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Alte leiden besonders unter der Einsamkeit

Für ältere Menschen ist das Leben im Lockdown schwer. Über mögliche Hilfen spricht Martina Dittrich von der Seniorenbegleitung Pirna.

Martina Dittrich ist die Koordinatorin für Seniorenbegleiter im Zentrum für Begegnung, Beratung und Bildung Pirna.
Martina Dittrich ist die Koordinatorin für Seniorenbegleiter im Zentrum für Begegnung, Beratung und Bildung Pirna. © Daniel Schäfer

Frau Dittrich, die sozialen Kontakte wurden eingeschränkt, die Menschen sollen sich in Corona-Zeiten seltener treffen. Das trifft ältere Menschen besonders hart. Wie funktioniert die Seniorenbegleitung in diesen Zeiten? Funktioniert sie überhaupt?

Ja, aber ich muss differenzieren. Nach wie vor besuchen und unterstützen die Seniorenbegleiter ältere Menschen zu Hause. Sie erledigen Einkäufe und machen unter anderem die Hauswirtschaft, was ja in diesen Zeiten wegen der Hygiene besonders wichtig ist. Aber sie nehmen sich auch Zeit, setzen sich zu einer gemeinsamen Tasse Kaffee hin und hören zu. Diese Art von Betreuung erfolgt natürlich unter strengen Regeln mit Abstand und Maske. Es hilft aber dennoch. Zusätzlich läuft derzeit bei uns auch vieles über das Telefon. Die Senioren rufen bei uns an und umgekehrt wir sie, um nachzufragen, wie es ihnen geht und ob sie Hilfe brauchen.

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Wie wichtig ist dieser Kontakt für die Senioren?

Sehr wichtig. Die Alten leiden unter der Einsamkeit. Wir bemerken einen erhöhten Redebedarf. Die Menschen wollen sprechen, wo sie sich schon nicht mehr begegnen dürfen. In den Gesprächen, die wir entweder am Telefon oder auch direkt führen, geht es darum, genau zuzuhören. Wir versuchen, gegen Panik durch Informationen Sicherheit zu vermitteln. Auch wer Angst hat, wird ernst genommen und kann darauf vertrauen, dass jemand bei ihm ist. Das ist unser Auftrag. Die Seniorenbegleiter versuchen, in den Gesprächen und bei den Begegnungen mit den Älteren ein Gefühl der Geborgenheit zu schaffen. Niemand ist alleine. Diese Botschaft soll Mut machen.

Sie haben das Ohr an den älteren Menschen. Was sind deren Ängste?

Besonders, da jetzt Weihnachten kommt, ist es für manche schwer. Im Zeitraum vom 23. Dezember bis zum 1. Januar können Treffen eines Haushaltes mit haushaltsfremden Familienmitgliedern oder haushaltsfremden Menschen bis maximal zehn Personen ermöglicht werden. Auch wenn Kinder bis zu 14 Jahren davon ausgenommen sind, wird in einigen größeren Familien das Fest folglich diesmal anders gefeiert werden müssen. Obwohl es ein Fest der Gemeinsamkeit der Generationen ist. Da verspüren die Menschen die Einsamkeit einmal mehr. Erinnerungen können nicht ausgesprochen, vielmehr nicht ausgetauscht werden. Wir haben auch schon Verzweiflung bei den Senioren darüber bemerkt.

Wie kann man helfen? Und wer?

Unsere Seniorenbegleiter sind vor Ort. Gegebenenfalls versuchen wir, an andere Beratungsdienste zu vermitteln. Aber auch die Mitmenschen können etwas tun. Mein Appell: Bitte nicht wegschauen, sondern hinschauen! Wer merkt, dass es dem Nachbarn nicht gut geht, sollte klingeln und nachfragen. Vielleicht kann er ganz praktische Dinge für den Betroffenen übernehmen, zum Beispiel, die Post aus dem Briefkasten holen oder etwas vom Bäcker mitbringen.

Aber er kann auch mit dem Nachbarn sprechen, ihm zeigen, dass dessen Schicksal ihm nicht gleichgültig ist, sondern dass er teilnimmt. Das schafft ein gutes Gefühl.

Noch mal zurück zu Weihnachten. Wenn der Nachbar bemerkt, dass die Verwandtschaft nicht zur Großmutter und zum Großvater kommt, dann ist es beispielsweise eine schöne Geste, eine Portion Kartoffelsalat mehr zu machen und damit beim Nachbarn zu klingeln. Ich persönlich finde auch die Idee gut, wenn die Familien untereinander wieder zu Stift und Zettel greifen und sich zu Weihnachten schreiben. Eine Karte, ein Brief ist für ältere Menschen ein Medium, das sie kennen. Das haben sie in der Hand und können es immer wieder hervorholen.

Wie viele Seniorenbegleiter engagieren sich derzeit im Zentrum für Begegnung, Beratung und Bildung in Pirna? Brauchen Sie Unterstützung?

Aktuell haben wir 24 Seniorenbegleiter, die sich um etwa 120 Menschen im gesamten Landkreis kümmern. Der Bedarf ist wesentlich höher, wir suchen dringend weitere Interessenten. Deshalb läuft auch aktuell eine Ausbildung in Pirna.

Welche Eigenschaften sollte man als Seniorenbegleiter mitbringen?

Die Interessenten sollten ein möglichst hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Empathie besitzen. Man muss sich ebenso zurücknehmen können. Sich durchzusetzen ist genauso entscheidend für dieses Amt. Aber auch die Bereitschaft, dazuzulernen, ist wichtig.

Es gibt übrigens laufend Fortbildungen für die Seniorenbegleiter.

Das Gespräch führte Mareike Huisinga.

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