum von Gabi Kneschk (Vereinigte Lohnsteuerhilfe), Jana Bauer (Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine) und Antje Barth (Lohn- und Einkommensteuer Hilfe-Ring).

Ich bin seit Mai 2020 in Kurzarbeit und arbeite nur 50 Prozent. Mein Arbeitgeber stockt das Gehalt auf. Wie wird sich das steuerlich auswirken?

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Kurzarbeitergeld ist eine Lohnersatzleistung und damit grundsätzlich steuerfrei. Es unterliegt allerdings dem sogenannten Progressionsunterhalt und erhöht Ihren persönlichen Steuersatz, mit dem Ihr restliches Einkommen versteuert wird. Ob sich eine Steuernachzahlung ergibt, hängt insbesondere davon ab, wie viel Lohnsteuer auf den normalen Lohn Ihr Arbeitgeber im Laufe des Jahres an das Finanzamt abgeführt hat. Wer monatsweise verkürzt gearbeitet und neben dem Lohn noch Kurzarbeitergeld bezogen hat, wird in der Regel Steuern nachzahlen müssen. Der Grund: Auf den verkürzten Lohn wurde zwangsläufig weniger Lohnsteuer berechnet. Umso wichtiger ist es, dass Sie Ihre Steuerlast durch andere Ausgaben, wie etwa Vorsorgeaufwendungen oder auch Fahrtkosten, mindern.

Ich war im vergangenen Sommer drei Monate in Kurzarbeit. Welche steuerlichen Folgen hat das?

Da Sie nur für einen kurzen Zeitraum ausschließlich Kurzarbeitergeld bezogen und in den anderen Monaten noch voll gearbeitet haben, wird das aller Voraussicht sogar zu einer Steuererstattung führen. Verteilt auf das gesamte Jahr wurden trotz Ihrer Kurzarbeit bereits höhere Lohnsteuern einbehalten. Beachten Sie: Falls Sie mehr als 410 Euro Kurzarbeitergeld bekommen haben, sind Sie verpflichtet, eine Steuererklärung für das Jahr 2020 abzugeben.

Wegen Corona musste ich 2020 Hartz IV beantragen und konnte keinen Unterhalt für meinen 14-jährigen Sohn zahlen, der bei der Mutter lebt. Kann ich ihr über die Steuer etwas zurückgeben?

Denkbar ist eine Übertragung Ihres sogenannten BEA-Freibetrages. Dabei handelt es sich um einen Freibetrag für den Betreuungs-, Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf des Kindes in Höhe von 1.320 Euro, den es neben dem normalen Kinderfreibetrag gibt. Normalerweise können beide Eltern den BEA-Freibetrag beantragen. In Ihrem Fall können Sie für 2020 darauf verzichten, und die Mutter des Kindes beantragt den vollen Betrag. Das kann sie in der Anlage Kind in Zeile 45 kenntlich machen.

Wer monatsweise verkürzt gearbeitet und neben dem Lohn noch Kurzarbeitergeld bezogen hat, wird in der Regel Steuern nachzahlen müssen.
Wer monatsweise verkürzt gearbeitet und neben dem Lohn noch Kurzarbeitergeld bezogen hat, wird in der Regel Steuern nachzahlen müssen. © Jens Büttner/dpa

Ich bin alleinstehend und habe vom 1.1.2020 bis 31.12.2020 Arbeitslosengeld erhalten. Muss ich für das Jahr 2020 eine Steuererklärung abgeben?

Nein. Wenn Sie in 2020 ausschließlich Arbeitslosengeld bezogen und keine weiteren Einkünfte gehabt haben, müssen Sie keine Steuererklärung abgeben. Wir empfehlen dennoch vor Ablauf der Abgabefrist dem Finanzamt mitzuteilen, dass Sie aus diesem Grund keine Erklärung einreichen werden.

Mein Arbeitgeber hat mir im Herbst wegen corona-bedingter Mehraufgaben eine Prämie von 1.000 Euro gezahlt. Muss ich die bei der Steuer angeben?

Nein. Spezielle Corona-Prämien, die zusätzlich zum Gehalt gezahlt wurden, sind steuerfrei. Sie müssen nicht in der Steuererklärung angegeben werden. Aufgrund der Verlängerung des Auszahlungszeitraumes bis zum 30. Juni 2021 besteht die Möglichkeit, dass der Arbeitgeber die Corona-Prämie bis zum Gesamtbetrag von 1.500 Euro ausschöpft. Eine Aufteilung auf mehrere Teilleistungen ist möglich.

Die Hälfte meiner Arbeitszeit bin ich im Homeoffice, die andere im Büro. Wie setze ich die Homeoffice-Pauschale an?

Wer im Homeoffice tätig ist, kann pro Tag fünf Euro, maximal 600 Euro im Jahr, ansetzen. Voraussetzung dafür ist, dass Sie an diesem Tag ausschließlich zu Hause gearbeitet haben. Nehmen wir mal an, Sie haben an einem Tag vormittags zu Hause gearbeitet und nachmittags im Büro: Dann dürfen Sie für diesen Tag die Pauschale nicht angeben – jedoch die Fahrtkosten für den Arbeitsweg, sprich die Pendlerpauschale von 30 Cent pro Kilometer. Beides parallel geht nicht. Eingetragen werden die Werbungskosten in der Anlage N.

Stimmt es, dass sich die Homeoffice-Pauschale nicht für jeden lohnt?

Die Pauschale von maximal 600 Euro rentiert sich nur, wenn Sie weitere Werbungskosten haben und den Werbungskosten-Pauschbetrag von 1.000 Euro übersteigen. Dazu zählen etwa selbst gezahlte Fortbildungskosten, Ausgaben für Berufsbekleidung oder Fachliteratur. Aufwendungen für Arbeitsmittel, wie Computer, Headset, Schreibtischlampe und Telefon- oder Internetkosten, können Sie weiterhin zusätzlich zu der Homeoffice-Pauschale absetzen.

Seit Monaten arbeite ich im Homeoffice. Kann ich neben der neuen Pauschale weitere Kosten, wie Miete, Heizung oder Strom, geltend machen?

Das hängt ganz davon ab, ob Sie mit Ihrem Laptop am Küchen- oder Wohnzimmertisch arbeiten oder ob Sie ein extra Arbeitszimmer haben und dort tätig sind. Wenn Sie ein abgeschlossenes Arbeitszimmer haben, das Sie zu mindestens 90 Prozent beruflich nutzen, können Sie Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer geltend machen – in dem Fall alle anfallenden Kosten bis 1.250 Euro pro Jahr. Dazu gehören Mietkosten, Schuldzinsen oder Kosten für die Ausstattung des Arbeitszimmers.

Aufwendungen für Arbeitsmittel, wie z.B. Computer, können weiterhin zusätzlich zu der Homeoffice-Pauschale abgesetzt werden.
Aufwendungen für Arbeitsmittel, wie z.B. Computer, können weiterhin zusätzlich zu der Homeoffice-Pauschale abgesetzt werden. © Felix Kästle/dpa

Kann ich zwischen der Homeoffice-Pauschale und dem Einzelkostennachweis für mein Arbeitszimmer wählen?

Ja. Haben Sie mehr als die Hälfte der Arbeitszeit, zum Beispiel an drei von fünf Arbeitstagen pro Woche, oder vielleicht sogar die gesamte Arbeitszeit von zu Hause gearbeitet, haben Sie dort Ihren Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit. Dann können Sie die vollen Kosten für das häusliche Arbeitszimmer, also in unbegrenzter Höhe, absetzen. Diese Kosten können auch zeitanteilig geltend gemacht werden.

Ich bin im Außendienst tätig. Gibt es wieder neue Verpflegungspauschalen?

Ja. Bei mehr als acht Stunden Abwesenheit von zu Hause beträgt die Verpflegungspauschale 14 statt bisher zwölf Euro, bei 24 Stunden 28 statt 24 Euro. Für Berufskraftfahrer gilt die neue Übernachtungspauschale: Haben sie in der Lkw-Kabine übernachtet, können sie für jeden Kalendertag zusätzlich zur Verpflegungspauschale acht Euro geltend machen. In der Summe kommen so viele Arbeitnehmer über die Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro.

Ich vermiete ein Einfamilienhaus. Kann ich die Steuererklärung vom Lohnsteuerhilfeverein erstellen lassen?

Lohnsteuerhilfevereine dürfen beraten, wenn Einkünfte als Arbeitnehmer, Rentner oder Pensionär oder aus Unterhaltsleistungen vorliegen. Wenn es zusätzlich Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung gibt, dürfen sie beraten, wenn die Einnahmen bei Zusammenveranlagung 36.000 Euro nicht übersteigen. Hierbei zählen die gesamten Mieteinnahmen, also die Warmmiete. Weitere Voraussetzung: Die Einnahmen sind nicht umsatzsteuerpflichtig.

Im vergangenen Jahr haben wir unsere Gartenlaube renoviert. Unter anderem wurde das Dach von einem Handwerker saniert. Können wir die Kosten dafür in der Steuererklärung geltend machen?

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Ja. Die Kosten für Handwerkerleistungen können Sie bis zu 6.000 Euro im Jahr absetzen. Der Steuerbonus von 20 Prozent der Aufwendungen, maximal 1.200 Euro, wird direkt von der Einkommensteuerschuld abgezogen. Voraussetzung ist, dass die Arbeiten in einem von Ihnen selbst bewohnten Haus, in einer Wohnung oder auf dem dazugehörigen Grundstück erfolgten. Wenn sich das Gartenhaus auf Ihrem Grundstück befindet, können Sie Anfahrt- sowie Lohnkosten des Handwerkers vollständig absetzen, Materialkosten dagegen nicht. Deshalb sollte in der Rechnung eine Aufteilung erfolgen. Zusätzlich muss die Rechnung überwiesen worden sein.

Notiert von Kornelia Noack.

Wann Rentner steuerpflichtig sind und was sie bei einer Steuererklärung beachten müssen, lesen Sie am Freitag.

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