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Ferienhaus kämpft ums Überleben

Ein Vermieter in Schöna hat noch keine Corona-Hilfen erhalten. Er plädiert dafür, dass die kleinen Häuser noch vor Hotels wieder öffnen dürfen.

Jörg Sukowski vor seinem Ferienhauses Elisabeth in Schöna am Tag vor dem Wintereinbruch. Die Rücklagen gehen zur Neige.
Jörg Sukowski vor seinem Ferienhauses Elisabeth in Schöna am Tag vor dem Wintereinbruch. Die Rücklagen gehen zur Neige. © Steffen Unger

Das Ferienhaus Elisabeth liegt im äußersten Zipfel der Sächsischen Schweiz, noch außerhalb von Reinhardtsdorf-Schöna, etwas versteckt am Hang über der Elbe, dort wo der Fluss entlang der deutsch-tschechischen Grenze zwischen Schmilka und Hřensko einen Bogen beschreibt. Wer hier aus dem Fenster schaut, blickt schon auf den böhmischen Teil der Elbsandsteingebirges.

Eigentümer Jörg Sukowski, der in Bannewitz lebt, vermietet hier an Urlauber: vier Zimmer mit acht Betten, außerdem zwei separate Bungalows für je zwei Personen. Die Gäste sind hauptsächlich Familien und Rentner, die einen Wanderurlaub in der Sächsischen Schweiz genießen wollen. In den vergangenen 25 Jahren hat er das abgeschiedene Feriendomizil Stück für Stück ausgebaut und renoviert.

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Jahr um Jahr wuchs auch die Resonanz der Gäste. 2019 war der Umsatz dann endlich richtig gut, das Haus war durchgehend gebucht. Nach jahrlangem Investieren war er endlich in der Gewinnzone angekommen, sagt Jörg Sukowski. Nun könnte bald Schicht im Schacht sein.

Seit dem Lockdown-Beginn im November kommt kein Geld mehr herein, die Kosten laufen aber weiter. Der restliche Kredit für die Sanierung der vergangenen Jahre muss getilgt werden, dazu die monatlichen Betriebskosten. "Das ist dramatisch", sagt Sukowski. Die Vermietung war seine Haupteinnahmequelle.

Noch keine Corona-Hilfen erhalten

Die Rücklagen reichten vielleicht noch bis Mai, erklärt der Ferienhauseigentümer. Wenn er nicht bald wieder öffnen könne, drohe ihm die Insolvenz. Momentan hält er sich mit einem geringfügigen Nebenverdienst und dem Einkommen seiner Frau über Wasser.

Von den versprochenen Corona-Hilfen sei bei ihm bisher nichts angekommen, erklärt Jörg Sukowski. Sein Steuerberater, über den die Beantragung laufen muss, habe die Anträge für die November- und Dezemberhilfen längst gestellt, bisher habe es aber nicht einmal eine Rückmeldung gegeben.

Fallen die kleineren Vermieter generell durchs Raster? "Die Eigentümer von Fewos und Ferienhäusern sind die einzigen Tourismusanbieter in Deutschland, die für ihre angeordneten Schließungen nicht entschädigt werden", behauptet ein neuer Verband der Eigentümer von Ferienwohnungen und Ferienhäusern, der sich erst am 28. Dezember 2020 in Berlin gegründete hat.

Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebengewerbe

So pauschal stimmt das nicht. Man muss klar unterscheiden, ob das Gewerbe als Haupterwerb oder als Nebenerwerb angemeldet ist, erklärt Thomas Pfenniger vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga in der Sächsischen Schweiz. Wer sein Ferienhaus als Haupterwerb betreibt, der habe auch einen Anspruch auf die Hilfen. Wer jedoch nur nebenbei vermietet und sein Haupteinkommen aus einem anderen Job erzielt, ist nicht berechtigt. "Wenn ich keine Steuern bezahle, kann ich keine Forderungen geltend machen, die aus Steuergeldern finanziert werden", sagt Dehoga-Regionalchef Pfenniger.

Das Gros der Dehoga-Mitglieder in der Sächsischen Schweiz habe mittlerweile Zahlungen erhalten, schätzt der Verbandschef ein. Dort, wo das nicht so ist, könnten sich die Mitglieder zur Klärung an den Verband wenden. Es komme auch immer darauf an, wann der Antrag gestellt wurde.

Für Jörg Sukowski vom Ferienhaus Elisabeth ist die Vermietung sein Haupterwerb, erklärt er. Mitglied bei der Dehoga ist er jedoch nicht. Seiner Aussage nach ist er nicht der einzige Vermieter, der noch auf die Hilfszahlungen wartet.

Spendenkampagne gestartet

Sukowskis Ehefrau Julia Wengerek hat inzwischen eine Spendenkampagne für das Ferienhaus Elisabeth auf dem Portal GoFundMe gestartet. Sie möchte damit ihrem Mann helfen, damit dieser das seit 25 Jahren bestehende Familienunternehmen nicht verliert. Jörg Sukowski hat das Ferienhaus zusammen mit seinem Bruder aufgebaut, der 2020 verstorben ist. "Bitte helft dieser Unterkunft, auch die nächsten Jahre ein schönes Urlaubsdomizil sein zu können, damit es ein Happy End nach dem Lockdown gibt", heißt es in dem Text.

Der Ferienhausbetreiber plädiert zudem für eine Differenzierung beim Neustart im Tourismus. Anders als Hotels und Pensionen, wo sich die Gäste beispielsweise in Speisesälen begegnen, bleiben sie in einem Ferienhaus oder einer Ferienwohnung unter sich. Die Urlauber sind autark und können sich selbst verpflegen, ohne zwangsläufig anderen Menschen zu begegnen.

Frühere Öffnung für Ferienhäuser?

Dementsprechend sollten die Ferienwohnungen und -häuser noch vor Hotels ab einem bestimmten Inzidenzwert wieder öffnen dürfen. Eine Forderung, für die sich auch der bereits erwähnte Fewo-Verband ausspricht.

Wie viele Ferienwohnungen und Ferienhäuser es in der Sächsischen Schweiz gibt, ist nicht genau bekannt. Statistisch erfasst werden nur die gewerblichen Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Betten. Der Tourismusverband Sächsischen Schweiz weiß durch seine Arbeit von mehr als 400 Privatvermietern in der Region.

Auf die Frage nach womöglich frühzeitigeren Öffnungen von Ferienhäusern, wie sie der neu gegründete Fewo-Verband fordert, antwortet der Tourismusverband Sächsische Schweiz diplomatisch: "Wir arbeiten gemeinsam mit dem Landestourismusverband Sachsen an Strategien für den Neustart", erklärt Geschäftsführer Tino Richter. "Dabei geht es prinzipiell darum, für alle touristischen Angebote gute Lösungen zu finden." Dort, wo sich der Gast autark bewegt und es zu keiner kritischen Konzentration kommt, sei eine Öffnung sicher leichter. "Für andere Angebote sollte es aber mit guten Hygienekonzepten ebenso Perspektiven geben."

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