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Corona: Ansturm auf Kesselsdorfer Praxis

Hausarzt Michael Klug muss seine Astrazeneca-Impfdosen nicht entsorgen. Innerhalb weniger Tage meldeten sich mehr als 400 Interessierte.

Der Kesselsdorfer Hausarzt Dr. Michael Klug hatte vergangene Woche noch Sorge, dass er seine großen Mengen von Astrazeneca-Impfstoff nicht unters Volk bringt. Die Situation hat sich geändert.
Der Kesselsdorfer Hausarzt Dr. Michael Klug hatte vergangene Woche noch Sorge, dass er seine großen Mengen von Astrazeneca-Impfstoff nicht unters Volk bringt. Die Situation hat sich geändert. © Daniel Schäfer

Die Zahl der Impfwilligen ist immer noch sehr groß. Diese Erfahrung machte der Kesselsdorfer Hausarzt Dr. Michael Klug. Nachdem saechsische.de über seinen großen Impfdosenbestand berichtete, ging bei ihm eine Flut von Mails ein. Zwischen 400 bis 600 Impfinteressierte meldeten sich in seiner Praxis, darunter dreiviertel die unter 60 Jahre sind. Genau gezählt hat er die Anfragen nicht, da sich einige Impfwillige auch am Telefon gemeldet haben.

Der Großteil der Interessenten wohnt in Dresden und im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. "Es gingen aber auch Anfragen aus Hessen und Baden-Württemberg ein", erzählt der 37-jährige Arzt. "Und diese Leute würden auch nach Kesselsdorf kommen."

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Gewundert habe er sich, dass sich auch eine Touristengruppe aus Baden-Württemberg um Impftermine beworben hat. Wie das gehe, fragt er sich. Urlaub ist doch eigentlich nicht möglich.

Auch ein Fünfjähriger wurde angemeldet

Auch ein Fünfjähriger wurde angemeldet, obwohl es für ihn noch gar keinen Impfstoff gibt und er ihn deshalb nicht impfen wird. Ihm schrieben aber auch Menschen, die die erste Impfung mit Astrazeneca erhalten haben und nun ihre Zweitimpfung haben möchten. Die Impfzenten, wo sie zuerst waren, führen diesen Impfstoff nicht mehr, erklärt Michael Klug.

Die große Zahl der Anfragen bescherte dem Team von Michael Klug in den letzten Tagen viel Arbeit. Denn neben dem Praxisbetrieb waren die Impftermine zu managen. Diese Anfragen wurden beantwortet und nach der Impfverordnung des Bundes geordnet. Demnach dürfen nur diejenigen geimpft werden, die den Schutz besonders benötigen. Das sind neben Bewohnern und Mitarbeitern von Pflegeeinrichtungen alle Menschen über 80 Jahre, inzwischen auch die über 70-Jährigen, Menschen mit Vorerkrankungen, sowie Beschäftigte von Kitas und Grundschulen.

Die ersten 100 Dosen Astrazeneca verimpft

Völlig überrascht hat den Arzt, dass Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping am Dienstagmittag ankündigte, die Priorisierung für Astrazeneca in Hausarztpraxen aufzuheben. Er werde sich aber weiter daran halten, sagte er in einer ersten Reaktion. "Medizinisch ist das auch sinnvoll." Ältere haben die Schutz nötiger. Allerdings werde es jetzt leichter, den am Tag übrig gebliebenen Impfdosen an jüngere Impfwillige zu verimpfen.

Ob die Freigabe der Ministerin viel bringen wird, bezweifelt er. Denn gegenwärtig steht kein weiterer Impfstoff von Astrazeneca zur Verfügung.

Von den 400 Impfdosen Astrazeneca, die Klugs Team zur Verfügung standen, hat er die ersten hundert unters Volk gebracht. Bis zum 10. Mai - zwischendurch bleibt die Praxis vom 3. bis zum 7. Mai wegen Urlaub geschlossen - sind die nächsten 200 Impftermine geplant. Absehbar sei, dass in den nächsten Tagen nicht alle Interessenten zum Zuge kommen werden.

Parallel dazu wird Klug auch den Impfstoff Biontech verimpfen, den er über die Apotheken nachbestellt hat. Kommende Woche sind diejenigen dran, die schon eine Erstimpfung von ihm erhalten haben.

Alle Impfdosen werden verimpft

Michael Klug ist zuversichtlich, dass er den Astrazeneca-Impfstoff aus dem EU-Programm bis zum Juni verabreichen kann und nicht entsorgen muss. Diese Sorge hatte er noch vor ein paar Tagen, als er fast gleichzeitig zwei großen Lieferungen an Impfstoff bekommen hat.

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