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Corona-Selbsttest positiv - Was nun?

Bei einem Mann aus dem Kreis Bautzen besteht nach dem Test der Verdacht einer Infektion. Was er dann erlebt hat - und welches Verhalten richtig ist.

Wer sich selbst positiv auf Corona testet, ist zur Durchführung eines PCR-Tests verpflichtet. Der erste Ansprechpartner ist dabei in den meisten Fällen der Hausarzt. Aber auch das Gesundheitsamt des Landkreises Bautzen will informiert werden.
Wer sich selbst positiv auf Corona testet, ist zur Durchführung eines PCR-Tests verpflichtet. Der erste Ansprechpartner ist dabei in den meisten Fällen der Hausarzt. Aber auch das Gesundheitsamt des Landkreises Bautzen will informiert werden. © Symbolfoto: dpa

Bautzen. Es gibt angenehmere Wege, ins Wochenende zu starten, als diesen: Am Freitagnachmittag zeigt der Corona-Selbsttest zwei Balken. Das bedeutet: Der Test wurde richtig angewandt und es besteht außerdem der Verdacht auf eine Infektion mit dem Corona-Virus. Was also tun?

Selbiges geschah einem Mann aus dem Kreis Bautzen, der nicht öffentlich genannt werden will. Auf den positiven Selbsttest reagierte der Betroffene - nennen wir ihn Mathias Liebsch* - mit einem Griff zum Telefon. Bei der Corona-Hotline des Bautzener Landratsamtes wollte Liebsch erfragen, wie er vorzugehen habe. Am anderen Ende der Leitung nahm niemand ab, den gesamten Freitagnachmittag nicht. Auch an einem Montag oder Mittwoch hätte Liebsch Pech gehabt. An diesen Tagen ist die Corona-Hotline nur zwischen 8.30 Uhr und 13 Uhr besetzt. Dienstags und donnerstags erreicht man die Mitarbeiter bis 18 Uhr. An Sonnabenden zwischen 9 und 12 Uhr.

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Drei Tage warten auf den PCR-Test

In Anbetracht dessen tat Liebsch, was er für richtig hielt - sonderte sich mit seiner Familie ab, informierte seinen Arbeitgeber und wählte am Sonnabend erneut die Nummer der Hotline. Nach einigen Versuchen hatte er Glück und einen Gesprächspartner. Von dem wollte Mathias Liebsch wissen, an wen er sich wenden solle, um das Selbsttest-Ergebnis per PCR-Test zu verifizieren. Die Antwort erstaunte ihn. "Man hat mir gesagt, ich könne mich bei meinem Hausarzt testen lassen oder aber solle einen weiteren Schnelltest in einer Apotheke machen. Solange ich symptomfrei sei, würde mich das Gesundheitsamt nicht testen", erinnert er sich.

An seinen Hausarzt konnte er sich am Sonnabend nicht wenden und suchte stattdessen eine Apotheke auf. Das Ergebnis: negativ. Liebsch ließ das noch keine Ruhe. Am Sonntag testete er sich erneut daheim - wiederum mit positivem Befund. Am Montag wurde er bei seinem Hausarzt vorstellig. Am Dienstag dann die Erlösung: Der PCR-Test war negativ. Vier bange Tage waren vorbei.

Von diesem Erlebnis zurück blieben bei Mathias Liebsch neben Erleichterung auch viele Fragen: Hatte er beispielsweise bei seinem Gang in die Apotheke gegen Quarantäne-Regeln verstoßen? Würde sein Arbeitgeber eine Bescheinigung des Gesundheitsamtes verlangen, bevor er die Fehltage anerkennt? Und - wäre der PCR-Test am Dienstag positiv zurückgekommen - ab welchem Zeitpunkt hätte das Gesundheitsamt dann begonnen, seine Kontakte nachzuverfolgen?

Gesundheitsamt testet nur an Wochentagen

Grundsätzlich hat Mathias Liebsch intuitiv richtig gehandelt. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage von Sächsische.de an das Bautzener Landratsamt hervor: "Personen, die sich selbst mittels Corona-Laien-Test positiv getestet haben, gelten als Verdachtspersonen und müssen unverzüglich einen PCR-Test durchführen lassen. Bis zum Vorliegen des PCR-Testergebnisses hat sich die positiv selbst-getestete Person abzusondern, also in Quarantäne zu begeben", teilt Cynthia Thor von der Landkreis-Pressestelle mit.

Erst mit Vorlage eines positiven Ergebnisses des PCR-Tests würden Betroffene, ihre Familien und engen Kontaktpersonen per offiziellem Bescheid in Quarantäne geschickt. Bis dahin genüge für den Arbeitgeber der Verweis auf die Allgemeinverfügung des Landkreises Bautzen zur Absonderung. Das gelte insbesondere an Wochenenden - wenn die Arztpraxen geschlossen haben. Denn derzeit testet auch das Bautzener Gesundheitsamt am Wochenende nicht.

Während jeder Versicherte einen Anspruch auf einen Test bei seinem Hausarzt hätte, fährt Cynthia Thor fort, teste das Gesundheitsamt vor allem bei Kontaktpersonen. Informieren sollte man die Behörde allerdings schon beim positiven Selbsttest - über die Corona-Hotline oder per Mail. Dazu fülle man am besten das Formular zur Selbstauskunft des Sächsischen Sozialministeriums aus, empfiehlt Cynthia Thor. Die Empfehlung des Mitarbeiters an der Corona-Hotline an Mathias Liebsch, er möge sich für einen professionellen Schnelltest an eine Apotheke wenden, erklärt Cynthia Thor im Nachhinein als gutgemeinten Ratschlag, um sich selbst Gewissheit zu verschaffen.

Steigende Zahl von Anrufen bei der Corona-Hotline

Mit der Kontaktermittlung beginne das Gesundheitsamt standardmäßig innerhalb von 48 Stunden, nachdem die Behörde Kenntnis über den positiven PCR-Test erlangt hat. Zurückverfolgt werden dann alle Kontakte bis zwei Tage vor dem Test, beziehungsweise vor Symptombeginn.

Und das lange Warten von Mathias Liebsch an der Corona-Hotline? Im Landratsamt beobachte man derzeit wieder einen deutlichen Anstieg von Anrufen, sodass es zwischenzeitlich zu Wartezeiten kommen könne, teilt die Pressestelle des Landratsamtes mit. Aber man reagiere auf den steigenden Informationsbedarf: "Wir beobachten die Entwicklung stetig und steuern regelmäßig durch Personalzuführung nach."

*Name von der Redaktion geändert

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