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Dresdner Friseure demonstrieren für Corona-Hilfen

Wie die Gastronomen mussten auch Friseure und Kosmetiker im Lockdown schließen, aber das versprochene Geld kam bisher nicht oder nur schleppend.

Am Donnerstagvormittag demonstrierten Dutzende Dresdner Friseure und Kosmetiker am Japanischen Palais in Trauerkleidung und mit Frisierköpfen, um auf ihre Situation im Lockdown aufmerksam zu machen.
Am Donnerstagvormittag demonstrierten Dutzende Dresdner Friseure und Kosmetiker am Japanischen Palais in Trauerkleidung und mit Frisierköpfen, um auf ihre Situation im Lockdown aufmerksam zu machen. © Christian Juppe

Dresden. Die Haare waren zerzaust oder unter eine Mütze gequetscht. Das passte am Donnerstagvormittag gar nicht zu den Friseurinnen und Friseuren, die sich auf der Elbwiese am Japanischen Palais getroffen hatten.

Es lag aber nicht in erster Linie daran, dass sie selbst zurzeit nicht arbeiten dürfen, der Wind blies ihnen kräftig ins Gesicht bei ihrer Demonstration für mehr und vor allem schnellere staatliche Unterstützung im Lockdown. Denn er bläst den Haar-Profis und ihren Kollegen in den Kosmetikstudios der Stadt nicht nur sprichwörtlich ins Gesicht. Existenzsorgen sind allgegenwärtig.

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Nach ausgefeilten Hygienekonzepten und der kurzzeitigen Öffnung trotz des leichten Lockdowns im Spätherbst können und wollen sie das gegenwärtige Arbeitsverbot nicht akzeptieren. Deshalb haben sie auf der Wiese an der Elbe protestiert, vis-à-vis dem Landtag, um von den Politikern gesehen zu werden.

"Die Kosmetiker haben seit 1. November zu und die Friseure seit 14. Dezember. Es ist existenzbedrohend für unsere Branche", so Beatrice Kade, Geschäftsführerin der gemeinsamen Friseur-und Kosmetikerinnung, die sich in zwei Wochen offiziell gründen will.

Kade und ihre Kollegen fordern, dass ihre Branche nicht vergessen wird und dass sie - so es die Infektionszahlen zulassen - möglichst schnell wieder öffnen dürfen. "Alle arbeiten mit den Hygienemaßnahmen und Masken und ich kenne keinen Fall, bei dem sich ein Kunde beim Friseur oder Kosmetiker infiziert hat", so Kade. Ein großes Problem, ähnlich wie bei den Gastronomen: Die versprochenen Hilfszahlungen für die Unternehmen seien bisher nicht oder nur teilweise geflossen.

In dunkler Trauerkleidung protestierten die Friseure und Kosmetiker auf den Elbwiesen.
In dunkler Trauerkleidung protestierten die Friseure und Kosmetiker auf den Elbwiesen. © Christian Juppe
Eine Teilnehmerin der Protestaktion hält eine Frisierpuppe mit Mundschutz und einem Zettel mit der Aufschrift "Macht endlich alles auf" in den Händen.
Eine Teilnehmerin der Protestaktion hält eine Frisierpuppe mit Mundschutz und einem Zettel mit der Aufschrift "Macht endlich alles auf" in den Händen. © Robert Michael/dpa
Auch viele andere Teilnehmerinnen hatten Frisierpuppen mit Mundschutz mitgebracht.
Auch viele andere Teilnehmerinnen hatten Frisierpuppen mit Mundschutz mitgebracht. © Robert Michael/dpa
© Christian Juppe
Der Organisator spricht durch ein Megafon, auf dem eine Deutschlandflagge klebt, zu den Teilnehmern.
Der Organisator spricht durch ein Megafon, auf dem eine Deutschlandflagge klebt, zu den Teilnehmern. © Robert Michael/dpa
Elke Scheinert (r.) nahm mit Tochter Julia und kunstvoll frisierten Frisierköpfen an der Protestaktion teil.
Elke Scheinert (r.) nahm mit Tochter Julia und kunstvoll frisierten Frisierköpfen an der Protestaktion teil. © Christian Juppe

Kosmetikerin Annett Lippmann, die seit 28 Jahren ihr Kosmetikinstitut betreibt, blickt mit Sorge in die Zukunft. "Die Kosten wie Miete, Personalkosten und Strom laufen alle weiter, aber es kam noch so gut wie keine Unterstützung aus der Politik", sagt sie. Bisher seien an sie und ihre Kollegen nur Abschlagszahlungen von 500 oder mal 2.000 Euro geflossen. Zu wenig. "Wir sind an der Belastungsgrenze, sitzen zu Hause und wissen nicht, wie es weitergehen soll."

Annette Leubert aus Dresden-Briesnitz hat mehr Geld bekommen, doch auch das reicht nicht. "Meine drei Mitarbeiter sind wieder am Existenzminimum", sagt die Friseurmeisterin. 5.000 bis 8.000 Euro braucht sie pro Monat, um alle laufenden Kosten begleichen zu können. "Im Lockdown im Frühjahr habe ich 9.000 Euro Soforthilfe bekommen, damit konnte ich sechs Wochen überleben", sagt sie.

Jetzt sei noch keine Hilfe in Sicht. Sie wisse noch nicht einmal, was sie beantragen darf. "Mehrere Nachfragen meines Steuerberaters haben nichts gebracht, es gibt keine Infos", berichtet Annette Leubert über die aktuell angekündigten Hilfsgelder. Rund 25 Kunden lassen sich in ihrem Briesnitzer Salon normalerweise pro Tag frisieren. Sie müssen vorerst weiter mit zerzausten Haaren leben - auch wenn es nicht windig ist.

Dresdner Friseur: "Wir geben nicht auf"

Am 14. Dezember musste auch der Neustädter Friseur Christoph Steinigen erneut schließen. "Alle meine Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, aber wir geben nicht auf ", so der Chef vom Director's Cut. "Wir konzentrieren uns aktuell auf unseren Online-Shop und verkaufen Gutscheine und Produkte wie Shampoo und Conditioner", so Steinigen.

Damit es möglichst wenig "Unfälle" mit Selbstversuchen der Kunden gibt, verschickt der Salon auch Haarfärbesets für Zuhause. Darin enthalten: der Farbton, den die oder der Kunde auch im Salon immer nutzt, Pinsel und Becher zum Auftragen. "Im Frühjahr 2019 haben einige unserer Kunden auch selbst Hand angelegt mit Schneiden oder Farbe aus der Drogerie, aber wir konnten jedes Missgeschick retten", erzählt der Friseur mit einem Schmunzeln.

Christoph Steinigen, Inhaber des Friseursalons Director's Cut in der Dresdner Neustadt.
Christoph Steinigen, Inhaber des Friseursalons Director's Cut in der Dresdner Neustadt. © Christian Juppe

Auch er hofft, bald wieder öffnen zu dürfen. "Anders als im Frühjahr hat die Branche ja jetzt alles angeschafft wie Handschuhe, Plexiglaswände und Einmal-Umhänge und könnte von heute auf morgen wieder starten", sagt er.

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