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Kampf um Masken und Einmalhandschuhe

Ein Pulsnitzer Unternehmen bemüht sich um die Versorgung mit Schutzzubehör, das im März noch ein Ladenhüter war - und zurück nach China ging.

Berichtet über die Herausforderungen bei der Versorgung mit Schutzzubehör: Stefan Meyer, Geschäftsführer der Schaub Rehatechnik aus Pulsnitz, hier mit den Mitarbeiterinnen Bianka Hörold (l.) und Sabine Fischer in der Kamenzer Filiale.
Berichtet über die Herausforderungen bei der Versorgung mit Schutzzubehör: Stefan Meyer, Geschäftsführer der Schaub Rehatechnik aus Pulsnitz, hier mit den Mitarbeiterinnen Bianka Hörold (l.) und Sabine Fischer in der Kamenzer Filiale. © René Plaul

Pulsnitz/Kamenz. Schutzmasken und Einweghandschuhe sind aktuell mehr denn je gefragt. Doch seit Beginn der Corona-Krise im Frühjahr gibt es immer wieder Engpässe in den Lieferketten. Stefan Meyer, Geschäftsführer der Schaub Rehatechnik GmbH, kann aktuell ein Lied davon singen. Das Unternehmen mit Sitz in Pulsnitz ist eines der kleineren in der Branche und behauptet sich seit 1992 im großen Kreis der Gesundheitsversorger.

"Momentan hängt es konkret an Gummihandschuhen. China und Malaysia können nicht so viel produzieren und liefern, wie weltweit gebraucht werden", sagt Stefan Meyer. Wochenlang telefoniere man der Ware deshalb hinterher. Seine Arbeit habe sich in den letzten Monaten deshalb sehr verändert. Sein gesamtes wirtschaftliches Gespür und Verhandlungsgeschick seien gefragt, wenn es um die Beschaffung wichtiger Materialien geht. Denn beim Unternehmen vor Ort klopfe die Kundschaft als erstes an, wenn etwas fehlt. Und es fehle einiges in der Corona-Krise.

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Pflegedienste und Privatkunden aus ganz Sachsen, aber auch aus Berlin oder Schwerin gehören zu den Stammkunden. "Der Virus hat alles auf den Kopf gestellt", sagt Stefan Meyer. "Ehe wir im Frühjahr beispielsweise jeden mit Masken versorgt hatten, war das ein unvorstellbarer Kraftakt."

Engpass bei Einmalhandschuhen

Dabei hätten vorher zwei Boxen mit Mund-Nase-Schutzmasken Made in China monatelang ungenutzt in seinen Sanitätshäusern gestanden. Nur selten habe jemand danach gefragt. Die letzten Bestände seien dann im März dorthin zurück gegangen, woher sie geliefert worden waren: nach China. Kurz darauf brach Covid-19 auch in Deutschland aus.

"Das ist wirklich eine verrückte Geschichte, aber ein befreundeter Arzt, der dort lebt, brauchte sie dringend. Und so haben wir sie ihm zugeschickt", erzählt Meyer. Was nach einer ausgedachten Geschichte klingt, ist Realität. "Sowas kann sich keiner ausdenken. So etwas schreibt nur das Leben", sagt der 55-Jährige.

Dass es in den Frühlingsmonaten extrem schwierig war, Ware zu besorgen, ist längst bekannt. Doch in den ruhigeren Sommermonaten relativierte sich der Mangel an Masken und Schutzzubehör. Der Herbst und die steigenden Corona-Zahlen brachten allerdings neue Probleme mit sich. "Mittlerweile haben auch die Preise extrem angezogen. Das ist nicht mehr normal", klagt Stefan Meyer.

Vor allem das der Kundschaft zu erklären, sei schwer. Oft treffe man nicht auf Verständnis. Zum Vergleich: Vorher habe eine Kiste Einmalhandschuhe 8 Euro gekostet, jetzt seien es bereits 23 Euro, und die Preise würden weiter steigen. Doch die Nachfrage regelt das Angebot. Und alle Krankenhäuser, Pflegedienste und auch pflegende Angehörige benötigen das Material dringender denn je.

Sanitätshaus in Kamenz feiert 25. Jubiläum

Als Stefan Meyer 1992 zur Aushilfe aus dem Schwarzwald nach Pulsnitz gerufen wurde, um die Firma zu unterstützen, ahnte er nicht, dass es ein Aufenthalt für immer sein sollte. "Wir gehören immer noch zur großen Schaub-Gruppe in Baden Württemberg, sind aber mittlerweile ein eigenständiges Unternehmen", erzählt er.

Drei Standorte hat die Pulsnitzer Schaub GmbH. Die Zentrale befindet sich in der Pfefferkuchenstadt. Vor zwei Jahren verlagerte sie ihren Hauptsitz an die Bischofswerdaer Straße. Dort befand sich zuvor ein Autohaus. Weitere Filialen gibt es in Kamenz und in Leezen in Mecklenburg Vorpommern. Der Kamenzer Laden feierte dieser Tage sein 25. Jubiläum am Schulplatz. "Wir fanden es schön, dass es seitens der Stadtverwaltung eine Urkunde dafür gab. Fast hätten wir das Jubiläum in diesen arbeitsintensiven Zeiten verpasst", sagt der Geschäftsführer.

Stefan Meyer ist gelernter Orthopädiemechaniker/Rehatechniker. Er absolvierte seine Ausbildung bei der Firma Schaub KG in Freiburg. Eigentlich habe er gedacht, dass er dort auch bis zur Rente arbeiten wird. Doch es kam anders. Die Menschen und die Herausforderung im Osten zogen ihn an, und er wurde sesshaft in Sachsen. Seit 1994 ist er der Chef des Unternehmens - aktuell mit 14 Mitarbeitern. "Damit sind wir ein kleines Licht in der Branche, aber viele Kunden bestätigen uns täglich, dass ihnen gerade diese fast familiäre Atmosphäre gut gefällt", sagt er stolz.

Preisdruck und Corona-Herausforderungen

"Meine Mitarbeiter im Außendienst bekommen beispielsweise keinen Druck von mir, das schlägt sich in der Arbeit nieder", sagt Stefan Meyer. Natürlich seien Pünktlichkeit und ein gutes Vertrauensverhältnis für die Kunden immens wichtig. Pflegebetten müssen beispielsweise immer relativ rasch geliefert werden, wenn jemand aus dem Krankenhaus entlassen wird. Andere Dinge, wie die Planung eines Pflegebades, laufen mittelfristiger. "Die größte Gefahr für einen Pflegebedürftigen ist immer noch die Badewanne", sagt Meyer. "Wir kommen dann auch gern zu kostenlosen Wohnumfeldberatungen vor Ort. Da klären sich meistens alle Fragen zum Thema."

Die Macht der Krankenkassen sei weiter angewachsen, ein enormer Preisdruck entstanden. Zentrale Vorschriften seien längst nicht so patientenfreundlich, wie sich das leidenschaftliche Medizinprodukte-Berater vorstellen. "Vor allem Zertifizierungen, Datenschutz und Präqualifizierungen halten uns ständig in Atem. Die Liste, was man alles zu beachten hat in der Gesundheitswirtschaft, ist wirklich ellenlang", sagt der Chef.

Auch der zusätzliche Zeitaufwand in der Corona-Krise dürfe nicht vergessen werden. Viele kleine Handgriffe seien dazu gekommen. "Wenn man sauber und ordentlich arbeitet, zahlt sich das aber aus. Wir haben eine große Weiterempfehlungsquote", freut sich Stefan Meyer.

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