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Corona: Wochenmärkte sind die neuen Weihnachtsmärkte

Wochenmärkte erlangen derzeit eine ganz neue Funktion. Zum Beispiel in Sebnitz. So manche sehen das mit gemischten Gefühlen.

Auf den Wochenmärkten, wie hier in Sebnitz, kommt jetzt weihnachtliche Stimmung auf.
Auf den Wochenmärkten, wie hier in Sebnitz, kommt jetzt weihnachtliche Stimmung auf. © Steffen Unger

Der Weihnachtsbaum steht, das Tannertsche Schattenspiel auch. Über den Sebnitzer Marktplatz zieht der Duft von Bratwurst und frisch gegrillten Hähnchen. Fischbrötchen, Kuchen und Brot aus dem Holzbackofen, Lebkuchen, Honig sind im Angebot und vieles mehr. Und es hat den Anschein, dass mehr Händler als sonst vor Ort sind. Zwischen den Ständen schaffen nur die Auslagen etwas Platz. Die Händlerautos stehen Stoßstange an Stoßstange. Und das ganze von außen betrachtet, sieht dann auch etwas wie ein Weihnachtsmarkt aus, auch wenn es nicht so heißt.

Fehlt nur noch die Weihnachtsmusik und der Glühwein. Einige Männer behelfen sich mit einer Flasche Bier, die sie auf einer der Bänke trinken und dem Treiben zuschauen. Gegenüber gibt es Pullover, Unterwäsche, Mützen, Schals, Nachthemden. Kundin Annelis Gregor schaut sich das Sortiment an. Ihr Mundschutz bedeckt fast das ganze Gesicht. "Etwas lästig ist das. Aber es ist nun mal so und gerade wenn hier mehrere Leute zusammenkommen, ist es wohl besser", sagt sie. Andere sehen das nicht so. Auch ohne Mund- und Nasen-Schutz werden sie bedient.

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Überhaupt so vermutet auch die Kundin, kämen im Dezember mehr Händler auf den Sebnitzer Wochenmarkt, zumindest mittwochs. Das Angebot sei viel größer. Dennoch: Auch die Pullover-, Schürzen- und Mützenhändler bestätigen, dass sie wegen ausgefallener Weihnachtsmärkte freie Kapazitäten haben und deshalb auf Wochenmärkte ausweichen. Dass die Mundschutzpflicht auch für sie als Verkäufer gilt, wissen sie offenbar genauso wenig wie die Männer auf der Bank. Die haben möglicherweise auch noch nichts vom Alkoholverbot seit dem 1. Dezember auf öffentlichen Plätzen gehört. Kontrollen gibt es zwar durch das Ordnungsamt. Doch das kann auch nicht gleichzeitig überall sein.

Handelsverband rät zu mehr Abstand

So wie in Sebnitz werden derzeit wohl im gesamten Landkreis Wochenmärkte zu neuen Weihnachtsmärkten. Und nicht nur hier werden angesichts der gemütlichen Stimmung dann auch ganz schnell die Abstandsregeln vergessen, die Mund- und Nasen-Bedeckung, weil man sich ja "im Freien" aufhält und einiges mehr. "Das kann doch sowieso keiner kontrollieren. Die sollen mal lieber dafür sorgen, dass die Tschechen nicht mehr hierher zum Einkaufen kommen. Wir dürfen es auch nicht", sagt ein Mann am Bratwurststand. Denn auch der Frust unter den Leuten wächst wegen der inzwischen nur schwer durchschaubaren Regelungen.

Wochenmärkte dürfen derzeit auch weiter hin stattfinden, unter anderem auch, weil man davon ausgeht, dass die Kunden dort nicht Stunden verbringen. Und das Wochenmärkte auch beliebte Treffpunkte für einen Schwatz sind, war auch vor Corona schon so. Dazu kommt, dass ab Montag die meisten Geschäfte schließen müssen und auf Wochenmärkten noch mehr los sein wird. Auch der Handelsverband sieht das auf manchen Wochenmärkten kritisch und empfiehlt deshalb dringend, die Verkaufsstände zu entzerren und sowohl Händlern als auch Kunden mehr Platz einzuräumen. Von zwei Metern Abstand zwischen den einzelnen Verkaufsständen ist die Rede. Auch wird ein Einbahnstraßensystem empfohlen. Beobachtet wurde vom Verband zudem, dass tatsächlich generell mehr Händler die örtlichen Wochenmärkte bevölkern.

Darüber hinaus verweist der Verband auch darauf, dass die zuständigen Behörden mehr Kontrollen auf Wochenmärkten vornehmen sollten. Und was gilt sonst noch? Auf Parkplätzen vor Einkaufszentren, Geschäften und Läden sowie auf Wochenmärten und auch an Haltestellen gilt Maskenpflicht. Darüber hinaus gilt täglich von 0 bis 24 Uhr kein Konsum von Alkohol in Fußgängerzonen, auf Parkplätzen, Spiel- und Sportplätzen, in Parkanlagen, an Bahnhöfen und Haltestellen sowie Tankstellen. Ab Montag gibt es dann weitere Einschränkungen.

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