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Dampflokfreunde im Covid-Modus

Still ruht das Gleis auf dem Bahnhof der Schwarzbachbahner in Lohsdorf bei Hohnstein. Die Stimmung ist getrübt. Der Verein bangt um Einnahmen.

Sonst gibt es für die Schwarzbachbahner hier immer etwas zu tun. Jetzt ist aber das Bahnhofsdepot in Lohsdorf wegen Corona verwaist.
Sonst gibt es für die Schwarzbachbahner hier immer etwas zu tun. Jetzt ist aber das Bahnhofsdepot in Lohsdorf wegen Corona verwaist. © Steffen Unger

Auf dem Bahnhofsgelände des Schwarzbachbahnvereins in Lohsdorf bei Hohnstein ist sonst immer mindestens einer der Hobbyeisenbahner anzutreffen. Einer hat immer etwas zu tun. Doch Corona bremst auch diesen Verein aus. Dabei sind die Schwarzbachbahner auf Einnahmen angewiesen. Einen Ausgleich für Verluste zum Beispiel wegen ausgefallener Veranstaltungen gibt es bislang für Vereine nicht.

Bereits der erste Lockdown im Frühjahr machte den Kleinbahnern zu schaffen. Sowohl die sonst sehr gut besuchten Osterfeiertage als auch die Bahnerlebnistage mussten ausfallen. Nur zu Pfingsten und zur Sommersonnenwende war das Pfeifen der Dampflok im Schwarzbachtal zu hören. Beide Veranstaltungen waren jedoch mit zahlreichen Hygieneauflagen verbunden.

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Marko Thoms vom Vorstand des Vereins sind die Vorbereitungen noch gut in Erinnerung. Etwa 3.000 Euro habe der Verein in die Umsetzung der Auflagen investieren müssen. Der Aufwand sei immens gewesen. Es musste ein größeres Zelt beschafft werden. Gleich mehrere Verkaufsstände mussten doppelt aufgebaut werden, um Schlangen zu vermeiden. Außerdem wurde eine Wegeleitsystem mit Einbahnstraßen und getrennten Ein- und Ausgängen gefordert. Das alles sei nicht leicht umzusetzen gewesen. Immerhin waren die Schwarzbachbahner aber einer der wenigen Vereine, denen es gelungen ist, überhaupt eine Veranstaltung in Corona-Zeiten unter strengen Auflagen zu organisieren. Selbst wenn es ein großer Kraftakt gewesen sei. Vom Ergebnis her sei es dennoch das erfolgreichste Fest bisher gewesen, sagt Marko Thoms. Vielleicht auch, weil in dieser Zeit andere Vereine ihre geplanten Feste allesamt abgesagt hatten. Den Hobbybahnern kam das offenbar zugute.

Weiterer Streckenausbau muss noch warten

Der Herbstfahrtag Anfang Oktober war dann schon wieder der letzte vor dem erneuten Lockdown. Eigentlich war an Nikolaus erstmals ein Winterfahrtag mit einem kleinem Weihnachtsmarkt geplant. Aber der fand aus bekannten Gründen ja nicht statt. Zeit für den Verein, Bilanz zu ziehen. "Die vier abgesagten Fahrtage, sowie die fehlenden Einnahmen durch spontane Besuche und abgesagte Sonderfahrten verursachten einen finanziellen Schaden von etwa 4.500 bis 5.500 Euro", sagt Marko Thoms. Diese Verluste habe man mit dem Bahnhofsfest ganz gut abfangen können. Da alle ehrenamtlich arbeiten, fallen keine Lohnkosten an. Und natürlich habe man sich auf die treuen, zum Teil langjährigen Spender wieder verlassen können. Finanziell kämen die Kleinbahner deshalb noch ganz gut durch die Krise. Allerdings wartet auf sie aber auch jede Menge Arbeit. Schließlich sollten die Bahngleise weiter in Richtung Ehrenberg verlegt werden. Und auf dem Bahnhof stehen Waggons und Loks, die auf ihre weitere Restaurierung warten.

Die Ankunft der Lok im Sommer auf dem Bahnhofsgelände in Lohsdorf.
Die Ankunft der Lok im Sommer auf dem Bahnhofsgelände in Lohsdorf. © Schwarzbachbahnverein

Dazu gehört auch eine Dampflok vom Typ IV K. Diese Lok ist Eigentum der Museumsbahn Schönheide im Westerzgebirge. Im Zuge der Kooperation beider Vereine wurde die nicht betriebsfähige Lok zunächst für 20 Jahre an den Schwarzbachbahnverein verliehen. Nach 30 Jahren Stillstand wollen die Schwarzbachbahner die Lok wieder betriebsfähig aufbauen. Im Sommer wurde begonnen, die Lok in Einzelteile zu zerlegen. Doch dann kam der nächste Lockdown.

Dampflok wird in Heimarbeit restauriert

Konnten von Frühjahr bis Herbst noch kleinere Arbeitseinsätze in Zwei- bis Drei-Mann-Gruppen an verschiedenen Projekten durchgeführt werden, ist nun seit November alles zum Erliegen gekommen, zumindest im Bahnhofsdepot. Die findigen Schwarzbachbahner haben aber eine Möglichkeit gefunden, wie sie dennoch weiter werkeln können. In Heimarbeit arbeiten einige Mitglieder Teile der Dampflok auf, schneiden Gewinde von Schrauben und Muttern für den Gleisbau nach oder bauen an Modulen für eine Modelleisenbahn.

An Arbeitseinsätze wie Gleisbau ist derzeit wegen Corona und den damit einhergehenden Schutzverordnungen nicht zu denken. "Die eigentlich geplante Fertigstellung des aktuellen Bauabschnittes Richtung Unterehrenberg in diesem Jahr wackelt", sagt Marko Thoms. Neben 350 Metern Gleis sind zwei Betonbrücken instand zu setzen. Unter normalen Umständen würde schon der Bahndamm hergerichtet und geschottert. Auch an den Brücken gäbe es schon vorbereitende Arbeiten zu erledigen. Das wird nun noch warten müssen.

Spenden und alte Fotos sind willkommen

Trotz allem konnte der Verein im Jahr 2020 bis heute 18 neue Mitglieder gewinnen. Insgesamt sind es jetzt 108 Mitglieder, davon 44 aktive und 64 Fördermitglieder aus dem ganzen Bundesgebiet. Das entfernteste Mitglied lebt in Bratislava in der Slowakei.

Und Marko Thoms hat noch eine Bitte: Wer gerade zu Hause sitzt und vielleicht seine alten Fotoalben anschaut, und dabei auf Bilder der alten Schmalspurbahn stößt, kann sich gerne melden. Der Verein sucht alles, ob mit Zug oder ohne, als Foto oder digitalisiert. Das Original wird nach Erstellen eines Abzuges wieder zurückgegeben.

Und wer spenden möchte, zum Beispiel für den Wiederaufbau der Lok, findet alle Kontaktdaten auf der Internetseite des Vereins.

Um zukünftig auch eigenes Personal zum Betrieb der Dampflok zu haben, werden einige Mitglieder eine Ausbildung zum Kesselwärter/Heizer absolvieren. Andere Mitglieder haben sich bereits zum Eisenbahnbetriebsleiter, zum Zugführer beziehungsweise Lokführer ausbilden lassen. Das ist wichtig, um zum Beispiel an den Eisenbahntagen die Lok in Richtung Unterehrenberg zu fahren.

Der Schwarzbachbahnverein selbst ist seit 2019 ein eigenständiges Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) und vertritt die Stadt Hohnstein als Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU). Seit 2014 liegt zudem die Bau- und Betriebsgenehmigung für die Gesamtstrecke Goßdorf-Kohlmühle bis Hohnstein vor. Das Ziel, durch das Schwarzbachtal in Richtung Goßdorf-Kohlmühle zu bauen und zu fahren, werde weiterhin verfolgt, sagt Marko Thoms. Dabei setzen die Schwarzbachbahner in Sachen Landschafts- und Naturschutz weiterhin auf eine einvernehmliche für beide Seiten akzeptable Lösung mit der Landesdirektion.

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