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Deko zu Weihnachten: Bitte schön kitschig!

Die Pandemie beeinflusst sogar die Trends bei der Deko für Weihnachten – weil das Herz es gerade braucht.

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Rückbesinnung auf kindliche Zeiten: jetzt auch in Deko-Form.
Rückbesinnung auf kindliche Zeiten: jetzt auch in Deko-Form. © dpa/Krebs Glas Lauscha

Eigentlich mögen Sie keine kitschige Wohndeko, aber an Weihnachten kaufen Sie Rehe, Elfen und Nussknacker? Damit sind Sie nicht allein. Dieses Jahr ist das sogar ein Deko-Trend. Feiern wir also wieder Weihnachten, wie es in einer guten alten Zeit war? Die Trendexpertin Gabriela Kaiser, die die adventlichen Produkte im Handel analysiert hat, sagt sogar: Dieses Jahr soll das Fest noch so viel schöner werden, als es je war. Denn wir bauen uns das fantastische Weihnachtsfest aus Kinderbüchern nach.

Wie kommt das? Trends stehen für gesellschaftliche Entwicklungen. Firmen greifen diese auf und bieten Produkte an, die im Moment gut zu den Gefühlen vieler Menschen passen – also zu ihrem Lebensstil, Wünschen, Hoffnungen und auch Ängsten. Denn treffen sie den aktuellen Geschmack der Menschen, können sie mehr Produkte verkaufen.

Aktuell steht da viel Nostalgisches, Märchenhaftes und Kitschiges in den Regalen. Ein ganz wesentlicher Grund dafür ist, dass wir aufgrund der Pandemie in einer unsicheren Zeit leben, in der Elemente aus der Kindheit uns unbewusst ein gutes Gefühl vermitteln. „Diese Rückbesinnung hat eine tröstende Wirkung, sie schafft Behaglichkeit und Vertrauen“, sagt Trendscout Claudia Herke.

„Wir besinnen uns verstärkt auf uns selber und wir werden sozusagen in unsere Familien zurück katapultiert.“ Damit geht einher, dass viele sich mit alten Familientraditionen beschäftigen oder diese für sich im Erwachsenenalter neu entdecken. Etwa den klassisch dekorierten Weihnachtsbaum mit roten Kugeln, Apfel-Anhängern und kindlichen Figuren. Diese Elemente sprechen sogar die jungen Generationen an, die diese klassische Weihnachtsdekoration in ihrer Kindheit nicht erlebt haben, beobachtet die Expertin.

Die Jüngeren haben Weihnachten auf diese Weise nur vorgespielt bekommen, etwa in einem schönen Kinderbuch oder in einem alten Film. „Naturmotive wie Blätter, Nüsse, Zweige oder Zapfen, Rehe und Hirsche symbolisierten einen „Kontrapunkt zum digitalen Überdruss“, sagt Herke. Sie stehen also für eine Entschleunigung, wie sie etwa auch ein Spaziergang durch einen ruhigen Wald bringen kann.

Wohnungen müssen herhalten

Die Coronapandemie mit Lockdown hat dafür gesorgt, dass dieser seit Jahren andauernde Trend aktuell bleibt. Denn statt nur zu Hause zu sitzen, haben viele Menschen Spaziergänge in der Natur für sich entdeckt oder eine Sehnsucht entwickelt, mehr Grün um sich zu haben. Das beeinflusst die Deko: „Die Menschen holen sich die Behaglichkeit der Natur in ihr Zuhause“, sagt Herke. Und das bewusst in einer frostigen Zeit, in der man vergleichsweise wenig Zeit draußen verbringt.

Viele Menschen schmücken derzeit die Wohnräume vergleichsweise üppiger und aufwendiger. Analysten nutzen hierfür den Begriff „hochdekoriert“. Schließlich entfallen vielerorts erneut die Weihnachtsmärkte, und Firmen verzichten häufig auf Weihnachtsfeiern.

Dazu kommt das Nachholbedürfnis. Letztes Jahr gab es zur Weihnachtszeit pandemiebedingt viele Restriktionen, es durften nicht viele Menschen zusammenfeiern. Das letzte Fest war also etwas abgespeckt. Weihnachten 2021, so die Hoffnung, soll so vieles nachholen und geben können. Deshalb soll es zu Hause einfach schön sein. So wie früher. Oder so wie in den Kinderbüchern. Weil das Herz es gerade braucht. (dpa)