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Corona in Tschechien: Zahl der Neu-Infektionen sinkt

Der zweite Lockdown in Tschechien zeigt erste positive Folgen. Dennoch werden die Krankenhausbetten knapper.

Medizinisches Personal in Schutzkleidung arbeitet auf einer Intensivstation im Regionalkrankenhaus von Zlin.
Medizinisches Personal in Schutzkleidung arbeitet auf einer Intensivstation im Regionalkrankenhaus von Zlin. © CTK

Von unserem Korrespondenten Hans-Jörg Schmidt in Prag

Prag. Diese Nachricht wurde in Tschechien sehnsüchtig erwartet: Seit dem vergangene Freitag sinkt die Zahl der Corona-Neuinfizierten im Vergleich zu den jeweiligen Tagen der Vorwoche. Leicht, sehr leicht. Konkret am Freitag wurden 13.606 neu Infizierte registriert, um rund 1.650 weniger als am Freitag zuvor. Am Samstag gab es 11.428 neue Infizierte, ungefähr tausend weniger als am vergangenen Samstag. Der Trend setzt sich bisher fort. Doch von einer Wende mag an der Moldau niemand reden. Die Betten in den Kliniken füllen sich trotzdem weiter, bislang nur einen Tick langsamer.

Erst wenn sich der Abwärtstrend verstätigen sollte, ist Aufatmen angezeigt. Die Regierung bemüht sich, jegliche Euphorie zu vermeiden. Das war nach der ersten Welle schief gegangen, als man wie kaum ein anderer Staat in Europa die Pandemie im Griff hatte und im Sommer meinte, alles sei bereits überstanden. Jetzt rangelt man wider Willen mit Belgien um die ungeliebte europäische Spitzenposition bei den Infizierten.

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Um das Drama zu beziffern: Die Zahl der Menschen mit Covid-19, die im Krankenhaus gelandet sind, hat vor allem im Oktober erheblich zugenommen. Ende September zählte man dort nur etwa tausend Patienten. Am 30. Oktober mussten nach Angaben des Prager Gesundheitsministeriums fast 7.700 Menschen auf Station zubringen. Von denen waren 1.137 in ernstem Zustand. Glücklicherweise ist der Verlauf der Erkrankung in den meisten Fällen leicht. Nur etwa vier Prozent der Infizierten müssen wirklich in eine Klinik.

Zdenek Hrib (l), Oberbürgermeister von Prag, spricht mit Martin Havrda, Leiter der I. Abteilung für Innere Medizin im Fakultätskrankenhaus im Prager Stadtteil Vinohrady.
Zdenek Hrib (l), Oberbürgermeister von Prag, spricht mit Martin Havrda, Leiter der I. Abteilung für Innere Medizin im Fakultätskrankenhaus im Prager Stadtteil Vinohrady. © CTK

Ob die leicht positiven Zahlen schon ein Ergebnis des am 22. Oktober vollzogenen zweiten Lockdowns sind, ist noch nicht klar. Wenn ja, dann dürfte vor allem die nächtliche Ausgangssperre dazu beigetragen haben. Sie hat dem leichtsinnigen Partyvolk namentlich in den Großstädten das Licht ausgeknipst. Den vor allem jungen Menschen, die sich nach Schließung der Kneipen noch Stunden ohne Einhaltung von Abstandsregeln und Maskengebot in größeren Gruppen allen erdenklichen alkoholischen Getränken zusprachen.

In Prag sind die Folgen der nächtlichen Ausgangssperre auch „hörbar“, weil abends nach 21 Uhr schrittweise der Autoverkehr erstirbt und erst morgens um 5 Uhr wieder einsetzt. Viele Hauptstädter in der Nähe der großen Verkehrsadern der Stadt können seither tatsächlich durchschlafen. Für viele ein seit Jahren völlig unbekanntes Gefühl.

Zweifel sind dagegen angebracht, ob die totale Schließung der Restaurants und Bars zu den besseren Zahlen beigetragen hat. Viele Wirte hatten nach der ersten Welle mit großem Aufwand ihre Etablissements auf Corona-Bedingungen umgerüstet. Die zählten fortan erwiesenermaßen nicht mehr zu den Hospots - anders als beispielsweise die Schulen. Was für das Gastgewerbe gilt, trifft auch auf den ganzen Bereich der Kultur zu. Hier ist alles zugesperrt, was die Künstler zur Verzweiflung und in die Schulden bis zur endgültigen Aufgabe zu treiben droht.

Harte Regeln sollen wieder aufgehoben werden

Auch die Normalverbraucher mussten sich gewaltig umstellen: am Sonntag waren erstmals sämtliche Supermärkte dicht. Derlei kennt man in Tschechien nur an höchsten Feiertagen. Wer nicht vorgesorgt hatte, musste sein Glück an einer Tankstelle versuchen, wo es auch ein paar Grundnahrungsmittel zu kaufen gibt.

Die Regierung arbeitet zwar schon an einem Plan, die harten Regeln wieder aufzuheben. Aber das steht derzeit noch lange nicht an. Das Parlament hat den Ausnahmezustand gerade erst bis zum 20. November verlängert. Die Regierung wollte sogar eine längere Frist. Sie ist jedoch sicher, dass eine größere Lockerung weit vor Weihnachten kaum in Frage kommen kann, wie Premier Andrej Babiš und Innenminister Jan Hamáček am Wochenende in Interviews sagten. Womöglich könne man ein paar Weihnachtsmärkte unter strengen Regeln öffnen. Weihnachten selbst unter Bedingungen einer landesweiten Quarantäne sind kaum vorstellbar. Das hätte, so weiß man auch in Prag, vor allem schlimme psychische Folgen in den Familien.

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Möglicherweise tragen die ersten positiven Signale dazu bei, dass die Tschechen sich wieder vermehrt an die Regeln halten. Zuletzt schien die Solidarität gegenüber besonderen Risikogruppen durch das Tragen von Masken beispielsweise völlig verschwunden zu sein.

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