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Das Mittagessen kommt heute vom Lieblingswirt

Sachsens Gaststätten sind zu, aber ihre Herde bleiben heiß. Was kostet der Service? Und schmeckt das überhaupt?

Auslieferbereit! Nicole Vogler und Hans Bilz vom Dresdner Restaurant Schillergarten packen Essen ab.
Auslieferbereit! Nicole Vogler und Hans Bilz vom Dresdner Restaurant Schillergarten packen Essen ab. © Ronald Bonß

Vorsichtig packt Hans Bilz vom Dresdner Restaurant Schillergarten Klöße, Rotkraut und eine Gänsekeule in eine Assiette. Normalerweise würde er das Essen hübsch auf einem Teller anrichten. Das muss der Kunde, der das Menü zum Mittag bestellt hat, daheim nun selber tun.

Die Gaststätte hat es dank ihrer malerischen Lage an der Elbe mit Blick aufs Blaue Wunder in viele Stadtführer geschafft. Aber das hilft ihr in Corona-Zeiten wenig. Damit der Umsatz nicht komplett wegbleibt, haben die Betreiber schon während des ersten Lockdowns im März einen Liefer- und Abholservice eingerichtet. „Im Sommer gab es weniger Bedarf, weil wir normal öffnen konnten. Aber seit die Gaststätten ab November erneut schließen mussten, ist die Nachfrage wieder gestiegen“, sagt Thomas Jacob, einer der beiden Geschäftsführer. Sich den Braten aus dem Lieblingslokal liefern zu lassen, wenn man sich schon nicht mehr hineinsetzen darf – darauf kommen immer mehr Sachsen.

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Welche Gaststätten bieten Liefer- und Abholdienste an? Und wo finde ich sie?

„Inzwischen sind das richtig viele“, sagt Sachsens Dehoga-Chef Axel Klein. Jede Woche melden sich fünf bis zehn Lokale auf der Internetplattform „Lokalhelden“ an, die der Hotel- und Gaststättenverband im März gestartet hat. Inzwischen sind hier 390 sächsische Restaurants gelistet, die Essen für zu Hause zubereiten, es abholen lassen oder selber liefern. Die meisten von ihnen haben solche Dienstleistungen vor Corona nicht angeboten und nutzen gängige Onlineportale wie Lieferando nicht. „Für sie haben wir das Portal aufgebaut“, so Klein. Zum Beispiel der Domkeller in Meißen. „Natürlich ist der Außer-Haus-Verkauf nicht mal ansatzweise mit dem regulären Betrieb vergleichbar“, sagt dessen Geschäftsführer Karsten Müller. Aber er helfe, um das Personal nicht komplett in Kurzarbeit schicken zu müssen. „Wir spüren, dass unsere Gäste uns dabei unterstützen wollen, durch diese Zeit zu kommen“, so Müller. Wer keine Lust hat, sich selbst an den Herd zu stellen, aber nicht weiß, ob der Profi um die Ecke Speisen ausliefert, kann neben lokalhelden-sachsen.de auch bei anderen Plattformen wie speisekarte.de oder regional.de. suchen, auf der Website des Lieblingsrestaurants nachsehen oder einfach zum Telefonhörer greifen. Viele bieten auf Nachfrage auch Gutscheine an.

Wann muss ich bestellen, damit ich mein Essen pünktlich bekomme?

Ein Cordon bleu mit Kartoffeln und Gemüse kann kaum zur gleichen Zeit fertig sein wie eine Pizza – ein bisschen Geduld sollte man also bei der Bestellung für die frische Zubereitung der Speisen aufbringen. „Eine bis anderthalb Stunden reichen dafür, je nach Speise“, sagt Regina Riedel vom Romantik-Hotel in Pirna. „Je eher bestellt wird, desto besser können wir planen“, erläutert Thomas Jacob. Das gelte vor allem für aufwendigere Gerichte wie Gänsekeule oder Rinderbraten. Wer jetzt noch ein Festtagsmenü ordern möchte, sollte das bis zum 20. Dezember erledigt haben.

Darf ich bestelltes Essen überhaupt noch abholen?

Ja, das ist auch jetzt im harten Lockdown noch erlaubt – sofern die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden und man sich dafür nicht weiter als 15 Kilometer von seinem Zuhause entfernt.

Schmeckt das Essen aus der Box genauso wie im Restaurant?

Viele Gastronomen hätten sich spezielle Profigeräte zum Verpacken angeschafft, damit Aroma und Konsistenz der Speisen für die Dauer der Auslieferung erhalten bleiben und nichts ausläuft, sagt Dehoga-Chef Axel Klein. Der Geschmack leide nicht unter dem Transport. „Wir machen bei der Zubereitung nichts anders als sonst auch“, versichert Thomas Jacob. Allerdings sind nicht alle Gerichte für den Transport geeignet. So hat Regina Riedel die Pommes von der Speisekarte genommen, seit das Restaurant ausliefert. „Sie wären nicht mehr kross, wenn sie beim Gast ankommen.“ Karsten Müller packt deshalb Dressings, Soßen oder Salate getrennt von den restlichen Komponenten ab.

Wie lange bleiben die gelieferten Speisen warm?

Analog zu Pizzalieferdiensten haben sich auch die lokalen Gastronomen mit Thermoboxen eingedeckt. „Wir verpacken die Speisen so, dass mindestens 30 Minuten kein spürbarer Qualitätsverlust eintritt“, sagt Karsten Müller. Dauert die Auslieferung länger, kann das Essen daheim noch mal erwärmt werden.

Herd oder Mikrowelle – was ist für das Erwärmen besser?

Das ist im Grunde egal, sagen die Wirte. Besonders einfach gehe das Erwärmen bei vakuumverpackten Speisen, die man sich auch auf Vorrat bestellen kann. „Sie sind auf den Garpunkt genau zubereitet. Es reicht deshalb aus, sie im Wasserbad leicht zu erhitzen“, rät Klein.

Muss ich für das gelieferte Essen mehr bezahlen?

Das hält jeder Wirt anders. Manche reduzieren die Preise, weil der Tischservice wegfällt. Andere lassen sie gleich, weil Verpackung und gegebenenfalls eine kostenlose Auslieferung dazukommt. Einige verlangen bis zu einem bestimmten Mindestumsatz oder ab einer gewissen Entfernung eine Liefergebühr. „Aber es gibt einen Marktdruck der Mitbewerber, der das reguliert“, so Klein. Sein Tipp: Die Gebühr vorher erfragen und im Zweifelsfall das Essen persönlich abholen oder anderswo bestellen.

Was ist, wenn ich das sprichwörtliche Haar in der Suppe finde?

„Bestellte Speisen kann man genauso reklamieren wie jedes andere Essen auch“, sagt Dehoga-Chef Klein. Sind geliefertes Gemüse und Blattsalate beim Auspacken schlapp, oder riecht das Gericht unangenehm, muss das niemand hinnehmen. Auch in dieser angespannten Zeit besteht ein Recht auf einwandfreie Ware, informiert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Kunden sollten verdorbenes Obst, aufgetaute Tiefkühlkost und mangelhaftes Essen zurückweisen und eine Neulieferung in einer angemessenen Zeit verlangen. Ganz wichtig: Den Mangel sofort per Handyfoto dokumentieren. „Die meisten bestellen das Essen ja beim Wirt ihres Vertrauens“, sagt Klein. Da sei der beste Weg immer noch ein direkter Anruf.

Bezahle ich vorher oder nachher?

Verbraucherschützer raten dazu, bestellte Speisen erst im Nachhinein per Rechnung und nicht bereits beim Bestellen per Vorkasse zu begleichen. Denn damit gehe man in vielerlei Hinsicht auf Nummer sicher und müsse seinem Geld nicht hinterherlaufen, wenn man auf eine berechtigte Rückzahlung poche. Bei der Barzahlung sei es ratsam, das Geld möglichst passend parat zu haben, empfiehlt Axel Klein. Wichtig: Maske beim Entgegennehmen nicht vergessen!

Was mache ich, wenn die Bestellung zu lange dauert?

Online-Lebensmittelhändler müssen einen Termin angeben, bis zu dem die bestellten Produkte geliefert werden sollen. Kommen sie in dieser Zeit nicht an, sollten Kunden ihnen eine angemessene Frist setzen. Wird auch sie nicht eingehalten, kann man aus dem Vertrag ausscheiden und muss das Essen weder annehmen noch bezahlen, so die Verbraucherzentrale.

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