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Zittauer Krematorium lagert Tote aus

Der Platz reicht nicht mehr. Hauptgrund: Die Zahl der Gestorbenen explodiert. Im November und Dezember waren es mehr als doppelt so viele wie sonst.

Das Zittauer Krematorium.
Das Zittauer Krematorium. © Matthias Weber (Archiv)

Die Lage im Zittauer Krematorium hat sich in den vergangenen Tagen offenbar dramatisch zugespitzt: "Trotz optimierter Abläufe und konstant arbeitender Technik" sind die Kapazitätsgrenzen erschöpft, teilt die Städtische Dienstleistungsgesellschaft SDG mit. Sie hat am gestrigen Montag damit begonnen, Tote auszulagern. "Die Geschäftsführung hat sich in Absprache mit Oberbürgermeister Zenker kurzfristig dazu entschlossen, weitere Lagerfläche im Bereich des Hochwasserstützpunkts in Nutzung zu bringen, um Verstorbene sicher zu lagern und bei Freigabe zur Einäscherung ins Krematorium zu fahren", heißt es vonseiten der Firma und der Stadt. "Für diese Art der Transporte und Umlagerungen werden zusätzliche Kräfte aus der SDG eingesetzt."

Nach Angaben des Stadtkonzerns müssen im Krematorium seit einiger Zeit permanent etwa 70 Verstorbene versorgt werden. „Trotz der Sondersituation ist die Lage derzeit noch beherrschbar, muss aber mit Blick auf eine weitere Entwicklung jetzt entsprechend organisiert werden", sagt Geschäftsführer Daniel Brendler. Mit den nun vorhandenen Kapazitäten und den Möglichkeiten auf dem Urnenhain sollte man über die Feiertage und den Jahreswechsel kommen. Er dankt seinen Mitarbeitern für das Verständnis und die Mitwirkung.

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Der Hauptgrund für die Probleme ist die explodierende Zahl der Toten. Während 2018 und 2019 nach Angaben der Stadtverwaltung im Oktober, November und Dezember im Standesamtsbezirk Zittau-Olbersdorf-Mittelherwigsdorf jeweils rund 50 Menschen starben, waren es in diesem Jahr im Oktober 73, im November 110 und bis 22. Dezember 115. Insgesamt starben von 2016 bis 2019 in dem Gebiet pro Jahr zwischen 600 und 700 Personen. In diesem Jahr sind es bereits 861. Tendenz: Weiter steigend.

Noch vor 14 Tagen hatte die Stadt auf SZ-Anfrage mitgeteilt, dass es im Krematorium keine Probleme gäbe. In den Krankenhäusern sah die Lage da schon anders aus.

Darauf, dass die Übersterblichkeit im Vergleich zu den Vorjahren mit Corona zusammenhängt, gehen das Unternehmen und die Stadt nicht ein. Aber der Schluss liegt nahe.

Zum Hauptgrund kommen weitere hinzu. Die SDG und andere Bestattungsunternehmen müssen durch die hohe Anzahl an Todesfällen viel mehr Aufnahmegespräche führen. Die amtsärztliche Leichenschau sowie die Beurkundung in den Standesämtern müssen erfolgen. "Die Zusammenarbeit unter allen Beteiligten ist gut abgestimmt, wird aber durch die hohe Zahl an Sterbefällen an Belastungsgrenzen geführt", teilt die SDG weiter mit. "Darüber hinaus darf auch in solchen Situationen die Wartung der Ofentechnik nicht vernachlässigt werden."

Dazu erklärt Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm): „Die Kolleginnen in unserem Standesamt haben inzwischen Sonderschichten übernommen, um die anfallenden Sterbefälle ordnungsgemäß zu beurkunden. Wir sind organisatorisch an unseren Leistungsgrenzen angekommen und bitten alle Betroffenen um Verständnis.“ Wegen des dringenden Bedarfs wird das Standesamt am 24. und 26. Dezember jeweils von 9 bis 12 Uhr arbeiten und ausschließlich Sterbefälle beurkunden. Auch in der Woche vom 28. bis 30. Dezember ist das Standesamt geöffnet.

Die Stadt Zittau hat die Situation bereits an Landkreis Görlitz und Freistaat Sachsen gemeldet, um gemeinsam Maßnahmen treffen zu können, falls die Lage noch schlechter wird. daran wird aktuell gearbeitet.

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