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Landkreis SOE: Der Impf-Frust hält an

Noch immer warten im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge über 80-Jährige auf einen Impftermin. Wie viele es sind, weiß niemand.

Im Medizinischen Versorgungszentrum in Freital wurden nur kurzzeitig Erstimpfungen angeboten.
Im Medizinischen Versorgungszentrum in Freital wurden nur kurzzeitig Erstimpfungen angeboten. © Karl-Ludwig Oberthuer

Das hatte sich Sandy Zschornack alles etwas einfacher vorgestellt. Seit Wochen versucht die Pirnaerin, für ihre Mutter einen Impftermin gegen das Corona-Virus zu bekommen. "Egal, wann ich es auf dem Impfportal im Internet versuche, ich bin einfach nicht erfolgreich", sagt sie. Dabei gehört ihre 81-jährige Mutter zu der Gruppe mit der höchsten Priorität, für die die Impfung besonders wichtig ist.

"Sie ist auch nicht die Einzige in dem Alter, die ich kenne, die noch keine Chance auf eine Impfung hatte", sagt Zschornack. Ihre Mutter ist auch bei ihrer Hausärztin auf der Warteliste. Dort scheint sie nicht die Einzige in dem Alter zu sein.

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Dass ihre Hausärztin impft, damit hat sie Glück. Denn nicht jede Hausarztpraxis macht bei der Impfkampagne mit. Wie viele Menschen mit der höchsten Impfpriorität noch auf einen Termin warten, ist völlig unklar.

Zwei Millionen Sachsen haben Priorität

Es wird nicht erfasst, wie viele aus den priorisierten Gruppen schon ein Impfangebot erhalten haben. Nur die Zahlen der durchgeführten Impfungen in den jeweiligen Impfzentren, plus dazugehörigen mobilen Teams, werden vom Sächsischen Sozialministerium erfasst.

In die Gruppe mit höchster Priorität fallen in Sachsen etwa 470.000 Personen. Der Großteil sind über 80-Jährige. Hinzu kommen Beschäftigte in ambulanten Pflegediensten, stationären Pflegeeinrichtungen sowie Personal in medizinischen Bereichen oder Impfzentren. In die zweithöchste Kategorie gehören Menschen im Alter von 70 bis 80.

Weiterhin wird in Impfzentren Personengruppen verschiedener Erkrankungen oder gesundheitlicher Beeinträchtigungen eine erhöhte Priorität zugebilligt sowie Kontaktpersonen Pflegebedürftiger oder einer Schwangeren sowie verschiedenen Berufsgruppen. Insgesamt müssten damit etwa zwei Millionen Menschen in Sachsen mit Priorität geimpft werden, schätzt das Sozialministerium.

Astrazeneca schon länger freigegeben

Umfragen zufolge würden sich etwa 70 Prozent der Menschen in Sachsen gegen den Corona-Virus impfen lassen. Rechnerisch wären das 1,4 Millionen Menschen der Personengruppen mit Priorität. Eine Erstimpfung haben in Sachsen mit Stand vom 25. Mai inzwischen 1,5 Millionen Menschen erhalten. Darin sind auch Personen ohne Priorisierung enthalten, die die Chance auf eine prioritätsfreie Impfung mit Astrazeneca bei Hausärzten genutzt haben.

Zudem kann davon ausgegangen werden, dass die Impfbereitschaft bei jungen und gesunden Menschen geringer ist, bei Risikogruppen höher. Bei dieser Annahme ist klar, dass noch viele Menschen über 80 oder mit sonstiger Priorität auf ein Impfangebot warten. Einige Kommunen im Landkreis können sogar einschätzen, wie viele es sind.

Impfbus-Gemeinden wissen mehr

Das sind Städte oder Gemeinden, in denen der Impfbus Station gemacht hat. In Bannewitz wurden alle über 80-Jährigen angeschrieben. Alle, die sich daraufhin gemeldet haben, erhielten auch ein Impfangebot, erklärt die Gemeinde. Das war etwa die Hälfte der Angeschriebenen. "Weiteren Bedarf, das Impfmobil noch einmal zu ordern, sehen wir deshalb nicht", erklärt Bürgermeister Christoph Fröse (Freie Wähler).

In Altenberg wurden für vier Impfbus-Tage rund 1.300 über 75-Jährige angeschrieben. Nur rund 300 davon hatten sich für eine Impfung angemeldet. Die relative Zurückhaltung könnte mit dem angebotenen Impfstoff von Astrazeneca zu tun haben, der in Verruf geraten ist. Als in Altenberg darüber informiert wurde, dass auch Impfstoff von Biontech zur Verfügung steht, waren in kurzer Zeit alle Termine ausgebucht.

Wie viele Menschen noch auf einen Biontech-Termin warten, ist demnach auch in den Impfbus-Kommunen unklar. Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) würde es deshalb begrüßen, den Bus für eine zweite Runde nach Altenberg holen zu können. Dann hätten auch diejenigen ein Angebot, deren Hausarzt nicht impft.

Auch wegen der verschiedenen Vorgehensweisen der Hausärzte sollten laut Kirsten die Impfzentren noch bestehen bleiben, jedenfalls, bis die Herdenimmunität erreicht ist. Ein Schließen wäre das falsche Zeichen. "Wenn die Politik einerseits viel dafür aufwendet, der Gastronomie ein Ersatzgeld zu zahlen, muss andererseits der Zugang zum Impfen so breit wie möglich sein", sagt Kirsten.

Weiter Ärger mit dem Impfportal

Auf dem Sächsischen Impfportal im Internet können sich weiter nur Menschen mit Priorität für eine Impfung mit Biontech anmelden und alle ab einem Alter von 40 für Astrazeneca. Für zusätzlichen Frust sorgt dort bei vielen, dass zwar zig freie Termine für Pirna angezeigt werden, viele trotzdem nicht über die Warteschleife hinaus kommen. "Egal, was man versucht, es ist keine Buchung möglich", schrieb etwa Katrin Heinze auf der Facebookseite von SZ Pirna. Ebenso erging es Ivonne Stelzer.

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Das kann daran liegen, dass es hauptsächlich Termine für Astrazeneca sind, die viele verschmähen. Der Run auf Biontech-Impfungen ist ungebrochen. In Hausarztpraxen ist die Priorisierung seit dieser Woche aufgehoben. Die Wartelisten sind entsprechend lang.

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