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Darum schwanken die Corona-Zahlen in Sachsen

Ein Dresdner Virologe erklärt, wie aus dem Hotspot Vogtland ein Niedrig-Inzidenzgebiet werden konnte - und welches Risiko nun besteht.

Hängen die geringen Infektionszahlen derzeit mit weniger Test zusammen?
Hängen die geringen Infektionszahlen derzeit mit weniger Test zusammen? © dpa-Zentralbild

Dresden. Mit überraschender Geschwindigkeit sinken die Zahlen von Corona-Neuinfektionen in ganz Sachsen. Das Vogtland, über Monate hinweg der Hotspot ganz Deutschlands, hat inzwischen eine Inzidenz von nur noch 8,8 Neuinfizierten je 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. In den vergangenen Wochen lag die bei weit über 200. Auf ganz Sachsen geschaut beträgt die Inzidenz am Donnerstag 39,4. Am Freitag ist der Wert dagegen wieder leicht gestiegen - auf 42,7. Am Freitag vor einer Woche waren es aber noch rund 87 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Es ist ein überraschend schneller Rückgang der Infektionszahlen. Oder gibt es andere Gründe?

Nein, das sei keine Zahlentrickserei, sagt der Medizinprofessor Alexander Dalpke, Direktor des Virologie-Instituts am Dresdner Uniklinikum. Und dass viel weniger getestet werde, stimme auch nicht. Mit weniger Ansteckungen gehen die Testzahlen zwar etwas runter, aber längst nicht in der Dimension, wie nun die Inzidenzen sinken. Das zeige die Test-Statistik für Sachsen eindeutig, sagt Dalpke der SZ.

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Der Mediziner sieht indes drei andere Ursachen, die nun Corona in Sachsen drastisch zurückdrängen. Dies ist vor allem der Impfeffekt, der bereits zu wirken beginnt. Es ist zudem die erhebliche Zahl inzwischen Genesener und symptomfreien Infizierten, die nun immun sind. Schließlich drängt der jahreszeitliche Effekt das Virus zurück. Die Menschen sind wieder mehr draußen und das UV-Licht hemmt zudem die Ausbreitung, ein nicht zu unterschätzender Faktor, sagt Dalpke.

Zusätzliche Impfdosen zeigen im Vogtland Wirkung

Dass im Vogtland die Inzidenzen so extrem zurückgegangen sind, begründet Dalpke mit den hier sehr vielen Infizierten in den Monaten davor und mit dem zusätzlichen Impfstoff für diese Schwerpunktregion. Etwa die Hälfte der Bevölkerung dort sei damit immun und vor dem Virus geschützt. „Es findet nicht mehr so leicht die Ressourcen wie davor.“

Die gegenwärtig größte Gefahr eines Rückschlags geht von neuen Mutationen aus, die den Impfschutz umgehen könnten, sagt Alexander Dalpke. Aus Sicht des Virologen bringe die sich jetzt schnell ausbreitende indische Mutation jedoch nicht die vierte Coronawelle. Impfungen bieten zumindest den Schutz vor einem schweren Verlauf auch bei dieser Mutation.

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Und es gibt endlich mal einen positiven Ausblick auf den Sommer: Das Virus verschwindet zwar nicht, aber es macht zumindest eine Pause, eine Sommerpause. Neue Mutationen werden zwar entstehen, aber nicht in so rascher Folge wie beim Grippevirus, sagt Dalpke. Auch deshalb hofft er auf jetzt erst einmal bessere Wochen.

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