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Die halbe Schule in Quarantäne

Zwei Horterzieher und eine Lehrerin in der 1. Grundschule wurden positiv auf Corona getestet. Seitdem sind 84 Schüler in Quarantäne. Eltern wissen nicht, wie sie ihre Kinder betreuen sollen.

Sindy Sieder mit Tochter Ariane (3. Klasse) und Sohn Norwin (1. Klasse) vor der 1. Grundschule Schubertallee.
Sindy Sieder mit Tochter Ariane (3. Klasse) und Sohn Norwin (1. Klasse) vor der 1. Grundschule Schubertallee. © Norbert Millauer

Großenhain. Der Hort an der 1. Grundschule ist schon eine Woche geschlossen. Zwei positiv getestete Erzieherinnen führten dazu, dass alle Hortkinder und die, die mit diesen Erzieherinnen Kontakt hatten, in häusliche Quarantäne mussten. "Betroffen ist die Hälfte unserer 168 Schüler", sagt Schulleiterin Sylvia Ufert. Nur die Hauskinder, die nicht in den Hort gehen, haben Unterricht.

Als wäre das noch nicht schlimm genug, hat das Gesundheitsamt des Landkreises die Quarantäne am Freitag nun bis einschließlich 12. Dezember verlängert. Auch ein Hortkind sei positiv getestet worden. "Die Hortkinder und Erzieher befinden sich in Quarantäne. Kinder, die keine Hortkinder sind, besuchen regulär die Schule", bestätigt die Stadtverwaltung. Dort könne man nachvollziehen, dass die Situation für die Eltern äußerst schwierig ist. "Aufgrund der Quarantäne-Anordnung können die Hortkinder aber auch in keiner anderen Einrichtung eine Ersatzbetreuung erhalten", so Stadtsprecherin Diana Schulze.

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Sindy Sieder ist eine der betroffenen Mütter. "Meine zwei Kinder sind in Quarantäne. Wir Eltern wurden am vorigen Freitag eine Stunde vorher informiert und mussten unsere Kinder abholen", beklagt die Großenhainerin.

"Können Sie sich die Traurigkeit vorstellen?"

Die Mutter ist verbittert. Ihr Problem sei die Beschulung ihrer Kinder. "Meine Tochter ist nicht gerade gut in Mathematik, sie verfügt nicht über technische Geräte, um über Lernsax ihre Aufgaben daheim zu erledigen." Dabei hätte das Dresdener Schulamt beschlossen, dass Kinder, die aus finanziellen Gründen zu Hause kein internetfähiges Gerät haben, eins zur Verfügung gestellt bekommen müssen.

Sindy Sieder wurde von der Stadtverwaltung dazu an die Schule verwiesen. Doch dort wurde ihr gesagt, dass die Grundschule das nicht ermöglichen kann. Noch habe die Einrichtung keine Mittel zur Anschaffung erhalten. "Meinen Kindern wird somit das Recht auf Lernen genommen", beklagt die Großenhainerin. Sie hat von den jeweiligen Klassenlehrern erfahren, dass es für ihre Kinder schlecht aussieht, das Schuljahr zu schaffen. Und nun müssen ihre Beiden zu Hause sitzen, und andere dürfen in der Schule lernen. "Können Sie sich vorstellen, wie traurig meine Kinder jetzt sind?"

Sabrina Geprägs-Kurth hat als Mutter eines betroffenen Jungen das Problem, dass sie ihn nicht betreuen kann. Sie arbeitet als Verkäuferin, ihr Mann ist bei der Bundeswehr. "Man kann doch ein Kind, das noch keine zehn Jahre alt ist, nicht so lange allein zu Hause lassen", beklagt sie. Doch die Kosten einer privaten Kinderbetreuung müsste sie selbst tragen. Schulleiterin Sylvia Ufert verweist darauf, dass das Gesundheitsamt am Freitag Bescheide verschickt habe, mit denen der Verdienstausfall bei Kinderbetreuung in Quarantäne bei der Landesdirektion Sachsen geltend gemacht werden kann. Das Antragsformular sei dazu auf der Internetseite herunterzuladen.

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Auch Schulleiterin Ufert ist mit der neuerlichen Quarantäne ganz und gar nicht glücklich. "Wir hatten schon einen neuen Stundenplan", so Ufert. Doch die Stadt habe den eingeschränkten Regelbetrieb anordnen müssen. Lediglich die beiden ersten Klassen, die ihren Hort separat im Erdgeschoss haben, wurden in der offenen Hortarbeit nicht "angesteckt" und können weiter im Unterricht bleiben. Schüler ohne Tablet oder Computer erhalten allerdings ihre Hausarbeiten trotzdem schriftlich. "Wir behandeln derzeit keinen neuen Stoff, sondern haben Aufgaben zur Wiederholung", unterstreicht Schulleiterin Ufert.

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