merken
PLUS Wirtschaft

Die Sachsen bauen und sparen trotz Corona

Die Commerzbank will Filialen schließen, auch im Raum Dresden. Doch sie gewinnt Kunden – und gibt Corona-Kredite.

Wegen Corona geschlossen: Die Commerzbank-Filiale an der Prager Straße in Dresden ist eine von zehn in Sachsen, die vorübergehend nicht öffnet. Doch die Bank will dauerhaft an Filialen sparen.
Wegen Corona geschlossen: Die Commerzbank-Filiale an der Prager Straße in Dresden ist eine von zehn in Sachsen, die vorübergehend nicht öffnet. Doch die Bank will dauerhaft an Filialen sparen. © Sven Ellger

Dresden. Wer im Dresdner Stadtteil Weißer Hirsch wohnt und etwas bei der Commerzbank zu erledigen hat, der muss derzeit über die Elbe zum Schillerplatz fahren oder in die Innenstadt. Denn die Filiale Weißer Hirsch ist wegen Corona geschlossen – wie auch die Filiale an der Prager Straße in Dresden, die in Zittau und sieben andere der 45 Commerzbank-Filialen in Sachsen.

Eine Vorentscheidung über eine endgültige Schließung sei damit nicht getroffen, sagte am Dienstag Lars Gudat, Leiter des Privatkundengeschäfts der Commerzbank im Raum Dresden. In den kommenden Monaten will Deutschlands zweitgrößte Bank 340 ihrer 790 Filialen zur endgültigen Schließung auswählen. Die Betriebsräte bestimmen mit.

Anzeige
Vielfältige Hauskonzepte von Elbe-Haus
Vielfältige Hauskonzepte von Elbe-Haus

Verwirklichen Sie Ihren Traum vom Haus mit Elbe-Haus. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung ist Elbe-Haus Ihr zuverlässiger Partner im Massivhausbau.

Bankgeschäft am Computer in Pandemie beliebter

Laut Gudat sind einige Filialen nur vorübergehend zu, weil Beschäftigte ins Homeoffice sollen, oder als Puffer für den Fall einer Corona-Schließung. Doch schon voriges Jahr schloss die Commerzbank sieben Filialen in Sachsen endgültig. In Ostsachsen traf es die ehemaligen Kreisstädte Löbau und Bischofswerda. Im Westen mussten laut einem Bericht der Freien Presse die Filialen in Glauchau und Werdau schließen, auch die in Kirchberg, Hohenstein-Ernstthal sowie Oelsnitz im Vogtland.

Es rechne sich nicht, dass eine nette Dame nur Überweisungsformulare entgegennehme, sagte Burkhard von der Osten, Leiter des Firmenkundengeschäfts. Selbst manche Oma habe sich jüngst fürs Online-Banking entschieden, weil sie in Corona-Zeiten Kontakte vermeiden wollte. Auch Videoberatung werde beliebter, sagte Gudat – und jeder zehnte Ratenkreditvertrag werde online abgeschlossen.

Keine Urlaubsreise - das Geld bleibt auf dem Konto

Von einer Corona-Krise ist auf den ersten Blick in der Commerzbank-Bilanz für den Raum Dresden nichts zu sehen: Die Kunden ließen voriges Jahr acht Prozent mehr Geld als im Jahr 2019 auf Spar- und Girokonten, obwohl sie dort keine Zinsen bekommen. Das Geld blieb in vielen Fällen übrig, weil es weniger Gelegenheit zum Ausgeben gab, weil etwa Reisen kaum möglich war.

Nun liegen 1,9 Milliarden Euro allein auf Commerzbank-Konten im Raum Dresden. Die Bank versteht darunter das Gebiet der Stadt Dresden sowie der Filialen Pirna, Radebeul, Meißen und Riesa. Die Zahl der Kunden in dieser Region wuchs voriges Jahr um 2.400 auf 127.000.

Um fünf Prozent stieg voriges Jahr das Volumen der Wertpapierdepots in der Region, auf 901 Millionen Euro. Die Nachfrage nach Wertpapieren steige allmählich, obwohl die Deutschen ans Sparbuch gewöhnt seien, sagte Gudat. Doch die Corona-Krise und die Nullzinsen beim Sparen hätten auch bei jungen Leuten das Interesse an riskanteren Anlagen geweckt. Die Anleger seien "etwas mutiger" geworden, vielleicht stehe ein Generationswechsel bevor.

Fast zwölf Prozent mehr Baukredite im Raum Dresden

Um 5,5 Prozent wuchs voriges Jahr das Kreditvolumen – auf 1,34 Milliarden Euro. Vor allem der Immobilienboom trug dazu bei: Das Neugeschäft mit Baukrediten stieg um fast zwölf Prozent, das waren 177 Millionen Euro in der Region Dresden. Die Immobilienpreise seien weiter gestiegen, sagte Gudat. Im Schaufenster wirbt die Bank sowohl für ein "modernes Einfamilienhaus in Dresden-Hosterwitz" als auch für ein Grundstück mit Villa in Roßwein, mit dem Slogan "ländlich, idyllisch".

Doch im sächsischen Mittelstand stellt von der Osten Investitionszurückhaltung fest. "Wir machen sonst mehr Kredite", sagte er über das Firmengeschäft. Allerdings könne es bei unsicheren Aussichten durchaus vernünftig sein, keine Millionen zu investieren. Zudem hätten viele sächsische Unternehmen in den guten Jahren zuvor Schulden abgebaut und seien flüssig.

Vielen sächsischen Betrieben gehe es gut, ob Spülmittel- oder Küchenhersteller oder Maschinenbauer mit Tochterfirma in China. Ob es zu vielen Insolvenzen kommen werde, könne er noch nicht einschätzen. Voriges Jahr habe es einige Autozulieferer getroffen, etwa eine Gießerei - doch das sei keine Corona-Folge gewesen, sondern eine Auswirkung von "Dieselgate".

Nicht alle Corona-Kredite wurden schließlich abgerufen

Sorgen machen dem Bankdirektor beispielsweise Hotels und manche Läden in der Innenstadt, die hohe Mieten zahlen müssen. Dort könne es eine "brutale Bereinigung" geben. Schon interessierten sich Aldi und Lidl für Immobilien in bester Lage.

Weiterführende Artikel

Warum eine Bank aus Österreich in Dresden öffnet

Warum eine Bank aus Österreich in Dresden öffnet

Die Oberbank aus Linz hat eine Filiale an der Altmarkt-Galerie in Dresden eingerichtet. Andere Banken ziehen sich zurück - was bieten die Österreicher?

Deutsche sparen für bessere Zeiten

Deutsche sparen für bessere Zeiten

Der private Konsum ist in der Corona-Krise deutlich eingebrochen, nur in wenigen Bereichen gaben die Deutschen mehr Geld aus. Dafür explodiert die Sparquote.

Welche Commerzbank-Filialen sind gefährdet?

Welche Commerzbank-Filialen sind gefährdet?

Deutschlands zweitgrößte Bank arbeitet an einem Schließungsplan. Im Großraum Dresden sollen mehrere Standorte fallen.

Sparkasse dünnt Filialnetz in Sachsen aus

Sparkasse dünnt Filialnetz in Sachsen aus

Mehr als 20 wegen Corona vorübergehend geschlossene Kleinfilialen werden aufgegeben. Sie werden durch SB Standorte oder ein Mobil ersetzt.

Über die Commerzbank Dresden wurden voriges Jahr 68 Millionen Euro KfW-Corona-Kredite bewilligt. Davon wurden dann 52 Millionen schließlich von den Firmen genutzt. Das ist ein großer Unterschied zu den Zahlen für Deutschland insgesamt: Von 7,7 genehmigten Milliarden wurden nur 3,3 Milliarden abgerufen.

Manches Großunternehmen habe erst einmal große Beträge beantragt und dann nicht genutzt, sagte von der Osten. Das sei in den neuen Ländern anders: "Wer hier eine Million beantragt, der ruft sie auch ab."

Mehr zum Thema Wirtschaft