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Corona in Freital: Bundeswehr hilft im Pflegeheim

Mehrere Freitaler Einrichtungen melden zahlreiche Infektionsfälle. Der Krisenstab fordert Unterstützung an.

Seit Dienstagfrüh im Einsatz: Soldaten der Bundeswehr im Seniorenheim „Sonnengarten“ in Freital-Wurgwitz.
Seit Dienstagfrüh im Einsatz: Soldaten der Bundeswehr im Seniorenheim „Sonnengarten“ in Freital-Wurgwitz. © Ronald Bonß

Diese Situation wollten alle vermeiden. Doch jetzt ist sie da: In mehreren Pflegeheimen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gibt es zahlreiche Corona-Infizierte. Im Haus „Sonnengarten“ in Freital-Wurgwitz sind acht Mitarbeiter und acht Bewohner betroffen. In Freital-Pesterwitz im Seniorenheim „Jochhöh“ sind es sogar zehn Mitarbeiter und 33 Bewohner. Auch das „Bodelschwingh“ und Advita in Freital haben Fälle.

Für die verbliebenen Pfleger sowie das weitere Personal bedeutet das eine zusätzliche Belastung. „Sonnengarten“ und „Jochhöh“ haben deshalb beim Krisenstab des Landkreises um Unterstützung gebeten. Dieser wiederum hat Hilfe bei der Bundeswehr angefordert. 

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Mit Erfolg. Zumindest für das Haus „Sonnengarten“ in Wurgwitz. „Der Amtshilfeantrag an die Bundeswehr wurde in kürzester Zeit bearbeitet und positiv beschieden“, heißt es dazu von Landrat Michael Geisler (CDU). Ab diesem Dienstag, 6 Uhr, stünden zwölf Kräfte der Bundeswehr zur Verfügung. 

Ina Feist betreibt mit ihrem Pflegedienst das Seniorenheim. "Wir sind über jede helfende Hand dankbar", sagt sie. Sie könne sich auch vorstellen, Ehrenamtliche einzusetzen. Zudem würden die hygienischen Anforderungen eingehalten.

"Neben FFP2-Masken, Schutzkitteln und Schutzbrillen gehört auch das Tragen von Handschuhen zu den unabdingbaren Maßnahmen", erklärt Ina Feist. Es werde alles dafür getan, die Bewohner und das Personal zu schützen. "Die wenigen verbliebenen Mitarbeiter zeigen keine Krankheitssymptome", so Ina Feist.

Mehr Freiraum für die Pfleger

Nun sollen also Soldaten helfen. Diese sind in Frankenberg stationiert und dort für die Fernmeldekompanie der Panzergrenadierbrigade 37 im Einsatz. Ab Dienstag werden zwölf von ihnen im Pflegeheim „Sonnengarten“ eingesetzt. 

Das Haus "Sonnengarten" wird vom Pflegedienst Ina Feist betrieben. Hier helfen ab Dienstag Soldaten der Bundeswehr.
Das Haus "Sonnengarten" wird vom Pflegedienst Ina Feist betrieben. Hier helfen ab Dienstag Soldaten der Bundeswehr. © SZ/Tilman Günther

Jeweils sechs in der Früh- und sechs in der Spätschicht. „Es ist kein direktes Pflegefachpersonal, es sind helfende Hände“, sagt Oberstleutnant Florian Mahiny, Pressesprecher bei der Bundeswehr. Die Soldaten werden in zivil im Hintergrund tätig sein, unter anderem bei der Mittagsversorgung helfen und Essen durch den Saal räumen, abräumen, aufräumen. Alles, wozu keine spezielle medizinische oder pflegerische Ausbildung nötig ist.

„Unsere Soldaten dürfen beispielsweise nicht beim Füttern unterstützen oder in der Tagespflege einspringen“, erklärt Mahiny. Nicht nur aus rechtlichen Gründen, sondern auch, um die meist älteren Bewohner nicht zu überfordern. Sie seien an das hiesige Personal gewohnt und mit den Pflegern vertraut. Die Bundeswehr will mit ihrem Einsatz deshalb Freiräume für das Pflegepersonal vor Ort schaffen, das sich um die fachliche Betreuung der Bewohner kümmern soll.

Die Bundeswehr leistet in Sachsen bereits seit Anfang der Corona-Krise Amtshilfe. Im Frühjahr waren Soldaten aus Frankenberg unter anderem in einem Pflegeheim in Radeberg im Einsatz, um das Personal zu entlasten, wie Florian Mahiny mitteilt. Derzeit würden weitere Soldaten in Leipzig, Delitzsch, Mittweida und Chemnitz arbeiten, um die Kommunen in der Corona-Pandemie zu unterstützen.

Soldaten mit mobilen Corona-Tests unterwegs

Hilfe werde nicht nur in Pflegeeinrichtungen gebraucht. Auch sächsische Gesundheitsämter hätten Notrufe an die Bundeswehr gerichtet. Die Soldaten würden den Mitarbeitern der Behörde beispielsweise bei der Corona-Kontaktverfolgung unter die Arme greifen. Zudem sei die Bundeswehr mit sogenannten mobilen Abstrichdiensten unterwegs. 

Meldet sich ein Einwohner beim Gesundheitsamt, der Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatte oder über coronatypische Symptome klagt, rückt der mobile Abstrichdienst aus. Dazu gehören ein ausgebildeter Sanitäter der Bundeswehr sowie ein bis zwei weitere Soldaten als Helfer. Sie besuchen den Betroffenen bei Bedarf zu Hause, um bei ihm einen Abstrich für einen Corona-Test zu machen.

In Freital werden die Bundeswehrsoldaten voraussichtlich bis 1. November gebraucht. Je nach Entwicklung der Corona-Situation könnte der Einsatz im Landkreis verlängert oder auch verkürzt werden. In dieser Zeit werden sie im Gästehaus „Backofenfelsen“ in Freital untergebracht.

Bevor die Bundeswehr am Dienstag anrückt, halfen am Sonntag bereits sieben Mitglieder der Johanniter-Unfall-Hilfe vom Regionalverband Dresden und zehn vom Deutschen Roten Kreuz im Haus „Sonnengarten“ aus, darunter Pflegefach- und -hilfskräfte sowie Sanitäter.

Landrat Michael Geisler ist froh über die Hilfe von DRK und Johannitern und dass so kurzfristig auf den Hilferuf an die Bundeswehr reagiert wurde. „Damit dürfte sich die Situation in der Einrichtung spürbar entspannen“, sagt Geisler.

Ähnliches erhofft sich Elke Keiner. Sie ist Geschäftsführerin der Soziale Dienste Pesterwitz GmbH, die das Seniorenheim „Jochhöh“ betreibt. Sie ist selber ganz direkt betroffen und in häuslicher Quarantäne. „Ich bin allerdings zum Glück symptomfrei“, sagt sie am Telefon. Sie mache sich zu allererst Sorgen um die Bewohner und um ihre Mitarbeiter. „Sie geben alles, damit die Situation einigermaßen erträglich bleibt und der Alltag so normal wie möglich laufen kann.“

Bewohnerin wird in Klinik behandelt

Am Mittwoch vergangener Woche ist der erste Fall im „Jochhöh“ bekannt geworden. Einer der Köche meldete sich krank mit einem positiven Befund auf das Coronavirus. „In diesem Moment haben wir sofort zugemacht“, sagt Elke Keiner. Damit meint sie, dass alle Maßnahmen unternommen wurden, die für diese Situation vorbereitet waren. Besuche von Angehörigen wurden untersagt, Bewohner wurden so weit möglich im Haus und vor allem in ihren Zimmern betreut. Der Speisesaal wurde geschlossen. Die Tagespflege ebenfalls. „Erhöhte Vorsicht und Hygieneregeln gelten ohnehin seit Monaten und werden eingehalten“, sagt die Geschäftsführerin.

Schwer getroffen vom Coronavirus: Im Seniorenheim "Jochhöh" in Pesterwitz haben sich zehn Mitarbeiter und 33 Bewohner angesteckt.
Schwer getroffen vom Coronavirus: Im Seniorenheim "Jochhöh" in Pesterwitz haben sich zehn Mitarbeiter und 33 Bewohner angesteckt. © SZ/Tilman Günther

Dennoch sei es nun so, dass nach dem Testen aller 80 Bewohner nachweislich insgesamt 33 das Coronavirus in sich tragen. „Eine Bewohnerin muss im Krankenhaus behandelt werden“, sagt Elke Keiner. Alle anderen würden im Heim behandelt, nicht alle hätten Symptome. „Wir haben das aber im Blick. Es handelt sich ja um Menschen, die nicht ohne Grund bei uns sind, das heißt, es liegen bei allen Vorerkrankungen vor.“

Bewohner in Doppelzimmern, in denen beide positiv getestet worden sind, blieben zusammen. Ansonsten seien negativ Getestete in andere Zimmer verlegt worden, damit sie sich nach Möglichkeit nicht auch noch anstecken.

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Von den erkrankten Mitarbeitern wisse sie von keinem, der in stationärer Behandlung ist. „Meines Wissens sind alle in häuslicher Quarantäne“, sagt die Chefin. Die verbliebenen Mitarbeiter im Haus seien alle mit extrem hohem Engagement dabei. Zudem lobt sie die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt. Der Kontakt sei sehr gut und die Kommunikation von hoher Sachlichkeit geprägt.

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