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Zu Tränen gerührt

Sopranistin Ingeborg Schöpf testet an der Dresdner Staatsoperette ihre Kollegen auf Corona. Dabei nimmt sie ihnen eine große Sorge, die mit dem Virus nichts zu tun hat.

Sopranistin Ingeborg Schöpf von der Staatsoperette in ihrer neuen Arbeitsbekleidung.
Sopranistin Ingeborg Schöpf von der Staatsoperette in ihrer neuen Arbeitsbekleidung. © Marion Doering

Dresden. Es könnte auch eine Kostümierung sein. Doch Ingeborg Schöpf ist Glamouröseres gewöhnt. Kittel, Gummihandschuhe, Maske und Visier gehören eigentlich nicht zur Garderobe der Sopranistin. Dass sie eine solche Montur nun regelmäßig trägt, hat statt mit einer futuristischen Inszenierung jetzt mit dem Arbeitsalltag an der Dresdner Staatsoperette zu tun.

Dort sind alle Künstler, Techniker, Bühnen- und Kostümbildner, Schneider, Tänzer und Verwaltungsmitarbeiter angehalten, sich zum Schutz vor Corona zweimal die Woche auf das Virus testen zu lassen. Vor Vorsingen oder Vortanzen, wobei sich neue Sänger und Tänzer um ein Engagement bewerben, gibt es ein weiteres Testangebot.

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Um den Mitarbeitern das Prozedere zu erleichtern und Wege zu sparen, bietet das Haus ihnen den Test sozusagen am Arbeitsplatz an. Dafür wiederum braucht es Freiwillige wie Ingeborg Schöpf. "Es haben sich etliche Kollegen gemeldet, so dass wir uns gut in die Dienste hineinteilen können, ohne dass jemand zu sehr unter Druck gerät", erzählt sie.

Opernsängerin Ingeborg Schöpf in einer Robe, die viel schöner, aber nicht coronasicher ist.
Opernsängerin Ingeborg Schöpf in einer Robe, die viel schöner, aber nicht coronasicher ist. © Sven Ellger

Voraussetzung war, dass alle angehenden Tester eine Schulung beim Deutschen Roten Kreuz belegen. "Wir haben dort gelernt, wie wir die Sicherheitskleidung anlegen und auch wieder korrekt ausziehen." An einem Modell habe sie geübt, das Wattestäbchen richtig durch die Nase bis in den Rachen zu fädeln. "Wenn man die anatomischen Eigenheiten der Nase kennt, verliert man die Angst, etwas falsch zu machen." Zwar sei jede Nase anders gebaut, so dass es nicht ausreiche, die Markierung am Stäbchen als einzige Orientierung zu nehmen. "Aber es ist nicht möglich, sich damit total zu verirren."

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Die medizinische Schulung ist das A und O. Der Rest hängt vom Gefühl ab. Denn Sensibilität macht einen guten Coronatester aus. Das weiß jeder, der schon vor einem solchen saß und mehr oder weniger gelitten hat. Von Würgen über Husten bis Niesen und fließenden Tränen sind alle Reaktionen möglich. Allerdings hängt das auch von der Veranlagung des Probanden ab.

Sängerinnen und Sänger sind dabei besonders empfindlich. Aus gutem Grund: "Die Gesundheit und Unversehrtheit des gesamten Rachenraums ist für das Singen absolut entscheidend. Deshalb haben viele Künstler Angst, sie könnten beim Testen verletzt werden", weiß Ingeborg Schöpf. Umso besser, dass sich eine Kollegin, die um diese Befürchtungen weiß, besonders gut einfühlen kann.

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Als gelernte Biotechnikerin, die einst in der pharmazeutischen Industrie tätig war, bringt Ingeborg Schöpf außerdem großes Interesse für medizinische Zusammenhänge mit. "Unsere Schulung ging länger als normalerweise, weil wir alle so viel wissen wollten und gefragt haben."

Frisch als Testerin ausgebildet, trat die Opernsängerin schließlich zu ihrem ersten Anti-Corona-Dienst im Theater an. Ihr allererster Testling war Kathrin Kondaurow, Intendantin der Dresdner Staatoperette. Ausgerechnet! "Da war ich natürlich gleich noch aufgeregter, aber sie blieb ganz entspannt und hat mir vertraut."

Das tun nun die anderen Kollegen auch regelmäßig - zum Glück bisher positiverweise mit negativem Ergebnis. Manche niesen, manche hüsteln, und einer hat Ingeborg Schöpf jüngst gestanden: "Du hast mich zu Tränen gerührt!"

Am 5. Juni startet die Staatsoperette Dresden wieder ihre Vorstellungen live auf der Bühne. Für "Come Fly With Me", eine Hommage an Frank Sinatra, 5.6.2021, 19.30 Uhr, gibt es noch Restkarten. www.staatsoperette.de

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