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Corona: Wo steht Dresden beim Impfen?

Ein Meilenstein ist geschafft, doch Unzufriedenheit bleibt. Die Hausärzte sehen sich gegenüber den Impfzentren benachteiligt. Der große Impf-Überblick.

Sieben Tage die Woche wird im Dresdner Impfzentrum gegen das Coronavirus gearbeitet. Dresdens Hausärzte würden ebenfalls gern mehr tun.
Sieben Tage die Woche wird im Dresdner Impfzentrum gegen das Coronavirus gearbeitet. Dresdens Hausärzte würden ebenfalls gern mehr tun. © Sven Ellger

Dresden. Wer noch keinen Impftermin bekommen hat, wird das Gefühl kaum teilen können: Aber die Impfkampagne in Dresden kommt voran. Inzwischen ist der 100.000 Patient in der Dresdner Messe geimpft worden. Trotzdem ist Unzufriedenheit zu spüren. Nicht nur bei denen, die auf einen Termin warten. Auch die Hausärzte üben Kritik.

Wie viele Menschen sind bereits geimpft worden?

Im Dresdner Impfzentrum sind bis zum Donnerstagabend 112.830 Menschen geimpft worden, teilt das sächsische Sozialministerium mit. Mehr als die Hälfte hat auch schon die Zweitimpfung erhalten und ist damit vollständig geimpft oder kurz davor. Als vollständig geimpft gelten Menschen zwei Wochen nach der zweiten Injektion. Dabei spielt es keine Rolle, ob man den Impfstoff von Biontech/Pfizer, Moderna oder Astrazeneca bekommen hat. Bei den Geimpften handelt es sich nicht ausschließlich um Dresdner. Jeder hat die freie Wahl, ob er sich in seinem Heimat-Landkreis impfen lässt oder auswärts. Viele entscheiden danach, wo es einen freien Termin gibt.

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Zieht denn das Tempo an?

Erst einmal nicht. So sind im Mai (Stand: 27. Mai) etwa genauso viele Dosen verabreicht worden wie im Monat davor. Etwa 55.000 waren es im April, wie aus den Zahlen des Sozialministeriums hervorgeht. Im Mai sind es bislang rund 52.000 gewesen. Rund 5.000 weitere sind bis zum Monatsende vergeben.

Allerdings mag der Eindruck entstanden sein, dass weniger Termine für Erstimpfungen zur Buchung freigegeben wurden, was auch der Fall war. Denn im Mai sind mehr Dosen bei Zweitimpfungen verabreicht wurden und weniger für Erstimpfungen. Warum? Sachsen hat es sich zum Ziel gesetzt, die Menschen so schnell wie möglich durchzuimpfen. Dazu sollte man wissen, dass der über 90-prozentige Schutz vor schweren Covid-Verläufen eben erst nach der Zweitimpfung erreicht wird. Dadurch steht Sachsen aktuell an der Spitze der Bundesländer, in denen es die meisten vollständig Geimpften gibt.

Warum wird nicht noch mehr geimpft?

Der Impfstoff ist weiterhin knapp. Und die Impfzentren teilen ihn sich inzwischen mit den Hausärzten, die seit März in ihren Praxen impfen dürfen. Laut Bundesgesundheitsministerium ist in den kommenden Wochen auch nicht mit mehr Impfstoff zu rechnen. Biontech/Pfizer wird zwischenzeitlich sogar weniger liefern.

Dass die Gesamtzahl der verabreichten Dosen im Mai nicht weiter gestiegen ist, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Impfzentrum auf Hochtouren läuft. Ursprünglich sollten in der Messe bis zu 1.000 Menschen am Tag geimpft werden. Dafür waren vier sogenannte Strecken eingerichtet worden – Reihen mit Impfkabinen. Inzwischen werden bis zu 2.000 Leute am Taggeimpft, sagt Ulrike Peter, die Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Dresden. Die Zahl der Impfstrecken ist auf acht aufgestockt worden. Im Impfzentrum arbeiten Ärzte, Sanitäter, Arzthelfer, Bundeswehr-Soldaten und ehrenamtliche Helfer von 8 bis 18 Uhr an allen sieben Tagen in der Woche.

Wie geht es bei den Hausärzten voran?

Wie viele Dresdner schon über ihre Hausärzte geimpft wurden, konnte die zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KVS) am Freitag nicht sagen. Im März haben die sächsischen Hausärzte flächendeckend damit begonnen, ihre Patienten zu impfen. Zunächst nach Priorität. Ältere und chronisch Kranke erhielten den Impfstoff zuerst. Seit Montag müssen sich die Mediziner nicht mehr an diese Regel halten. Die Priorisierung ist aufgehoben worden. Schwung bringt die Öffnung aber nicht in die Impfkampagne, berichtet Dr. Klaus Lorenzen, der in Langebrück praktiziert und stellvertretender Vorsitzender des sächsischen Hausärzteverbandes ist.

Dr. Klaus Lorenzen würde gern mehr impfen. Doch jetzt muss er zusehen, überhaupt die Zweitimpfungen abzusichern.
Dr. Klaus Lorenzen würde gern mehr impfen. Doch jetzt muss er zusehen, überhaupt die Zweitimpfungen abzusichern. © René Meinig

Denn die bestellten Impfdosen kommen nicht immer in der Praxis an. Der Großhandel gebe Tausende Dosen nicht an die Apotheken weiter – und diese folglich nicht an die Ärzte. „Ob das bewusst oder unbewusst passiert, weiß ich nicht, aber ich brauche den Impfstoff, um nächste Woche Zweitimpfungen durchführen zu können“, so der Allgemeinmediziner. Konkret gehe es um das Astrazeneca-Vakzin, das Lorenzen bestellt, aber nicht bestätigt bekommen hat. Nur für die ersten 20 Patienten sei aktuell noch Impfstoff vorhanden. Die Lieferprobleme würden aber auch den Biontech/Pfizer-Impfstoff betreffen.

Wo liegt das Problem?

Offensichtlich am knappen Impfstoff, auf den zweiten Blick an dessen Verteilung. Sachsen hat schon einmal rund 40.000 Dosen zu wenig erhalten. Diese sollen nun nachgeliefert werden. Trotzdem sei das System, wonach die Hausärzte jede Woche neue Bestellungen auslösen müssen, kein Zustand, findet Lorenzen. „Man hangelt sich von Tag zu Tag und von Woche zu Woche.“ Der Mediziner wirft der Politik auch vor, die Impfzentren bevorzugt mit frischem Impfstoff zu beliefern. „Wir Hausärzte sind dann die Resterampe. Die wollen wir aber nicht sein.“

Welche Folgen hat die Knappheit in den Praxen?

Offiziell ist die Priorisierung in den Praxen aufgehoben worden, in der Wirklichkeit müssen die Mediziner aber weiterhin mit einem System arbeiten, um zu entscheiden, wer den knappen Impfstoff erhält. „Im Februar haben wir begonnen, Patientenlisten aufzustellen – nach Alter und Vorerkrankungen. Diese arbeiten wir immer noch ab“, sagt Lorenzen. Wahrscheinlich bis Mitte, Ende Juni werde es noch dauern. Etwa 400 Patienten hat der Allgemeinarzt bislang erstgeimpft, rund 200 schon ein zweites Mal.

Wann wird die Priorisierung in den Impfzentren aufgehoben?

Das wird laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am 7. Juni der Fall sein, also übernächsten Montag. Dann darf sich jeder, für den die Impfstoffe zugelassen sind, auch im Impfzentrum oder beim Betriebsarzt um einen Termin bemühen. Ob zu diesem Zeitpunkt auch mehr Impfstoff zur Verfügung stehen wird, konnte Ulrike Peter am Freitag nicht sagen. Wie viele Dosen tatsächlich geliefert werden, stehe oft erst wenige Tage vorher fest.

Bis zum 7. Juni haben alle Menschen über 60 Jahre die Möglichkeit, sich um einen Termin zu bemühen. Auch chronisch Kranke, Diabetiker oder Herzpatienten zum Beispiel sind berechtigt. Mitarbeiter, die zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur nötig sind, können sich ebenfalls impfen lassen. Dazu gehören Beschäftigte der Energieversorgung, aber auch der Stadtverwaltung. Termine werden immer montags, mittwochs und freitags zur Buchung freigegeben.

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