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Corona-Krise: „Der Applaus fehlt mir“

Jens Albrecht, Schauspieler im Radeberger Biertheater, hat sich einen neuen Job gesucht. Vorübergehend.

Schauspieler Jens Albrecht arbeitet jetzt als Tester in einem Corona-Schnelltestzentrum. Hier kann er „prima Rollenstudium“ betreiben, sagt er.
Schauspieler Jens Albrecht arbeitet jetzt als Tester in einem Corona-Schnelltestzentrum. Hier kann er „prima Rollenstudium“ betreiben, sagt er. © Sven Ellger

Dresden/Radeberg. Künstler wie Jens Albrecht wissen es genau: Der Applaus, zumal wenn er in tosender Form daherkommt, ist jene wahre Gefühlsantwort auf ihre Leistung, die sie so nötig brauchen, wie die Luft zum Atmen. Und am Ende ist der Beifall – neben der Gage – überhaupt der Lohn und der Beweis für die eigene Existenz. So vermisst der Dresdner Jens Albrecht den Beifall des Publikums in dieser Zeit sehr.

Der Schauspieler des Radeberger Biertheaters, der auch mit seinem Soloprogramm „Inge Borg“ den Freunden des Boulevardtheaters ein Begriff ist, ist wie so viele Künstler in dieser pandemischen Zeit zum Nichtstun verdammt. Alle kulturellen Stätten wie Theater, Kinos oder Konzertsäle sind seit Monaten dicht. Aber einfach daheim rumsitzen, dem Sohn beim Home-Schooling unter die Arme zu greifen, das reichte Albrecht zuletzt und suchte sich einen Job.

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Auch André Sarrasani wird im Testzentrum arbeiten

Seit Anfang April hat er eine neue Rolle, arbeitet als Tester in einem Corona-Schnelltestzentrum. Im Obergeschoss des Dresdner Elbeparks hantiert er mit Wattestäbchen, nimmt Abstriche vor, führt nun das Leben eines normalen Arbeitnehmers mit einer 40-Stunden-Woche. Erkennen kann man ihn nicht, so wie er daherkommt, mit Maske, Haube und Schutzanzug. Oder? „Einer hat mich tatsächlich an meiner Stimme erkannt“, erzählt Albrecht. Aber das sei ein Bekannter gewesen. Ein anderes Leben ist das für ihn. Statt abends auf der Bühne zu stehen, steht er jetzt von neun bis 17 Uhr in seiner Testkabine. Anstrengend? Er lacht. Alles Gewöhnungssache. Am Tag schiebt er im Schnitt rund 100 Menschen die Wattestäbchen in Mund und Nase. Seine Welt, seine Bühne, das ist nun eine winzige Testkabine.

In dieser Zeit gehen viele Künstler wie Albrecht ungewöhnliche Wege, um sich zu beschäftigen, um natürlich auch Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen. Da mittlerweile viele Impf- und Testzentren öffnen, wird dort auch Personal gesucht. Vor einigen Wochen bekam Jens Albrecht von seinem Bruder den Tipp, sich beim Chemnitzer Unternehmen BESAFE.DE zu bewerben. Nach einem Schnellkurs konnte er anfangen, im Testzentrum Elbepark. Er war froh, endlich wieder eine Beschäftigung zu haben.

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Das zurückliegende halbe Jahr, ohne Vorstellungen und Proben, sei keine angenehme Zeit gewesen, sagt der Dresdner, der seit 2007 beim Biertheater engagiert ist. In seinem neuen Job könne er „prima Rollenstudium“ betreiben. Denn: „Hier tauchen interessante Typen auf.“ Weil er jemand ist, der nicht nur bei seinen Auftritten volksnah daherkommt, sondern auch im Privatleben mit Menschen gut umgehen kann, kommt seine umgängliche Art im neuen Berufsalltag gut an. „Manchmal bleibt gar etwas Zeit für einen Plausch mit den Patienten...ähm, den Kunden“. Er lächelt. In seinem winzigen Arbeitsraum erfährt er, wie andere das Leben in dieser Corona-Krise betrachten. Aufschlussreiche Einblicke seien das mitunter, so Albrecht. Und überhaupt. Irgendwie empfindet er seinen Testerjob als Fundgrube: „Ich bekomme ´ne Menge Anregungen für meine Soloprogramme.“

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Auf die Idee, sich als Corona-Helfer nützlich zu machen, kamen neben Jens Albrecht auch andere Dresdner Künstler. Etwa Schauspieler Michael Kuhn vom Boulevardtheater. Der arbeitet beim Deutschen Roten Kreuz am Dresdner Messering. Oder Entertainer André Sarrasani. Auch er wird demnächst in einem Testzentrum arbeiten. Jens Albrecht, der in seinem früheren Leben als Sanitärinstallateur unterwegs war und zu Beginn der 90er Jahre eine Pantomimenausbildung absolvierte, wird noch eine Weile Abstriche vornehmen.

„Dass mit Corona und den Testungen, das wird noch andauern“, sagt er. Sollten im Sommer die ersten Proben für das neue Biertheater-Stück „Immer mit der Ruhe – wenn´s bei Neumann 2x klingelt“ angesetzt werden, hofft er auf ein zeitliches Entgegenkommen seines neuen Arbeitgebers. Aber erst mal heißt es für ihn und seine Kollegen im Elbepark: testen, testen, testen. Die Generalprobe des neuen Stücks ist übrigens für den 23. September 2021 geplant. Mit Jens Albrecht.

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