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Diese DJs mischen die Pirnaer Polizei auf

Am Sonnabend rocken DJ Ohrkan und DJ Pierre Laminar in der Polizeiwache - und alle dürfen zuhören und -schauen. Ein Experiment, das einen Grund hat.

Legen im Pirnaer Polizeirevier auf: die DJs Pierre Laminar (l.) und DJ Ohrkan. Revierleiter Candy Sommer ist ihr Gastgeber.
Legen im Pirnaer Polizeirevier auf: die DJs Pierre Laminar (l.) und DJ Ohrkan. Revierleiter Candy Sommer ist ihr Gastgeber. © Daniel Förster

Das hat es im Polizeirevier Pirna noch nicht gegeben: Um im Corona-Lockdown nicht völlig zu verstummen, lassen zwei DJs bei den Ordnungshütern eine Party steigen - direkt in der Dienststelle an der Oberen Burgstraße. Vor dort senden am Sonnabendabend DJ Ohrkan und DJ Pierre Laminar ihren nächsten „Klangkeller 2.0“, einen Musikstream, der live im Internet übertragen wird.

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Die Polizei stellt den Musikern dafür einen Beratungsraum zur Verfügung. „Bevor es losgeht, dichten wir die Tür in unserem Raum und auch die Fenster zur Straße schalldicht ab“, erklärt der Pirnaer Ingo Weichelt, alias DJ Ohrkan. Deshalb werden die diensthabenden Beamten bei ihrer Arbeit vor Ort von der Musik kaum etwas mitbekommen. „Maximal leicht die Bässe“, schätzt Weichelt.

Vier Stunden lang, von 20 Uhr bis Mitternacht, präsentiert der 40-Jährige zusammen mit dem Heidenauer Phil Jakubowski (37) alias DJ Pierre Laminar Songs aus den Charts, aber auch House-, Electro- und Techno-Klänge. Die beiden freuen sich, wenn viele Leute online dabei sind. „Sie können via Chat Musikwünsche loswerden. Wir haben aber auch Überraschungen vorbereitet, verlosen etwas, machen Gewinnspiele. Alles läuft spontan“, sagt DJ Ohrkan.

Idee entstand in der Corona-Krise

Der Klangkeller, wie er den Musikstream nennt, ist vor über einem Jahr in der Corona-Krise entstanden. „Die erste Sendung lief bei mir im Keller mit acht Zuschauern. Wir hatten damals nur simple Technik. Ein Kumpel hat mich mit einer Handycamera gefilmt", erzählt er. Mitstreiter Phil Jakubowski, der als Bauleiter bei Oertel Gerüstbau tätig ist, hatte sich eigentlich schon in die DJ-Rente verabschiedet. Beim Probe-Streaming bekam er aber Lust, wieder mitzumachen. Erklärtes Ziel: Man wolle bei Partygängern und Feierwütigen während der Corona-Zwangspause in Erinnerung bleiben. Durch ein Stipendium der Kampagne "So geht sächsisch" und Unterstützung der Heidenauer Firma Wehner Bau konnte Ohrkan in bessere Technik investieren.

Mittlerweile verfolgen im Schnitt rund 300 Zuschauer, was Ohrkan und Pierre Laminar an den DJ-Konsolen treiben. Nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus den Niederlanden, Polen, Österreich und der Schweiz schauen Leute bei den Übertragungen zu, die alle 14 Tage von einem anderen Ort ausgestrahlt werden. So sendeten die DJs bereits aus mehreren Pirnaer Gaststätten wie dem Tapas-Restaurant Málaga, dem Burger-Restaurant Platzhirsch, aus dem Old English Pub Billys oder aus der Schaudestillerie am Brauhaus „Zum Gießer“. Auch auf dem Dach von Gerüstbau Oertel legten sie schon auf.

Polizei will Zeichen setzen

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Nun ist die Polizei Gastgeber. „Die Anfrage kam für uns überraschend, denn sie ist schon etwas Besonderes“, sagt Revierleiter Candy Sommer. Er findet die Aktion nicht schlecht. Für die DJs sei es eine gute Option, um weiter präsent zu sein. Da viele Veranstaltungen wegen der Corona-Beschränkungen tabu sind, gebe es nicht allzu viele Alternativen. Die Polizei unterstütze die Aktion, um ein Zeichen zu setzen. „Wir kennen die Situation. Wir kennen die Ängste der Bürger und die Sorgen der betroffenen Branchen, in dem Fall der Unterhaltungsbranche. Jeder von uns hat auch Familie. Wir Polizisten sind auch nur Menschen und sind ebenso betroffen von den Maßnahmen, wie alle anderen auch“, sagt Sommer, der am Sonnabend auch in den Stream reinhören will.

Livestream "Klangkeller 2.0" am 8. Mai, ab 20 Uhr: www.twitch.tv/ohrkan.

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