merken
PLUS Pirna

Corona: Zahl schwer Erkrankter wächst

Der normale Krankenhausbetrieb muss wegen der großen Zahl an Covid-Patienten eingeschränkt werden. Die Notfallversorgung ist aber gewährleistet.

Die Versorgung von Patienten, die beatmet werden müssen, erfordert gut ausgebildete Fachkräfte.
Die Versorgung von Patienten, die beatmet werden müssen, erfordert gut ausgebildete Fachkräfte. © dpa

Mit einer Gedenkminute für die Toten, die im Landkreis im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus gestorben sind, begann am Montag die Sitzung des Kreistags. Ihre Zahl ist mit Stand von Mittwoch, dem 16. Dezember, auf 229 gestiegen. Zum Vergleich: Vier Fälle davon ereigneten sich im Frühjahr, alle anderen seit Oktober.

Hauptsächlich trifft es die ältere Bevölkerung. Jünger als 65 war nur eine Handvoll Menschen. Bisher war unter den Toten noch niemand, der jünger als 50 Jahre war. Das heißt zwar nicht, dass nicht auch Jüngere schwer an Covid-19 erkranken können. Eine Übersterblichkeit im Vergleich zu vergangenen Jahren wird aber ausschließlich bei über 65-Jährigen registriert.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Diese Erkenntnis haben Wissenschaftler und Statistiker schon länger, und zwar für ganz Deutschland. Der Landkreis untermauert das mit seinen Zahlen sehr eindrücklich.

Covid-Patienten brauchen mehr Personal

Doch auch für Jüngere könnte die Corona-Pandemie problematisch werden, weil sie die medizinische Versorgung verändert. Die Kliniken müssen das Regime auf die vielen schwer an Covid-19 Erkrankten konzentrieren. Intensivpatienten bedürfen mehr Personal. Das muss aus Normalstationen abgezogen werden, die langsam heruntergefahren werden. Die Liste der Patienten mit verschiebbaren Operationen wächst.

Die Auswirkungen zeigen sich sehr deutlich am Helios-Klinikum in Pirna. Vor einem Jahr konnte die Klinik täglich mehr als 300 Patienten stationär versorgen. Am Mittwoch, 16. Dezember, waren es 212 - und Ärzte wie Pflegekräfte arbeiteten am Limit. Die inzwischen 76 Covid-Patienten bedürfen wesentlich mehr Betreuung und Überwachung. Hinzu kommt, dass mit der seit Wochen andauernden Dauerbelastung der Krankenstand steigt.

Wege für Rettungsdienst werden weiter

Drei der vier Kliniken im Landkreis Sächsische-Schweiz-Osterzgebirge mussten sich am Mittwoch von der stationären Aufnahme schwerer Fälle auf dem Divi-Intensivregister abmelden, weil die Situation dort ähnlich ist.

Bislang konnte die Bavaria-Klinik Kreischa mit ihren vielen Betten aushelfen. In der Reha-Klinik, die auf die Entwöhnung von Beatmungsgeräten spezialisiert ist, hat sich die Kapazität in den letzten Tagen aber auch erheblich verringert.

Von den im Landkreis aktuell zur Verfügung stehenden 179 Intensivbetten waren am Mittwoch 159 mit Covid-19-Patienten belegt, was 88,83 Prozent entspricht. Die Tendenz ist weiter steigend. Kliniken und Rettungsdienst versichern, dass die Notfallversorgung dennoch gesichert sei. Insbesondere die Universitätsklinik Dresden habe noch freie Kapazitäten.

Wenn der Rettungsdienst allerdings längere Wege mit Patienten zu Kliniken zurücklegen muss, hat das trotzdem Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft. Inzwischen gibt es Unterstützung vom Katastrophenschutz des Landkreises. "An einigen Tagen mit besonderem Einsatzbedarf wurden einzelne Krankenkraftwagen der Schnell-Einsatz-Gruppen eingesetzt", erklärt Kati Kade (CDU), Sozialbeigeordnete des Landrats.

Infektionszahlen als Vorwarnwert

Auch die Bundeswehr ist mit 30 Soldaten als "helfende Hände" in fünf Einrichtungen im Landkreis mit im Einsatz. "Sie unterstützen dort Pflege- und Klinikpersonal", sagte Landrat Michael Geisler (CDU).

Betrachtet man die Inzidenzzahlen als Vorwarnwert, ist eine Entspannung der Klinik-Situation in den nächsten Tagen nicht in Sicht. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen im Landkreis liegen weiter bei über 200, die 7-Tage-Inzidenz mit über 600 Infizierten je 100.000 Einwohnern sehr weit entfernt von der politisch angestrebten Zahl von unter 50.

Noch mehr Nachrichten aus Pirna, Freital, und Dippoldiswalde.

Mehr zum Thema Pirna