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"Die Situation ist dramatisch"

In Kitas im Rödertal fehlen Erzieher, im Altenheim Pflegekräfte. Mit einem ungewöhnlichen Aufruf bittet die Senioreneinrichtung jetzt um Hilfe.

Von Thomas Drendel
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In den Kitas in Ottendorf sind mehrere Erzieherinnen ausgefallen. Viele Kinder müssen deshalb zu Hause betreut werden.
In den Kitas in Ottendorf sind mehrere Erzieherinnen ausgefallen. Viele Kinder müssen deshalb zu Hause betreut werden. © Symbol: Monika Skolimowska/dpa

Radeberg. In den vergangenen Tagen waren in Ottendorf-Okrilla immer wieder Grundschulen von Corona-Infektionen betroffen. Etliche Klassen mussten zu Hause lernen. Jetzt verschärft sich die Lage in den Kitas. Nach Angaben von Bürgermeister Rico Pfeiffer können allein im Waldkindergarten sieben Gruppen nicht mehr betreut werden.

Grund sind fehlende Erzieher. "Sie sind entweder erkrankt, als Kontaktpersonen in Quarantäne oder müssen zu Hause ihre eigenen Kinder betreuen, da deren Kita-Gruppen oder Schulklassen ebenfalls geschlossen sind", sagt der Bürgermeister.

Notbetreuung kann derzeit nicht angeboten werden

Die Situation sei dramatisch. Eine Notbetreuung kann derzeit nicht angeboten werden, da keine Erzieher vorhanden sind. "An jeder geschlossenen Kitagruppe hängen natürlich wieder Eltern, die für die Kinderbetreuung zu Hause bleiben müssen und die in ihren Betrieben fehlen. Wir tun in den Kitas alles, um Kinderbetreuung, dort wo es geht, abzusichern."

Die Einrichtungen im Ort wurden deshalb in Infektionszonen gegliedert, um eine mögliche Corona-Infektion eng zu begrenzen. "Im Waldkinderkarten sind die vier Häuser je eine Zone, in den anderen Kitas sind es entweder Etagen oder einzelne Gruppen." Eine Unterbringung von Kindern in andere Gruppen ist unter dem derzeitigen Infektionsgeschehen im Waldkindergarten ausgeschlossen, so Rico Pfeiffer.

Die Betreuungszeiten wurden verkürzt. Die Einrichtungen in der Gemeinde haben jetzt von 7 bis 16 Uhr geöffnet, die Kita "Vier Jahreszeiten" in Hermsdorf bis 16.30 Uhr. Obwohl das Personal alles tut, um die Betreuung aufrecht zu halten, kommt es immer wieder zu Beschimpfungen von Erziehern. "Sie werden von Eltern verbal attackiert. Auch wenn ich den Ärger der Eltern verstehen kann, ist das für mich sehr traurig und der Situation nicht angemessen. Ich appelliere hier an alle, mehr Verständnis zu zeigen", sagt der Bürgermeister, der selbst an Corona erkrankt ist und die Amtsgeschäfte von zu Hause leitet. "Noch sind die Symptome leicht, ich hoffe, das bleibt so. Ich bin geimpft und kann jedem nur raten, sich ebenfalls impfen zu lassen", sagt er.

20 Prozent der Mitarbeiter im Pflegeheim fallen aus

In seiner Gemeinde hat er in den vergangenen Tagen mehrfach versucht, Impfangebote zu schaffen. "Das ist mir nicht gelungen. Es fehlt am Personal. Das ist sehr ärgerlich." Ebenfalls angespannt ist die Situation im Alten- und Pflegeheim in Radeberg. Nach Angaben von Heimleiterin Carolin Proske fallen derzeit rund 20 Prozent der Mitarbeiter aus. "Dafür gibt es die unterschiedlichsten Gründe, alle haben jedoch mit Corona zu tun. Die Beschäftigten sind entweder in Quarantäne oder zur Betreuung ihrer Kinder zu Hause. Einige sind auch erkrankt", sagt sie. Die gute Nachricht ist: Im Heim selbst ist derzeit noch kein Corona-Fall aufgetreten. "Wir tun alles dafür, dass das so bleibt." Allerdings kommen die verbliebenen Mitarbeiter jetzt an ihre Grenzen.

Deshalb greift das Heim zu einer ungewöhnlichen Maßnahme. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung als Heimbetreiberin werden Freiwillige aufgerufen, sich zu melden. "Wir suchen dringend engagierte Personen, die die Mitarbeiter bei uns im Haus unterstützen wollen." Die Helfer können beispielsweise im Service, also bei der Essensvorbereitung und der Ausgabe, unterstützen. "Das würde das Pflegepersonal entlasten", sagt die Heimleiterin. Auch Reinigungsarbeiten sind denkbar.

"Viel Kraft erfordern auch die zahlreichen Tests, die wir täglich an Heimbewohnern, Besuchern und Mitarbeitern durchführen. Wer geeignet ist, kann auch hier eingesetzt werden", sagt sie. Selbst Pflegekräfte könnten sich melden. "Sie werden bei entsprechender Qualifikation in dem Bereich eingesetzt."

Die Arbeitszeiten sollen individuell erfolgen. "Das werden wir mit den jeweiligen Interessenten absprechen. Ideal wäre eine Arbeitszeit von einige Stunden am Tag, wenn möglich auch sonnabends uns sonntags", betont sie. Die Arbeiten werden entlohnt. "Dabei richtet sich die Vergütung nach der entsprechenden Tätigkeit", sagt Carolin Proske. "Sie helfen damit aktiv bei der Bewältigung der Auswirkungen von Corona für die Bewohner unserer Einrichtung."

Interessenten können sich bei der Personalleiterin des Alten- und Pflegeheims telefonisch unter 03528435162 oder per Mail unter [email protected] melden.

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist im Landkreis Bautzen weiterhin hoch. Nach Berechnungen des Landratsamtes liegt sie derzeit bei 1.861. An Sars-CoV2 erkrankt sind derzeit 10.868 Einwohner des Landkreises, davon müssen 210 stationär behandelt werden.