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Politik

Fallzahlen sinken - warum nicht lockern?

Nach einem starken Anstieg der Corona-Fälle Anfang Januar scheinen sich die Zahlen nun zu stabilisieren. Eine Lockerung wäre derzeit aber keine gute Idee.

Zwei Skelette sitzen sich in der Auslage eines geschlossenen Lokals in der Innenstadt von München an einem Tisch gegenüber.
Zwei Skelette sitzen sich in der Auslage eines geschlossenen Lokals in der Innenstadt von München an einem Tisch gegenüber. © Peter Kneffel/dpa

Berlin. Nach wochenlangen Einschränkungen bieten die Corona-Zahlen erste Lichtblicke. Nach einem starken Anstieg erfasster Fälle Anfang Dezember, einem Rückgang während der Feiertage und einem erneuten Anstieg in der ersten Januarwoche scheinen sich die Fallzahlen wieder zu stabilisieren, wie es vom Robert Koch-Institut im Lagebericht vom Sonntagabend heißt. Und auch auf den Intensivstationen liegen wieder weniger Covid-19-Kranke. Warum wird dennoch eine Fortsetzung oder gar Verschärfung von Lockdown-Maßnahmem für notwendig erachtet?

"Das Plateau zu erreichen ist gut, aber es reicht nicht", sagt Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie. Die Situation in Deutschland nach dem Sommer - mit Lockerungen und dann weitgehend unkontrolliert wachsenden Infektionszahlen - zeige, dass eine rasche Lockerung derzeit keine gute Idee wäre.

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Hohe Fallzahl - hohe Verbreitung

Bei hohen Fallzahlen als Ausgangswert droht die Ansteckungswelle sehr rasch wieder außer Kontrolle zu geraten. Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation verdeutlichte das Problem bei Deutschlandfunk Nova mit einem Vergleich: Es sei so, als ob man bei einem Fußballspiel eine Virus-Mannschaft als Gegner habe, die bei jedem Tor bis zu drei zusätzliche Spieler bekomme. Beginne das Spiel mit einer kleinen Virus-Mannschaft, sei es kein Problem, Tore - die für Ansteckungen stehen - zu verhindern. Bei einer von vornherein großen Virus-Mannschaft aber komme es zu einem sich selbst verstärkenden Wachstum. "Wenn die Fallzahlen niedrig sind, dann haben wir eine gute Kontrolle. Wenn die Fallzahlen hoch sind, gerät die Ausbreitung außer Kontrolle."

Die Entwicklung des Inzidenzwerts in Deutschland.
Die Entwicklung des Inzidenzwerts in Deutschland. © dpa Grafik

Virusmutationen bereiten zusätzlich Sorgen, besonders die Variante B.1.1.7. Sie war zunächst im Vereinten Königreich (UK) aufgetaucht, im Dezember gab es hierzulande den ersten Nachweis. Mittlerweile wurde die Variante laut dem Robert Koch-Institut (RKI) in 20 Fällen in sechs Bundesländern nachgewiesen (Stand 17.1., 00:00 Uhr): Berlin, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Sachsen. Bei 17 dieser Fälle gab es demnach eine Verbindung ins Ausland: 16 mal nach UK und einmal nach Tschechien.

Die Virus-Variante B.1.351 - auch als 501Y.V2 bekannt - wurde erstmals in Südafrika beschrieben. Sie tauchte laut RKI bisher bei fünf Fällen in Baden-Württemberg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen auf, jeweils mit einer Verbindung nach Südafrika. Da in Deutschland bisher nur vereinzelt das Erbgut des Virus aus Proben entschlüsselt wird, ist von einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle auszugehen.

Lauterbach für schärferen Lockdown

Für die beiden Varianten wird kein schwererer Krankheitsverlauf angenommen. Allerdings gilt vor allem für die Variante B.1.1.7 als weitgehend gesichert, das sie sich schneller verbreitet - wie viel schneller, ist noch unklar. Eine gute Nachricht immerhin: Fachleute gehen derzeit nicht davon aus, dass die beiden Varianten unempfindlich gegen die bislang zugelassenen Corona-Impfstoffe sind.

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SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach plädierte auf Twitter mit Blick auf B.1.1.7 für einen verschärften Lockdown: Die Virus-Variante mache zwar derzeit wahrscheinlich weniger als ein Prozent der Fälle hierzulande aus, verbreite sich aber so schnell, dass es fast wie ein anderes Sars-CoV-2-Virus sei, wie eine "Pandemie in der Pandemie". Würde man den Lockdown beenden, würden die B.1.1.7-Zahlen explodieren - und mit der jetzigen Strategie käme man gar nicht mehr aus dem Lockdown heraus, so die Befürchtung. Ziel sei es, den R-Wert zu drücken, eine Verschärfung des Lockdowns für drei Wochen sei eine "erstklassige Investition". (dpa)

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