SZ + Bautzen
Merken

Kreis Bautzen: Pro und Kontra zur Maske im Unterricht

Nach den Herbstferien soll in Sachsen die Maskenpflicht im Unterricht wegfallen. Das sagen Betroffene im Landkreis Bautzen dazu.

Von David Berndt
 6 Min.
Teilen
Folgen
Sagen ihre Meinung zum geplanten Wegfall der Maskenpflicht im Unterricht: Amelie Jähne, Mario Metzner, Luisa Rosenkranz (o., v.l.), Dr. Martin Völker, Matej Meskank, Wolfgang Rafelt (u., v.l.)
Sagen ihre Meinung zum geplanten Wegfall der Maskenpflicht im Unterricht: Amelie Jähne, Mario Metzner, Luisa Rosenkranz (o., v.l.), Dr. Martin Völker, Matej Meskank, Wolfgang Rafelt (u., v.l.) © Steffen Unger (3), SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Nach den Herbstferien könnte sich die Situation im Unterricht an Oberschulen und Gymnasien ändern. Wie Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) in dieser Woche angekündigt hat, könnte die Maskenpflicht im Unterricht ab dem 8. November entfallen.

Lehrer hätten ihm berichtet, dass die Maske im Unterricht über mehrere Stunden eine Belastung sei, begründet Piwarz den Vorstoß. Die Maskenpflicht im Schulgebäude soll dagegen weiterhin bestehen bleiben. Piwarz hält es zudem für wichtig, „dass wir die Reihentestungen von Schülerinnen und Schülern weiter durchführen“. Das sei bis zu den Weihnachtsferien gesichert.

Die Lockerung der Maskenpflicht an Sachsens Schulen soll gelten, so lange die Vorwarnstufe noch nicht erreicht ist, laut der höchstens 650 Betten auf Normalstationen und 180 Betten auf Intensivstationen mit Covid-19-Patienten belegt sein dürfen. So ist es im Entwurf für die neue Kita- und Schulverordnung vorgesehen, die in der kommenden Woche beschlossen werden soll.

Im Kreis Bautzen ist zwar die Sieben-Tage-Inzidenz seit dem Herbstbeginn gestiegen, aber die Situation in den Krankenhäusern noch entspannt. Die Behandlung von Corona-Patienten läuft, ohne den Klinik-Betrieb zu überlasten.

Anfang Oktober hatten der Deutsche Lehrerverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Lockerungen bei der Maskenpflicht an Schulen abgelehnt. Mehrere Bundesländer haben aber bereits Lockerungen angekündigt oder umgesetzt, etwa Bayern, Baden-Württemberg oder Berlin.

Sächsische.de hat im Landkreis Bautzen gefragt, wie Betroffene zum Wegfall der Maskenpflicht stehen.

Schülerin Luisa Rosenkranz: Keine Maske im Unterricht

Luisa Rosenkranz ist Schülerin am Sorbischen Gymnasium in Bautzen.
Luisa Rosenkranz ist Schülerin am Sorbischen Gymnasium in Bautzen. © Steffen Unger

„Ich bin dafür, dass die Masken im Unterricht nicht getragen werden sollten, denn wir werden zweimal in der Woche getestet, und einige von uns sind geimpft, was natürlich auch hilft. Dazu kommt noch die Zahl der belegten Betten in den Krankenhäusern, und solange die beachtet wird, sollte die Maskenpflicht im Unterricht wegfallen. Wir wissen ja auch, dass es bei Kindern in den meisten Fällen nicht dazu kommt, dass sie auf die Intensivstationen müssen.

Bei mir ist das Tragen der Maske in den ersten vier Stunden noch in Ordnung, dann kann man sich noch konzentrieren. Wir lüften auch regelmäßig und können die Maske auch mal runternehmen. Wenn es sechs oder acht Stunden sind, wird es immer unangenehmer, man bekommt schlechter Luft, und das Lernklima verschlechtert sich.“

Schulleiter Wolfgang Rafelt: Will mich auf keine Seite stellen

Wolfgang Rafelt ist Schulleiter des Gotthold-Ephraim-Lessing-Gymnasiums in Kamenz.
Wolfgang Rafelt ist Schulleiter des Gotthold-Ephraim-Lessing-Gymnasiums in Kamenz. © Matthias Schumann

„Ich bin Naturwissenschaftler, und beim Thema Maskenpflicht verlasse ich mich auf diejenigen, die Ahnung davon haben und entscheiden, ob und wie es umgesetzt wird. Sie werden die richtige Entscheidung treffen. Ob die Maskenpflicht im Unterricht nun bleiben oder wegfallen soll, kann ich nicht bestimmen und will mich da auf keine Seite stellen. Ich bin auch sehr froh, dass ich diese Entscheidung nicht treffen muss.

Außerdem ist es eine sehr emotionale Frage, und wir haben es hier an der Schule mit verschiedenen Meinungen zu tun. Die einen lehnen alles ab, und anderen gehen die Corona-Maßnahmen nicht weit genug. Das macht die Sache schwierig, und wir werden es nicht schaffen, es jedem recht zu machen.“

Kinderarzt Martin Völker: Keine Maske, aber Tests

Dr. Martin Völker ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Obergurig und Obmann der Kinderärzte im Landkreis Bautzen.
Dr. Martin Völker ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Obergurig und Obmann der Kinderärzte im Landkreis Bautzen. © Archiv/SZ/Uwe Soeder

„Ich begrüße den Wegfall der Maskenpflicht, gerade wenn man die Gesamtsituation betrachtet und sieht, wie viel die Kinder haben aushalten und zurückstecken müssen in den letzten Monaten. Wir haben ja auch schon Bundesländer, wo es funktioniert. Natürlich sind die Kinder eine Ansteckungsquelle, aber die Vorteile des Verzichts der Masken im Unterricht auf sozial-emotionaler Ebene überwiegen bei Weitem die medizinischen Verbreitungsgründe.

Voraussetzung ist, dass die Tests weitergeführt werden und andere Schutzmaßnahmen intensiviert werden, insbesondere das Impfen der Lehrer und anderer Kontaktpersonen. Das halte ich für sinnvoll, und dann sind wir auf der sicheren Seite.“

Schüler Matej Meškank: Bessere Konzentration ohne Maske

Matej Meskank ist Schüler am Sorbischen Gymnasium in Bautzen.
Matej Meskank ist Schüler am Sorbischen Gymnasium in Bautzen. © Steffen Unger

„Ich persönlich finde die Maskenpflicht im Unterricht relativ unbeschwerlich und merke das nicht großartig. Aber ich hätte auch kein Problem damit, wenn die Maskenpflicht abgeschafft wird. Nach einer Weile des Tragens drückt es natürlich etwas auf die Nase, und es wird stickig. Masken können bei uns aber auch, wenn wir still und mit Abstand arbeiten, abgenommen werden. Das ist ein Vorteil. Wir haben jetzt eine Klausur geschrieben, konnten dabei die Masken abnehmen, und da kann man sich auch besser konzentrieren.

Ich habe auch keine Befürchtungen meinetwegen. Ich bin geimpft seit dem Frühling, hatte schon Corona mit relativ mildem Verlauf und fühle mich nach Infektion und Impfung geschützt vor dem Virus. Ich würde mehr darauf drängen, die Schüler zu impfen. Alle geimpften Schüler könnten die Maske absetzen, um vielleicht Anreize fürs Impfen zu schaffen.“

Stadtfamilienrat Bautzen: Regelmäßige Tests reichen

Christin Wegner, Kerstin Lawan und Antje Schierz (von links) engagieren sich beim Stadtfamilienrat Bautzen.
Christin Wegner, Kerstin Lawan und Antje Schierz (von links) engagieren sich beim Stadtfamilienrat Bautzen. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

„Die Maskenpflicht im Unterricht ist schon eine Belastung für die Schüler, wenn wir auch einen pragmatischen Umgang damit sehen. Aber nur, weil sich die Kinder in das Schicksal gefügt haben, muss es nicht gut sein. Daher plädieren wir dafür, die Maskenpflicht nach den Herbstferien abzuschaffen.

Es muss jedoch für alle Schulen gleich gelten, damit nicht jeder Schulleiter oder Klassen- und Fachlehrer eigene Entscheidungen trifft und wir ein Regelungschaos haben. Die Schüler werden regelmäßig getestet. Das sollte reichen. Was viele Eltern ärgert, sind Vorfälle wie das ,Oben-Ohne-Foto‘ der SPD-Fraktion im Bundestag. Das schürt den Eindruck, dass hier mit zweierlei Maß gearbeitet wird.“

Kreiselternrat Mario Metzner: Mehrzahl für Unterricht ohne Maske

Mario Metzner ist der Vorsitzende des Kreiselternrats Bautzen.
Mario Metzner ist der Vorsitzende des Kreiselternrats Bautzen. © Archiv/René Plaul

„Die Mehrzahl der Eltern begrüßt den Wegfall der Maskenpflicht im Unterricht unter Beibehaltung der zweimaligen Testung in der Schule. Es wird auch als ein Schritt hin zu etwas mehr Normalität für die Kinder gesehen. Wenngleich die steigenden Inzidenzwerte in Sachsen und die erhöhte Anzahl an infizierten Kindern vielen Eltern Sorge bereiten. Insbesondere Eltern von Kindern mit Vorerkrankungen sehen die Lockerungsmaßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt überaus kritisch.

Es bleibt zu hoffen, dass größere Ausbrüche an Schulen und schwere Verläufe bei Kindern ausbleiben. Weiterhin bemängeln Eltern die unklaren Vorgaben bezüglich der 3G-Regelungen für Kinder. Einige Veranstalter bewerten Schüler automatisch als getestet, andere bestehen auf einem tagesaktuellen Test. Dies sollte schnellstmöglich im Interesse der Kinder geregelt werden.“

Schülerin Amelie Jähne: Maske schränkt uns nicht ein

Amelie Jähne ist Schülerin am Schiller-Gymnasium Bautzen.
Amelie Jähne ist Schülerin am Schiller-Gymnasium Bautzen. © Steffen Unger

„Ich finde, die Maskenpflicht hängt sehr davon ab, wie es mit der Inzidenz und der Belegung der Intensivbetten aussieht. Solange man durch die Maskenpflicht dafür sorgen könnte, dass die Gefahr für alle Menschen geringer ist, bin ich absolut für die Maskenpflicht im Unterricht. Ich persönlich, und auch meine Freunde sehen das so, habe kein Problem damit. Es stört uns nicht. Ich empfinde es nicht als Einschränkung, eine Maske zu tragen.

Wir tragen die Maske sechs bis acht Unterrichtsstunden pro Tag. Wenn wir Klassenarbeiten schreiben, sagen viele Lehrer, dass wir die Masken absetzen können, aber tatsächlich lassen sie die meisten von sich aus auf.“