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Diese Zahl bringt Dresden neue Corona-Regeln

Die Sieben-Tage-Inzidenz gilt als das Maß der Dinge. Doch inzwischen gibt es verschiedene Zahlen - je nachdem, bei welcher Behörde man schaut. Welche gilt?

Dresden drohen Ausgangsbeschränkungen. Wann sie kommen, entscheidet eine Zahl, um die es bereits viel Verwirrung gab.
Dresden drohen Ausgangsbeschränkungen. Wann sie kommen, entscheidet eine Zahl, um die es bereits viel Verwirrung gab. © Archiv/dpa-Zentralbild/Sebastian Kahnert

Dresden. Sie entscheidet über Ausgangsbeschränkungen, Glühweinausschank-Verbot und schärfere Demo-Regeln. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist aktuell das Maß der Dinge, wenn es um die Eindämmung der Corona-Pandemie geht. Sie gibt an, wie viele Neuinfektionen es in den vergangenen sieben Tag gab, umgerechnet auf 100.000 Einwohner.

Mit dieser Umrechnung auf eine einheitliche Größe ist es möglich, das Infektionsgeschehen kleiner Gemeinden mit der Situation großer Städte zu vergleichen, ganz egal, wie viele Menschen dort leben. Liegt die Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Tagen über 200, wird Dresden als Corona-Hotspot eingestuft. Weitere Einschränkungen sind dann die Folge. Aber wer legt Tag für Tag fest, wie hoch die Zahl ist?

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Eigentlich das Gesundheitsamt, sollte man meinen. Die städtische Behörde erfährt von Ärzten und Laboren als erste von neuen Corona-Infektionen und ermittelt täglich mittags die Inzidenz. Auf genau dieser Zahl basierten bisher alle Entscheidungen. Auch jene im Oktober, als Dresden die Schwelle von 25 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschritt und plötzlich nur noch 999 Zuschauer ins Dynamo-Stadion durften und Konzerte abgesagt wurden. Bedeutung hat diese Zahl jetzt nicht mehr.

Zwei Zahlen, aber nur eine zählt

Ob weitere Einschränkungen nötig werden, entscheidet jetzt die Sieben-Tage-Inzidenz, die vom Robert-Koch-Institut (RKI) ermittelt wird. Nach derselben Formel übrigens, aber anhand anderer Daten. Das Gesundheitsamt meldet die Infektionszahlen täglich an die sächsische Landesuntersuchungsanstalt. Die Behörde sammelt die Fallzahlen aller sächsischen Landkreise und kreisfreien Städte und leitet sie an das RKI weiter.

Dort wird die Inzidenz nicht wie vom Dresdner Gesundheitsamt mittags berechnet, sondern um 0 Uhr. Und um Mitternacht sehen die Infektionszahlen schon wieder anders aus. Seit Montag veröffentlicht die Stadtverwaltung beide Zahlen. Warum aber macht sie dieses Verwirrspiel?

"Uns ist bewusst, dass sich die Zahlen unterscheiden", sagt Frank Bauer, Leiter des Gesundheitsamtes. Aber der Freistaat Sachsen habe mit der neuen Corona-Schutzverordnung festgelegt, dass die Inzidenz des RKI ausschlaggebend sei. Die logistische Erklärung: Der Freistaat will eine einheitliche Datengrundlage schaffen - nicht ein Gesundheitsamt, das mittags Zahlen bekannt gibt und ein anders, das abends die Inzidenz meldet.

Bauer betont, dass weder die eine noch die andere Zahl richtig oder falsch sei. "Bei einem solch dynamischen Infektionsgeschehen, wie wir es jetzt nicht nur in Dresden haben, sind Abweichungen allein durch die zeitlichen Abläufe nicht zu vermeiden", sagt er. Die Zahlen seien ständig im Fluss und könnten nie auf allen Ebenen identisch sein.

Keine Ausgangsbeschränkungen mehr in dieser Woche

Hinzu komme, dass auch die Zahlen, die das Gesundheitsamt mittags meldet, teilweise mit mehreren Tagen Verzug bekanntgegeben werden, da es aufgrund der vielen Infektionen nicht mehr möglich sei, alle Fälle am selben Tag abschließend zu bearbeiten. Die Ermittlung von Kontaktpersonen und die Anordnung von Quarantänen geht vor.

"Dennoch ist wichtig zu betonen, dass es deshalb keine richtigen oder falschen Zahlen oder unterschiedliche Bewertungen der Lage gibt: Die Infektionszahlen sind eindeutig zu hoch und deshalb sind Maßnahmen erforderlich, um sie wieder zu senken", sagt Bauer.

Am Dienstag lag die Sieben-Tage-Inzidenz für Dresden laut RKI bei 201, während die Stadt mittags einen Wert von 230 errechnet hatte. Tag 1 des Fünf-Tage-Countdowns für schärfere Regeln. Doch am Mittwoch sank die maßgebliche RKI-Inzidenz bereits wieder auf knapp 188. Demzufolge drohen Dresden zumindest in dieser Woche keine Ausgangsbeschränkungen mehr.

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