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Warum zwei Pfleger nur Corona-Patienten betreuen

Philipp Exner und Anton Röthig sind das Corona-Team der Diakonie Sozialstation Niesky. Sie haben sich freiwillig dazu bereit erklärt.

Philipp Exner und Anton Röthig haben freiwillig die Corona-Tour bei der Diakonie Sozialstation Niesky übernommen. Dabei besuchen nur diese beiden Pfleger die Corona positiven Patienten des ambulanten Pflegedienstes.
Philipp Exner und Anton Röthig haben freiwillig die Corona-Tour bei der Diakonie Sozialstation Niesky übernommen. Dabei besuchen nur diese beiden Pfleger die Corona positiven Patienten des ambulanten Pflegedienstes. © André Schulze

Die Diakonie Sozialstation Niesky bietet seit Jahren neben 16 Kurzzeitpflegeplätzen einen ambulanten Pflegedienst an. Dieser macht seit zwei Monaten mit einer besonderen Corona-Tour auf sich aufmerksam. Die Idee dazu hat Pfleger Anton Röthig zur Diskussion gestellt: Warum reduzieren wir das gesundheitliche Risiko, mit Corona infiziert zu werden, nicht auf wenige Mitarbeiter?, fragte sich der 42-Jährige schon im November. Die Antwort hatte er selbst schon parat und machte einen Vorschlag.

Wenn zwei Pfleger im Wechsel nur die Corona-Patienten betreuen, bleiben die anderen Pflegekräfte außen vor und können sich den Virus freien Patienten widmen. Das bringt Erleichterung für sie und die aufwendige Schutzausrüstung bleibt ihnen erspart. Maria Rackel als Geschäftsführerin der Diakonie Sozialstation fand die Idee sofort super und begann mit der Umsetzung. Anton Röthig sollte diese Tour nicht alleine fahren, sondern einen Wechsel bekommen. Zwei weitere Pfleger erklärten sich bereit, auf Corona-Tour zu gehen. Philipp Exner ist nun der zweite Mann, der sich mit Anton Röthig in die Tour teilt.

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Selbstschutz steht an erster Stelle

Beide Männer sind ausgebildete Gesundheits- und Krankenpfleger und seit dem 5. Dezember mit einem nur dafür vorgesehenen Dienstfahrzeug auf Corona-Tour. Mit Covid-19-Infizierten hatten es die beiden Pfleger schon vorher zu tun. "Dabei waren wir immer dem Risiko ausgesetzt, das Virus auch in Haushalte zu schleppen, die davon nicht betroffen sind", berichtet Anton Röthig. Doch er klopft dreimal auf den Holztisch, denn bis heute sind er und Philipp Exner von einer Infektion verschont geblieben. "Wer sich gut schützt, minimiert das Risiko enorm", ist Philipp Exners Erfahrung.

Bevor an der Haustür geklingelt wird, zieht man sich einen blauen Schutzkittel über, legt FFP2-Maske und einen Gesichtsschutz an und streift sich Gummihandschuhe und Füßlinge über. Mit jedem neuen infizierten Patienten werden ein neuer Kittel und Handschuhe fällig. Manchmal kommen sich die beiden Herren wie auf einer Modenschau vor: Durchschnittlich vier Corona-Patienten suchen sie am Tag auf, das heißt, auch viermal die Schutzkleidung wechseln. "Das nimmt jeder von uns gern in Kauf, schon zum eigenen Schutz", sagt Philipp Exner. Dazu kommt der tägliche Corona-Test.

Überforderter Rettungsdienst

Philipp wohnt in Uhsmannsdorf und ist als Pfleger seit zwei Jahren in der Diakonie Sozialstation beschäftigt. Anton ist in Weißwasser zu Hause und kann schon auf zwanzig Berufsjahre als Pfleger zurückblicken. Was für beide gleichermaßen neu ist, das ist die Corona-Pandemie. Sie stellt das Pflegepersonal vor besondere Herausforderungen. "Wir haben auch schwere Fälle dabei, wo wir den Rettungsdienst hinzurufen müssen, weil das außerhalb unserer Kompetenz liegt", berichtet Anton Röthig. Dabei ist es ihm auch schon passiert, dass er auf die Rettungssanitäter warten muss, weil sie zu anderen Einsätzen unterwegs sind. Das war vor Weihnachten der Fall.

In der Betreuung von Anton und Philipp sind die Patienten nur solange, wie sie mit Corona infiziert sind. Haben sie den Virus überstanden, dann kommen die "normalen" Pflegekräfte wieder zu ihnen nach Hause. Natürlich haben sich die beiden jungen Männer darüber Gedanken gemacht, bevor sie freiwillig diesen Job übernommen haben. Der 42-jährige Anton sieht das eher pragmatisch: Auch Corona-Patienten haben das Recht auf eine häusliche Pflege - und einer muss es ja machen. "Natürlich ist das Risiko immer mit dabei, sich selbst zu infizieren", ist Anton überzeugt. Aber je besser man sich vorbereitet, um so weniger setzt man sich der Gefahr aus. Philipp sagt von sich, dass er den Beruf in einem Krankenhaus gelernt hat mit dem Ziel, kranken Menschen zu helfen. Dabei macht es für ihn keinen Unterschied, ob es sich um einen Beinbruch oder eine Virusinfektion handelt. Zudem arbeitet die Mutter des 21-Jährigen ebenfalls in der Diakonie Sozialstation. Daher ist der Pflegeberuf für ihn etwas Altbekanntes - mit seinen guten und schlechten Seiten.

Maria Rackel sagt, dass dieser besondere Dienst nicht nur bei den Patienten hoch geschätzt wird, sondern auch seine materielle Anerkennung findet. Hilft er doch allen Mitarbeitern durch die Corona-Zeit. Knapp 90 Angestellte zählt die Nieskyer Sozialstation. Neben Fachkräften sind auch Hilfskräfte im Einsatz. Sie betreuen derzeit rund 450 Patienten. Was Corona betrifft, sind es inzwischen nicht nur die eigenen Leute. Andere Pflegedienste und Krankenhäuser lassen inzwischen den einen oder anderen Corona-Patienten gleichfalls vom "Corona-Team" der Diakonie Sozialstation betreuen beziehungsweise pflegen.

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