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„Die Täter bevorzugen VW, Opel und Mitsubishi“

Zwischen Görlitz und Radeberg wurden zuletzt immer mehr Auto-Katalysatoren gestohlen. Die Täter gehen dabei rabiat vor. Aber was tun sie mit dem Diebesgut?

Diebe haben es in den vergangenen zunehmend auf Auto-Katalysatoren abgesehen. Die Polizei gibt Tipps, wie sich Autofahrer schützen können.
Diebe haben es in den vergangenen zunehmend auf Auto-Katalysatoren abgesehen. Die Polizei gibt Tipps, wie sich Autofahrer schützen können. © Marijan Murat/dpa

Radeberg. Vor einigen Tagen erwischte es einen Fahrer in Leppersdorf. Er hatte seinen VW Polo auf einem Parkplatz an der Straße An den Breiten, der Zufahrt zu Müllermilch, abgestellt. Als er gegen 22.40 Uhr vermutlich aus der Spätschicht kam, merkte er, dass an seinem Auto etwas nicht stimmt. Unbekannte hatten den Katalysator ausgebaut. Schaden: 600 Euro. Er rief die Polizei. Erst am vergangenen Wochenende erwischte es ein Autohaus in Bautzen. Dort waren die Täter über den Zaun geklettert, hatten sich unter einen Mitsubishi Carisma gelegt und den Katalysator abmontiert. Schaden hier: 1.200 Euro.

Nach Angaben der Polizeidirektion (PD) Görlitz haben derartige Diebstähle in den vergangenen drei Monaten deutlich zugenommen. Während im April zwischen Görlitz und Radeberg zwei dieser Vorfälle registriert wurden, waren es im Mai acht und im Juni 14 versuchte oder vollendete Katalysatoren-Diebstähle, insgesamt also 24 Vorfälle. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres gab es zehn. Allerdings waren 2020 die Katalysatoren-Diebe in den Monaten Januar und Februar aktiver.

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Ob die Entwicklung mit den Corona-Beschränkungen zu tun hat, ist unklar. „Das können wir nicht beurteilen. Auffällig ist allerdings, dass während des ersten Lockdowns 2020 keine Fälle registriert wurden und die Fallzahlen mit der Wiedereröffnung wieder anstiegen“, teilt Kai Siebenäuger von der PD in Görlitz mit.

Täter nutzen Trennschleifer

Bei ihren Diebstählen gehen die Täter recht rabiat vor. Sie halten sich nicht lange mit Schraubenschlüssel oder Zange auf, sondern greifen zum Trennschleifer oder zu Flexgeräten, berichtet der Beamte. Die Gefahr, dabei durch den Lärm entdeckt zu werden, nehmen sie offenbar in Kauf.

Einige Täter nehmen aber auch sogenannte Kettenrohrschneider, die offenbar geräuschlos funktionieren. Bei den Autotypen haben die Diebe gewisse Vorlieben. Zwar werden nach Angaben der Polizei die Autos verschiedenster Typen und Marken aufgesucht, vorrangig jedoch Katalysatoren von Mitsubishi, Opel und VW. Dabei ist es den Tätern offenbar egal, ob die Fahrzeuge als Neuwagen auf dem Gelände von Autohäusern stehen oder ältere Pkw sind, die am Straßenrand oder auf Parkplätzen abgestellt sind.

Für den Laien ist nicht auf den ersten Blick klar, weshalb es die Diebe besonders auf die Katalysatoren abgesehen haben. „Es wird vermutet, dass die gestohlenen Katalysatoren an Verwertungsbetriebe verkauft werden“, so Kai Siebenäuger. Dort wird dann das enthaltene Edelmetall herausgeholt. „Im Innern befinden sich Palladium und Rhodium. Die Weltmarktpreise der Rohstoffe sind aufgrund der erhöhten Nachfrage in den letzten Jahren stark gestiegen“, so der Polizeibeamte. Zudem sind Katalysatoren vergleichsweise handlich und leicht zu transportieren.

Polizei vermutet mehrere Tätergruppen

Bei den Tätern geht die Polizei von mehreren Gruppierungen aus. „Aufgrund der unterschiedlichen Vorgehensweisen und großflächigen Verteilung der Tatorte vermuten wir das. Wahrscheinlich agieren sie grenzüberschreitend.“ Vereinzelt gehen den Beamten Katalysatordiebe ins Netz. „Unter anderem durch aufmerksame Zeugen konnten Täter gestellt werden." In mindestens fünf Fällen konnten zehn polnische Staatsbürger auf frischer Tat festgenommen werden. Zuletzt war das Mitte Februar in der Ortslage Klein Priebus der Fall. Bundespolizisten stoppten einen Mercedes-Benz, beladen mit acht Katalysatoren.

Wegfahrsperren, Lenkradschlösser oder Ortungssysteme: Während Autobesitzer ihren Wagen vor Diebstahl schützen können, ist das bei Einzelteilen schwieriger. „Technisch sind Diebstähle von Katalysatoren nicht zu verhindern“, so der Polizeibeamte. Er rät Fahrern, auf den Abstellort zu achten. „Wenn möglich, eine abschließbare Garage nutzen. Zumindest sollte das Fahrzeug an gut beleuchteten und belebten Straßen abgestellt werden.“

Um die Täter dingfest zu machen, ist die Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. „Wer verdächtige Personen an oder auch unter Fahrzeugen feststellt, bitte umgehend die Polizei informieren.“ Von großer Bedeutung sind natürlich möglichst genaue Personenbeschreibungen, Angaben zu Fluchtfahrzeugen und Fluchtrichtung. „Natürlich können Zeugen in so einem Moment ein Foto oder ein Video mit dem Handy aufnehmen.“

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