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Deutschland & Welt

Deutlich weniger Unfälle in der Pandemie

Die Annahme, dass weniger Verkehr weniger Unfälle bedeutet, hat sich im Corona-Jahr 2020 bestätigt. Doch für Radfahrer gilt der positive Trend nicht.

Von Januar bis November erfasste die Polizei in Deutschland 2,1 Millionen Straßenverkehrsunfälle, 15,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Von Januar bis November erfasste die Polizei in Deutschland 2,1 Millionen Straßenverkehrsunfälle, 15,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. © Patrick Seeger/dpa

Von Isabell Scheuplein

Wiesbaden. Die Corona-Pandemie hat die Zahl der Verkehrsunfälle im vergangenen Jahr deutlich sinken lassen. Von Januar bis November erfasste die Polizei 2,1 Millionen Straßenverkehrsunfälle, 15,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden unter Berufung auf vorläufige Ergebnisse mitteilte. Die Entwicklung sei auf das geringere Verkehrsaufkommen infolge der Corona-Einschränkungen zurückzuführen, erklärten die Statistiker.

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Auch für das Gesamtjahr sei von niedrigeren Zahlen auszugehen. Bis einschließlich November seien 2.523 Verkehrstote gezählt worden, 10,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Im gesamten Jahr 2019 waren es 3.046. Die Dezember-Zahlen liegen dem Statistischen Bundesamt noch nicht vor, es sei aber nicht davon auszugehen, dass die Vorjahreszahl binnen eines Monats noch übertroffen werde, hieß es.

Verletzt wurden zwischen Januar und November 14 Prozent weniger Menschen als im Vorjahreszeitraum, insgesamt 305.900. Im November wurden mit 190 fünf Prozent weniger Verkehrstote gezählt als im Vorjahresmonat, die Zahl der Verletzten sank um knapp 22 Prozent auf rund 23.900.

Mehr Radfahrer - und zu wenig Radwege

Die Corona-Einschränkungen haben den Verkehr auf den Straßen deutlich zurückgehen lassen - und damit auch die Unfallzahlen. Allerdings nicht bei den Fahrradfahrern, wie aus einer Auswertung der Unfallforschung der Versicherer hervorgeht, die Zahlen bis einschließlich September umfasst. Die Zahl verunglückter Radfahrer lag im September mit 11.228 sogar deutlich über dem Wert des Vorjahres mit 9.102.

Einerseits seien mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, vor allem Umsteiger aus dem öffentlichen Nahverkehr. Andererseits zeigten die Zahlen, dass die Straßen weiter nicht ausreichend für Radfahrer aus- und umgebaut seien, sagt der Unfallforscher Siegfried Brockmann. "Der Wille in den Kommunen ist zwar inzwischen da, doch mit der Tat hinken sie hinterher." Insbesondere Kreuzungen müssten sicherer werden, etwa durch eigene Grünphasen für Radfahrer.

Insgesamt liegen die Zahlen der Verunglückten bei Verkehrsunfällen in allen Monaten bis einschließlich September unter den Vorjahreswerten, vor allem nach Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr mit Home-Office und Fernunterricht.

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Angesichts der Forderung nach mehr Home-Office könne sich eine solche Entwicklung 2021 wiederholen, sagt Unfallforscher Brockmann. Doch da der Verlauf der Pandemie unklar sei, sei dies schwierig vorherzusagen. "Es könnte auch das Gegenteil eintreten, wenn die Menschen am Ende ihre neu gewonnene Freiheit nutzen und verstärkt draußen unterwegs sind." (dpa)

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