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Stau in den Krankenhäusern wird noch Jahre andauern

Die Zahl der Covid-Patienten sinkt, von der Normalität sind die Kliniken aber noch weit entfernt. Seit November warten sie auf Hilfen vom Staat.

Intensivpflegerinnen sind auf der Covid-19 Intensivstation in der VAMED Klinik Schloss Pulsnitz mit der Versorgung von Corona-Patienten beschäftigt.
Intensivpflegerinnen sind auf der Covid-19 Intensivstation in der VAMED Klinik Schloss Pulsnitz mit der Versorgung von Corona-Patienten beschäftigt. © dpa/Robert Michael

Der bundesweite Lockdown wirkt sich auch auf die Situation in den Krankenhäusern aus. Zurzeit werden rund 4.600 Patienten auf den Intensivstationen behandelt – 20 Prozent weniger als noch im Dezember. Diese Zahlen nannte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, am Dienstag vor Journalisten. Gleichwohl ständen die Kliniken nach wie vor unter einer Dauerbelastung.

Etwa sieben Prozent aller Menschen, die sich vergangenes Jahr mit dem Coronavirus infiziert hatten, mussten im Krankenhaus behandelt werden. Von diesen rund 150.000 Patienten war etwa jeder Fünfte so schwer erkrankt, dass er die Hilfe einer Intensivstation benötigte. „Es gab zu jeder Zeit freie Intensivkapazitäten“, sagte Baum. Mitunter sei das Problem durch Kooperationen und Verlegungen gelöst worden. Die SZ hatte über einzelne solche Fälle berichtet.

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Weil Kliniken Betten frei halten mussten und Patienten geplante Eingriffe absagten, sank die Zahl der Krankenhausbehandlungen gegenüber dem Jahr zuvor um zehn Prozent. Ein Teil dieser Leistungen werde „aus verschiedenen Gründen“ nicht mehr erbracht werden, andere könne man nur über mehrere Jahre nachholen, sagte Baums designierter Nachfolger, Gerald Gaß.

Krankenhäuser in Sachsen warten auf Zahlungen

Die Corona-Pandemie hat laut Verband zu „massiven Erlösausfällen“ geführt, und zwar mehr oder weniger bei allen Krankenhäusern. Zwar seien die Ausfälle durch sogenannte Freihaltepauschalen in Höhe von rund 9,5 Milliarden Euro aus Steuergeldern ausgeglichen worden. Für die Mehrkosten des Infektionsschutzes habe es aber keinen vollständigen Ausgleich gegeben. Etwa jedes zweite Krankenhaus rechne trotz des Rettungsschirms mit einem Defizit.

Gaß kritisierte die bisherigen Hilfen in der zweiten Corona-Welle als „unsicher und unzureichend“. Er verteidigte seine kurz vor Jahresende geäußerte Befürchtung, dass manche Krankenhäuser im ersten Quartal 2021 keine Gehälter mehr zahlen könnten und forderte von der Politik kurzfristige Liquiditätshilfen. Der Verband schlägt einen Ganzjahresausgleich vor, bei dem Ende Dezember abgerechnet und gegebenenfalls Geld auch zurückgezahlt werden soll.

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In Sachsen hat noch kein einziges Krankenhaus Ausgleichszahlungen im Rahmen der zweiten Welle erhalten, teilte die Sächsische Krankenhausgesellschaft auf Anfrage von Sächsische.de mit. Zurzeit werde vom Sozialministerium geprüft, welche Einrichtungen einen entsprechenden Anspruch haben. „In diese Prüfung sind jedoch nur 72 von 93 Standorten einbezogen, die die formalen Voraussetzungen erfüllen“, betonte Geschäftsführer Stephan Helm. Damit sei der große Bereich der psychiatrischen Versorgung bisher ausgeschlossen. „Wir erwarten, dass die ersten Zahlungen frühestens Ende Januar 2021 fließen werden.“

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