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Wie kommt der Zirkus über den Winter?

Familie Köllner hat viel Hilfe erfahren, nachdem sie in Bernstadt gestrandet war. Allerdings kämpfen sie wie andere Branchen ums Überleben.

Jessica Köllner versorgt ein Pony im provisorischen Winterquartier ihres kleinen Familienzirkus'.
Jessica Köllner versorgt ein Pony im provisorischen Winterquartier ihres kleinen Familienzirkus'. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Das Zirkuszelt bleibt leer. Gäste dürfen nicht kommen. Lockdown für Menschen und in dem Fall auch für die Tiere. Und dann drohten auch noch die Wasserleitungen einzufrieren. „Wir haben die Pumpe samt den Zuleitungen in Decken eingewickelt“, sagt Jessica Köllner. Wasser für die Hunde, Lamas und Ponys zum Trinken und zum Waschen für die Menschen kommt aus dem Brunnen. Bei den eisigen Temperaturen alles frei zu halten, sei nicht leicht, aber machbar. Gemeinsam mit ihrem Mann Jürgen betreibt Jessica Köllner das kleine Zirkusunternehmen.

Das saß aufgrund der Corona-Pandemie zuerst in Bernstadt fest. Zwölf Familienmitglieder inklusive der lungenkranken Großmutter wussten nicht, wie es weiter gehen soll. Nach einem ersten SZ-Bericht über das Schicksal der Köllners gab es viele Hilfsangebote. „Eine Bernstädter Baufirma stellte uns ein Grundstück mit einer großen Halle für unsere Tiere in Ludwigsdorf bei Görlitz kostenlos zur Verfügung“, erzählt die 44-Jährige. Dort ist der Zirkus seit Ende 2020 stationiert. Dafür sind Köllners sehr dankbar, ebenso für die Futterspenden für die Lamas, die Ponys, die Hasen, Tauben und vier Hunde. Selbst der Ortsvorsteher von Ludwigsdorf habe ihnen vor Weihnachten einen Besuch abgestattet und selbstgebackene Plätzchen und Stollen vorbei gebracht.

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Zu eisig - Tiere müssen drinnen bleiben

Der harte Winter bringt jedoch auch Schwierigkeiten mit sich: Die Heizungen in den Zirkuswagen – betrieben mit Öl und Diesel - laufen auf Hochtouren, damit niemand frieren muss. Das kostet viel Geld. „Dusche und Badewanne haben wir wegen des Frostes abgestellt“, sagt die Artistin. Das eiskalte Brunnenwasser wird in Plastikbehälter abgefüllt und in Töpfen etwas erwärmt. Waschen in der Schüssel ist also angesagt. Alles machbar, aber eben mit einem erhöhten Aufwand verbunden. Zum Trinken ist das Brunnenwasser nicht gedacht. Köllners kaufen stilles Mineralwasser.

In den Auslauf im Freien geht es für die Lamas und Ponys vorerst nicht. Es gibt zu viel Eis – und damit die Gefahr, dass die Vierbeiner ausrutschen und sich verletzen können. „Wir haben unsere Manege aufgebaut“, sagt Jessica Köllner. Dort und in der Halle können sich die Tiere gut bewegen. Sobald es die Temperaturen zulassen, kommen die Tiere wieder raus.

Jason Köllner übt die Jonglage im provisorischen Winterquartier in Ludwigsdorf.
Jason Köllner übt die Jonglage im provisorischen Winterquartier in Ludwigsdorf. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Auch die Artisten brauchen Bewegung. Täglich wird geprobt. „Damit die Gelenke nicht einrosten“, wie die Zirkuschefin schmunzelnd sagt. Trotzdem: In die Zukunft schauen Köllners mit einem mulmigen Gefühl. Die ungewisse Situation, wie und wann es weiter geht, lasse die Sorgenfalten wachsen. Ihr Mann habe mittlerweile Probleme mit dem Herzen. „Sicher auch durch die psychische Belastung“, vermutet Frau Köllner. Zum Glück gebe es im Ort eine „sehr nette Ärztin, die uns und die Oma wunderbar mit betreut“, sagt sie.

Eigentlich plante der Zirkus im März 2021 neu zu starten, telefonierte mit Gemeinden und Städten, in denen sie gern auftreten würden, wollte Termine für die Touren festzurren. Doch überall hagelte es vorläufige Absagen, da die Entwicklung der Corona-Situation ungewiss ist. Die Zirkusleute haben erfahren, dass sie voraussichtlich bis zum Herbst noch nicht über neue Engagements nachdenken brauchen. Das sei bitter. Die Arbeit fehlt den Zirkusleuten sehr. „Wir sind aber nicht die einzigen mit Existenzsorgen“, stellt die vierfache Mutter klar. Viele Selbständige – vom Frisör bis zum kleinen Einzelhändler – bangen um die Zukunft.

Unterstützung auch vom Jobcenter

Umso mehr freut sich die Familie, seit einer Weile behördliche Unterstützung zu bekommen. Da sie nun im Moment sesshaft sind, gibt es auch Geld vom Jobcenter. Wie sie den Tüv für ihre Laster bezahlen sollen und die notwendigen Reparatur-Arbeiten, steht jedoch in den Sternen. Und ob es Geld für die tatsächlich anfallenden Heizkosten gibt, sei auch nicht sicher.

Viel lieber, als auf Unterstützung angewiesen zu sein, würden Köllners aber wieder auftreten und Besucher empfangen. Doch das ist nicht möglich. „Nun müssen wir wie so viele andere Branchen auch versuchen, dass beste aus der Lockdown-Situation zu machen“, sagt Jessica Köllner. Psychisch und finanziell sei das jedoch für alle Betroffenen sehr schwer.

Bernardo. Jessica, Jason, Jürgen und Miguel Köllner (von links) mit vier Ponys.
Bernardo. Jessica, Jason, Jürgen und Miguel Köllner (von links) mit vier Ponys. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

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