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Der letzte Klub im Landkreis SOE

Die Nachtapotheke in Reinholdshain ist für Feiernde der einzige Anlaufpunkt in der Region. Woran das liegt und warum Abwechslung so wichtig ist.

Von Lea Heilmann
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Nach nur zwei Veranstaltungen musste die Nachtapotheke nahe Dippoldiswalde aufgrund der Corona-Pandemie wieder schließen.
Nach nur zwei Veranstaltungen musste die Nachtapotheke nahe Dippoldiswalde aufgrund der Corona-Pandemie wieder schließen. © Karl-Ludwig Oberthür

Wo gehen Jugendliche hin, wenn sie feiern wollen? Während der momentanen Corona-Pandemie sind zwar sowieso alle Klubs und Diskotheken geschlossen. Aber auch davor gab es nicht viel Auswahl. Der wohl letzte Klub im Osterzgebirge ist die Nachtapotheke in Reinholdshain. Betrieben wird der Klub von Mirko Schilde, der hauptberuflich eine Baufirma leitet. Der 47-Jährige fuhr in der Vergangenheit einiges auf, um die Besucher der Nachtapotheke bei Laune zu halten: Konfetti, Pyroshow und Beer Pong Turniere. Zum bisher letzten Mal öffnete er am 13. November.

Zu wenig Leute für zu viele Klubs

Mit der Nachtapotheke verbindet Mirko Schilde viele Erinnerungen. Bereits als Jugendlicher war er dort feiern. Damals trug der Ort noch den Namen Bauernschänke. Vor zwölf Jahren ist dann daraus die Nachtapotheke geworden. Von Anfang an war Schilde Mitbetreiber, vor fünf Jahren hat er den Klub schließlich übernommen.

Von einer Klublandschaft im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge kann keine Rede mehr sein. Die Nachtapotheke ist momentan der einzige Ort, wo - außerhalb von Corona-Zeiten - regelmäßig Partys stattfinden. Vor ein paar Jahren sah das noch anders aus. Damals gab es Klubs in Malter, Paulsdorf und Glashütte. Nur die Parksäle in Dippoldiswalde veranstalten jetzt noch vereinzelt Partys.

Woran liegt es, dass es heute nur noch einen Klub gibt? „Es gab zwischendurch geburtenschwache Jahrgänge, wo kein Partyvolk mehr nachgewachsen ist“, sagt Mirko Schilde. Die 25- bis 35-Jährigen waren nicht mehr da, so Schilde weiter. Diese seien aber wichtig, da sie regelmäßig feiern gehen. Viele Klubs machten daraufhin zu.

Hohe Ausgaben für Miete, Technik und Personal

Zum Vergleich: Laut Statistischem Landesamt lebten 2020 genau 1.800 25-Jährige im Landkreis. 30 Jahre früher, 1990, waren es noch 3.900, mehr als doppelt so viele.

Die Ausgaben für einen Klub sind hoch: Miete, Technik, die ersetzt und gewartet werden muss, GEMA-Gebühren und Mitarbeiter. Die Liste ist lang. Damit es sich finanziell lohnt, müsste jedes Wochenende eine Veranstaltung stattfinden, sagt Schilde. Er veranstaltet einmal im Monat eine Party. Das kann sich Schilde nur leisten, weil er noch eine Baufirma betreibt.

Auch wenn sich durch fehlende Konkurrenz Vorteile ergeben, wünscht sich Schilde, dass sich die Klublandschaft wieder stärker entwickelt. Er glaubt allerdings nicht, dass sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren etwas ändert. Laut Schilde ist es bei den heutigen behördlichen Auflagen ein großer Aufwand, einen neuen Klub überhaupt betreiben zu können. Zu den Richtlinien gehört beispielsweise der Brandschutz inklusive Rauchmeldern und Rettungswegen. Kommt dann noch der Kauf von neuer Technik dazu, müsse man für den Klub schon eine halbe bis ganze Million Euro investieren.

Gäste wollen Abwechslung

Die Nachtapotheke ist sein „Herzstück“, sagt Mirko Schilde. Es hat jedoch mehrere Jahre gedauert, bis die Leute gekommen sind. Am Anfang musste er noch viel mit Flyern und Plakaten werben. Heute läuft die Werbung zum Großteil über Social Media. Dort hat sich Schilde mittlerweile eine große Community und Reichweite aufgebaut. Im Kerngebiet Freital, Dippoldiswalde und Bannewitz plakatiert die Nachtapotheke aber noch immer.

Die Besucher kommen aus dem gesamten Landkreis, aber auch darüber hinaus. Das Wichtigste, um die Gäste zu halten, sei Abwechslung. „Wenn man sieben Tage die Woche Eintopf essen würde, hat man irgendwann auch keine Lust mehr“, sagt Mirko Schilde. Darum lässt sich der 47-Jährige immer etwas einfallen. Er bemüht sich um eine Mischung aus Musik von früher und aktuell angesagten DJs. Schilde spricht sich auch immer mit jungen Menschen ab, was man als Nächstes veranstalten könnte.

Einige der Partygäste besuchten früher schon die Bauernschänke. Teilweise sind heute auch deren Kinder in der Nachtapotheke feiern. Den Großteil der Gäste kennt Mirko Schilde inzwischen persönlich „Ich kann durch den Klub gehen und fast jeder gibt mir die Hand und findet es gut, was ich hier mache“, meint er. In diesen Momenten wisse Schilde, warum er den Klub weiter betreibt.

Zu den besten 90er-Partyhits hat die Nachtapotheke Mitte November noch einmal ordentlich aufgefahren. Es war erst die zweite Veranstaltung in diesem Jahr und aufgrund der aktuellen Corona-Lage gleichzeitig die letzte. Auch wenn es schwerfällt, den Klub wieder schließen zu müssen, ist Schilde optimistisch. Er freut sich, wenn alle wieder zusammen feiern können und verspricht, weiter alles dafür zu tun.