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Die Reiselust steigt trotz Corona wieder

Der Reiseverband bilanziert Milliardenverluste, sieht aber eine Trendwende. Der beste Studien- und Städtereisenanbieter kommt aus Sachsen.

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Endlich wieder in die Ferne reisen.
Endlich wieder in die Ferne reisen. © Jonas Walzberg/dpa

Die von der Corona-Krise hart getroffene Reisebranche hofft auf eine Besserung der Geschäftslage. Zwar stellen sich Veranstalter und Reisebüros auf ein weiteres schwieriges Jahr ein, wie der Präsident des Reiseverbandes DRV, Norbert Fiebig, am Mittwoch erklärte. „Aber das Licht am Ende des Tunnels wird heller.“ Große Reiseveranstalter wie Tui oder FTI berichteten von steigender Nachfrage vor allem für das wichtige Sommerreisegeschäft 2022.

Beim Dresdner Veranstalter Diamir Erlebnisreisen werden zunehmend auch wieder Fernreisen gebucht – zum Beispiel nach Namibia, Tansania oder Nepal. „Wir drucken deshalb nach längerer Pause erstmals wieder einen Reisekatalog, der Anfang November erscheint“, sagt Mitarbeiter Michél Pretzsch. Er selbst sei gerade in Uganda gewesen und habe dort neben atemberaubenden Begegnungen mit Berggorillas und Schimpansen vor allem dankbare Tourguides, Hotelbesitzer und Fahrer erlebt. „Für einige war es die erste bezahlte Beschäftigung seit Beginn der Pandemie“, sagte er. Ohne Touristen könnten in Schutzgebieten teilweise Ranger nicht mehr bezahlt werden, was zu Problemen wie Wilderei, illegalem Holzeinschlag und Landraub führe.

Bis das Vorkrisenniveau erreicht ist, dürfte es aber noch dauern. „Ein Umsatzniveau annähernd wie vor der Pandemie wird sich wohl frühestens 2023 einstellen“, sagte Reiseverbandschef Fiebig.

Im zu Ende gehenden Tourismusjahr 2020/21 riss die Krise erneut tiefe Löcher in die Bilanz. Der Reiseverband rechnet mit einem Umsatzrückgang gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 von 69 Prozent oder fast zwölf Milliarden Euro bei Veranstalterreisen. Zwar zog das Geschäft nach der Lockerung der Corona-Beschränkungen und dem Ende der Reisewarnungen für viele beliebte Ziele rund um das Mittelmeer im Sommer an. Doch der annähernde Totalausfall der Wintersaison ließ sich damit nicht kompensieren. Der Umsatzeinbruch seit Beginn der Pandemie in Europa im März 2020 beläuft sich damit insgesamt auf etwa 24 Milliarden Euro.

„Wir brauchen Verlässlichkeit und Planbarkeit“

Die Branche erwartet allerdings, dass Urlauber die während der Pandemie aufgeschobenen oder ausgefallenen Reisen im nächsten Jahr nachholen werden. Fiebig sprach von einem „Wendepunkt“ in den vergangenen Wochen: „Wir werden eine deutliche Belebung unseres Geschäfts sehen.“ Seit dem Ende vieler Beschränkungen sitze das Geld lockerer. Davon hofft die Branche zu profitieren. Das Buchungsverhalten sei allerdings extrem abhängig von der Entwicklung der Pandemie und den damit verbundenen staatlichen Maßnahmen. „Wir brauchen Verlässlichkeit und Planbarkeit“, sagte Fiebig an die Adresse der künftigen Bundesregierung gerichtet.

Viele Sonnenhungrige sind noch verunsichert. Weil sie nicht wissen, wie es in der Pandemie weitergeht, buchen sie insbesondere Sonnenziele im Winter kurzfristig. Zudem können zahlreiche Länder noch nicht oder nur mit starken Einschränkungen bereist werden, beispielsweise Australien, Neuseeland und Indonesien.

Anders ist das Bild nach Angaben großer Veranstalter für das Sommerreisgeschäft 2022. So liegen die Vorausbuchungen bei der FTI Group hierfür bereits im hohen zweistelligen Prozentplus über denen des Sommers 2019, wie Firmenchef Ralph Schiller sagte. Branchenprimus Tui berichtete Anfang Oktober von sehr ermutigenden Buchungszahlen für den Sommer.

Insolvenzwelle ist bisher ausgeblieben

Die in der Reisewirtschaft befürchtete Insolvenzwelle in der Corona-Krise ist bislang ausgeblieben. „Die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen haben wesentlich zum Überleben der Unternehmen in der Krisenzeit beigetragen“, berichtete Fiebig. Er rechne damit, dass Veranstalter und Reisebüros ihr Geschäft wieder aus eigener Kraft betreiben können, wenn staatliche Maßnahmen wie Überbrückungshilfen und die aktuelle Kurzarbeiterregelung auslaufen. „Ich hoffe, dass sich Unternehmen effizienter, schlanker und krisensicherer aufgestellt haben.“

Dass sich Durchhalten und Kundenservice auch während der Pandemie auszahlen, beweist Eberhardt Travel aus Kesselsdorf bei Dresden. Bei einem Test des Deutschen Instituts für Service-Qualität von acht Veranstaltern von Studien- und Städtereisen ist das Unternehmen als Sieger hervorgegangen. Auf den Plätzen folgen Gebeco und Wikinger. Dabei wurden zwischen Juni und August 2021 im Auftrag des Fernsehsenders n-tv sowohl Service als auch Angebot geprüft. Das Marktforschungsinstitut lobte bei Eberhardt Travel vor allem den Internetauftritt und den Telefonservice. „Die Auswahl an Europa-Reisen war mit über 400 Angeboten ausgesprochen groß“, heißt es in der Begründung.

Sorgen bereitet der Branche allerdings der Fachkräftemangel. Dieser hat sich nach einer aktuellen DRV-Umfrage in der Pandemie verschärft. Dies sehen 70 Prozent der mehr als 550 befragten Unternehmen so. Mehr als die Hälfte berichtete zudem, dass Beschäftigte in der Krise das Unternehmen verlassen haben.

Auch die Luftverkehrsbranche überwindet in Deutschland langsam die Corona-Krise. In dem ab diesen Sonntag geltenden Winterflugplan sind 68 Prozent des Flugprogramms aus der Vorkrisenzeit wiederhergestellt, wie aus einer Auswertung des Branchenverbandes BDL hervorgeht. Vergangenen Winter hatten die Fluggesellschaften ihr Angebot deutlich zurückgefahren. Mit Blick auf den Klimawandel hält Fiebig die Herstellung von CO2-freiem Kerosin im industriellen Maßstab für sinnvoll. Zugleich betonte er, Billigflüge für zehn Euro „sind unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten nicht zu vertreten.“ (dpa/SZ)

Hier gibt‘s Anregungen für neue Reisepläne

Reisemesse Leipzig:

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  • Rund 300 Aussteller präsentieren in den Messehallen ihre Angebote. Allein zwei Hallen sind Wohnmobilen vorbehalten.
  • Die Messe ist von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintrittskarten (nur online) kosten 10,50 Euro (wochentags) bzw. 12,50 Euro (Wochenende und Feiertag).
  • Die SZ verlost fünfmal zwei Tagestickets für einen Termin Ihrer Wahl. Schreiben Sie dazu bis 6. November eine E-Mail an [email protected] – Betreff: „Reisemesse“. Die Gewinner werden unter Ausschluss des Rechtsweges ausgelost und per E-Mail benachrichtigt.

Digitale Reisemesse:

  • Am 7. November, 10-18 Uhr, laden 23 mittelständische Reiseveranstalter unter Federführung von Diamir und Erlebe Fernreisen zur digitalen Reisemesse ein.
  • Fast 50 Reisevorträge und Workshops sollen Lust aufs Reisen machen.
  • Dabei werden alle Kontinente von Afrika bis Ozeanien und verschiedene Reisearten wie Familien-, Sport- und Fotoreisen abgedeckt.
  • Die Referenten sind erfahrene Reisespezialisten, die sich in den jeweiligen Ländern auskennen und auch informieren, welche Destinationen aktuell oder demnächst bereist werden können.
  • Die Teilnahme ist kostenlos und per Teams oder Zoom im Livestream möglich. www.digitale-reisemesse.de