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Daten von tausenden „Querdenkern“ geleaked

Hackern ist es gelungen, die „Querdenken “-nahe Partei „Die Basis “ virtuell auszuspähen. Betroffen sind hochsensible Daten tausender Mitglieder.

DA Hackerkollektiv „Anonymous Germany" hat jetzt sensible Daten tausender Mitglierder veröffentlicht.
DA Hackerkollektiv „Anonymous Germany" hat jetzt sensible Daten tausender Mitglierder veröffentlicht. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa (Archiv)

Von Julius Geiler

Datenschützer würden es als Super-Gau beschreiben. Telefonnummern, Adressen, Mitgliedsbeiträge – alles frei einsehbar. Für über zehntausend Anhänger und Anhängerinnen der Kleinstpartei „Die Basis“ ist dieser Alptraum am Sonntagabend Realität geworden.

Dem Hackerkollektiv „Anonymous Germany“ ist es gelungen, einen gigantischen virtuellen Datensatz auszuspähen und zu erbeuten. Dabei mussten sich die Internetspezialisten offenbar nicht einmal besonders anstrengen. In einer Stellungnahme heißt es seitens „Anonymous“: „Selten wurde es uns so leicht gemacht wie in diesem Fall.“

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So soll es sich auch um keinen „Hack“ im eigentlichen Sinne gehandelt haben, vielmehr waren die hochsensiblen Daten der „Basis“-Mitglieder so schlecht geschützt, dass die IT-Expert:innen von „Anonymous“ nach eigener Aussage „ohne Qual“ und „viel Gedöns“ an die Daten gelangen konnten. Ironisch heißt es in einem Statement des Kollektivs, dass man der Partei eine Selbstanzeige bei der zuständigen Datenschutzaufsichtsbehörde empfehlen würde.

Mehr als 13.000 Datensätze

Insgesamt sei eine Menge von über 13.000 Datensätzen erbeutet worden, darunter Mitgliedsnummern, Privatadressen, Handynummern, E-Mail-Adressen und die Höhe der jeweiligen Mitgliedsbeiträge. Zusätzlich sind die Hacker in einigen Fällen in den Besitz von Kontodaten und persönlichen Hintergründen wie vorherige Parteizugehörigkeit der Partei-Unterstützer gelangt.

Die „Basisdemokratische Partei” ist nach „Widerstand2020“ und „WIR2020“ ein weiterer Versuch der sogenannten „Querdenken“-Bewegung, ihre inhaltlichen Ziele in einer politischen Partei zu bündeln. Die Partei ging im Sommer 2020 aus der aufgelösten Widerstand2020-Partei hervor, die vom Sinsheimer HNO-Arzt und Verschwörungsideologen Bodo Schiffmann gegründet wurde.

Mittlerweile sind viele prominente Gesichter der „Querdenker“ Mitglied der Basis, darunter die Anwälte Markus Haintz, Reiner Füllmich und Viviane Fischer. Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg erreichte die Partei ein Prozent der Stimmen.

Die Parteispitze der „Basis“ war auf Tagesspiegel-Anfrage nicht zu erreichen, allerdings wurde auf der parteieignen Homepage ein Statement zum Datenleck veröffentlicht. Demnach wurde bereits Strafanzeige gegen die Verursacher der Daten-Veröffentlichungen gestellt. Alle betroffenen Mitglieder seien laut „Basis“-Bundesvorstand bereits informiert worden. Der Angriff auf das Datennetzwerk der Partei wird als „Angriff“ auf „unsere Demokratie“ bezeichnet.

Der Tagesspiegel hatte die Gelegenheit, den Datensatz auszuwerten. Neben allgemeinen Daten wie Adressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen finden sich auch Kopien vollständiger Mitgliedsanträge in dem von „Anonymous“ veröffentlichten Leak.

Frühere Parteizugehörigkeit öffentlich

In diesem ist unter anderem die vorherige Parteizugehörigkeit zu erkennen. Demnach nahm die „Die Basis“ sowohl ehemalige AfD-Mitglieder als auch frühere Anhänger der Linkspartei auf. Darüber hinaus sind die politischen Motivationen und persönlichen Hintergründe einiger „Basis“-Mitglieder ersichtlich.

Um der Öffentlichkeit den Umfang ihres Leaks deutlich zu machen, veröffentlicht „Anonymous“ stellvertretend auch einige pikante Details über prominente Mitglieder der Partei. Demnach soll „Querdenken“-Anwalt Markus Haintz angeblich in einer 1,1-Millionen Euro teuren Villa wohnen.

Der verschwörungsideologische Anwalt und Vorsitzende des sogenannten Corona-Ausschusses Reiner Füllmich, der seit Sommer Geld für eine angebliche Sammelklage gegen Christian Drosten sammelt, soll lediglich den minimalen Mitgliedsbeitrag von drei Euro monatlich bezahlen. Andere Anhänger der Partei zahlen dagegen zehn oder fünfzehn Euro pro Monat.

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