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Das sind die neuen Corona-Regeln im Sport

Geisterspiele bei den Profis und Stillstand bei den Amateuren - die Verantwortlichen kritisieren die drastischen Maßnahmen. Viele Vereine stehen vor dem Nichts.

Gähnende Leere auf den Rängen: Die Fußball-Bundesliga muss wieder Geisterspiele austragen.
Gähnende Leere auf den Rängen: Die Fußball-Bundesliga muss wieder Geisterspiele austragen. © dpa/Tom Weller

Von Jan Mies, Wolfgang Müller und Andreas Schirmer

Berlin. Sorgenvoll und mahnend verkündete Angela Merkel die drastischen Corona-Beschränkungen, die den deutschen Sport in eine tiefe November-Depression stürzen. Die Bundesligen, auch im Profifußball, dürfen ab nächster Woche nur noch Geisterspiele ausrichten. Im Freizeit- und Amateurbereich wird der Betrieb beinahe gänzlich untersagt. "Wir brauchen im November eine nationale Kraftanstrengung", begründete die Bundeskanzlerin die am Mittwoch mit den Ländern angesichts dramatisch steigender Infektionszahlen beschlossenen Maßnahmen. Der Sport spielte während der Pressekonferenz zwar keine Rolle, aber er hat hart zu kämpfen.

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Die Entscheidung solidarisch mitzutragen, falle "nicht leicht, weil sich die bereits sichtbaren und die für viele noch unsichtbaren Corona-Schäden in Sportdeutschland durch diese pauschale Maßnahme der Politik nochmals deutlich verstärken", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann. Der DOSB fordere "im Bereich der angekündigten Nothilfen, dass der Sport in seiner ganzen Vielfalt unproblematisch daran teilhaben kann".

Im Basketball, Handball, Eishockey oder Volleyball sind die Vereine stark auf die Zuschauereinnahmen angewiesen. Die Anordnung der Geisterspiele widerspreche "eigentlich dem, was wir vorige Woche mit den Chefs der Staatskanzleien besprochen haben", sagte Handball-Bundesliga-Geschäftsführer Frank Bohmann. "Da war der Tenor noch eindeutig: Der Sport hat seine Hausaufgaben gemacht und trägt nicht zum Infektionsgeschehen bei."

Merkel betonte in ihren Ausführungen, bei hohen Corona-Zahlen könne nicht mehr gesagt werden, "dass ein bestimmter Bereich nicht zur Infektion beiträgt". Bayerns Ministerpräsident Markus Söder erklärte, es stünden "schwere Wochen für die Bevölkerung" bevor. "Das bisher Gemachte reicht nicht. Wir müssen mehr tun", sagte der CSU-Chef. Doch er unterstrich auch: "Wir überstehen Corona. Es gibt ein Morgen."

DOSB-Präsident Alfons Hörmann bedauert den temporären Lockdown und fordert Finanzhilfen.
DOSB-Präsident Alfons Hörmann bedauert den temporären Lockdown und fordert Finanzhilfen. © dpa/Guido Kirchner

Die 36 Vereine der Deutschen Fußball-Liga (DFL) müssen sich nicht gänzlich auf eine neue Situation einstellen. Bereits in den vergangenen Wochen gab es aufgrund steigender Infektionszahlen viele Spiele ohne oder nur mit wenigen Zuschauern. Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 kündigten an, am nächsten Wochenende keine Fans zuzulassen.

Ein umfassendes Hygienekonzept ermöglichte dem Profifußball im vergangenen Frühjahr die Wiederaufnahme des Spielbetriebes mit Geisterspielen. Für diese Saison bekamen die DFL wie der gesamte Sport von der Politik grünes Licht, zumindest bis zu 20 Prozent der Gesamtkapazität der Stadien auslasten zu dürfen. Sie konnten das in den wenigsten Fällen nutzen.

"Aus unserer Sicht gibt es fachlich-hygienisch keine Gründe dafür", sagte Basketball-Bundesliga-Geschäftsführer Stefan Holz zu der Entscheidung aus der Politik. "Es werden von uns Hygienekonzepte verlangt, für die wir viel Geld in die Hand nehmen und mit ausgewiesenen Experten zusammenarbeiten. Und obwohl die Testphase gezeigt hat, dass die Konzepte funktionieren, dreht man uns doch den Saft ab. Das ist bitter."

Er fügte hinzu: "Jetzt warten wir die genauen Beschlüsse erst mal ab. Vielleicht gibt es ja noch etwas Kleingedrucktes, das Ausnahmen zulässt." Er sei froh, dass die Ligen zumindest ohne Zuschauer spielen dürfen. "Von daher schwankt meine Gefühlslage gerade zwischen Frust und Erleichterung." Die Basketball-Bundesliga startet am 6. November in ihre neue Saison - wie auch die Deutsche Eishockey-Liga 2. "Wir sind in erster Linie froh, dass der Spielbetrieb im Profisport erhalten werden kann", sagte DEL-2-Geschäftsführer René Rudorisch. Die DEL verschob den Saisonstart auf unbestimmte Zeit.

Sachsens Fußball-Präsident kritisiert Beschlüsse

Unterschiedliche Vorgaben in den Ländern gibt es nicht. "Die Entscheidungen gelten bundesweit", sagte Merkel. Söder betonte, die Maßnahmen seien "kurzfristig hart, aber langfristig milder, als nichts zu tun".

Die Folgen für den Amateursport dürften extrem sein. Fitnessstudios, Schwimm- und Spaßbäder müssen schließen und ihren Betrieb einstellen. Vereine dürfen nicht mehr trainieren. Ausschließlich Individualsport, beispielsweise allein joggen, bleibt erlaubt. "Der DOSB bedauert sehr, dass dieser temporäre Lockdown inklusive eines Verbots des Amateursports offenbar nötig geworden ist", sagte Hörmann. Auch wenn der Profisport fortgesetzt werden dürfe, bleibe es dabei, "dass die gesamte Sportlandschaft, von der Bundesliga bis zum Kinderturnen, untrennbar zusammengehört".

Der Präsident des Sächsischen Fußball-Verbandes, Hermann Winkler, kritisierte die Beschlüsse deutlicher: "Ich bin entsetzt über die Ignoranz und Geringschätzung gegenüber dem Sport und der Vereine."

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