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Leih-Laptops für den Heimunterricht

Im Landkreis Bautzen können Familien, denen zu Hause die Technik fehlt, in der Schule ein Gerät ausborgen. Doch das löst nicht alle Probleme.

Das Lernen am heimischen Küchentisch stellt Familien auch vor technische Herausforderungen. Immerhin können im Landkreis Bautzen mobile Endgeräte inzwischen an den meisten Schulen ausgeliehen werden.
Das Lernen am heimischen Küchentisch stellt Familien auch vor technische Herausforderungen. Immerhin können im Landkreis Bautzen mobile Endgeräte inzwischen an den meisten Schulen ausgeliehen werden. ©  Symbolbild: dpa

Bautzen. In Neukirchs Oberschule haben zwei Schüler eins, im Kamenzer Lessinggymnasium wurde am Dienstagmorgen erst eins verliehen. In der Oberschule Gesundbrunnen in Bautzen kam am selben Morgen eins zurück, es ist aber schon dem Nächsten versprochen. - Die Rede ist von mobilen Endgeräten, also Laptops und Tablets, die Schülerinnen und Schüler während der Zeit des Lernens zu Hause kostenlos von ihren Schulen ausborgen können.

Möglich wurde dieses Angebot für Familien, die nicht über die notwendige Technik fürs Homeschooling verfügen, nach einem Beschluss der Bundesregierung im Rahmen des Förderprogramms Digitalpakt Schule. Dieser sieht die Bereitstellung von insgesamt 500 Millionen Euro vor, mit denen die Schulträger bei der Anschaffung von Tablets, Laptops und Computern unterstützt werden sollen.

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Auf Sachsen entfallen hierbei knapp 25 Millionen Euro. Die Landesregierung und die Landkreise steuern zusätzliche Mittel bei. Ein entsprechendes Papier hat Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am 29. Mai vergangenen Jahres unterzeichnet.

Bereits 580 Endgeräte für Schulen des Landkreises

Der Beschluss zeigt Wirkung: 780.000 Euro der verfügbaren Mittel hat allein Bautzens Kreisverwaltung als größter Schulträger im Landkreis erhalten, teilt Sprecherin Sabine Rötschke mit. "Davon wurden zirka 850 Tablets inklusive Verwaltungssoftware, Transportkoffer für die Schulnutzung, Stiften und Hüllen bestellt", informiert sie über die Verwendung der Mittel. 580 Endgeräte seien inzwischen an Schulen in Trägerschaft des Landkreises ausgeliefert worden.

33 Tablets der Firma Apple stehen an der Oberschule in Neukirch zur Verfügung. Der stellvertretende Direktor und Informatiklehrer Jeremiah Weedage gibt diese an Schüler aus, die nicht über die nötigen Geräte verfügen, um am Unterricht von zu Hause teilzun
33 Tablets der Firma Apple stehen an der Oberschule in Neukirch zur Verfügung. Der stellvertretende Direktor und Informatiklehrer Jeremiah Weedage gibt diese an Schüler aus, die nicht über die nötigen Geräte verfügen, um am Unterricht von zu Hause teilzun © SZ/Uwe Soeder

Auch aus Schulen in kommunaler Trägerschaft wird Vollzug gemeldet: Über 33 Laptops verfügt inzwischen die Neukircher Oberschule "Am Valtenberg". Aus Königswartha meldet Ines Jokusch, Leiterin der Grundschule: "Seit voriger Woche haben wir unsere 13 Laptops programmiert und können den Eltern ein erstes Angebot für die Ausleihe unterbreiten."

Einer, der noch auf die Technik wartet, ist Jochen Wenzel, der die städtische Oberschule in Bautzen-Gesundbrunnen leitet. Etwa 18 Tablets gibt es hier zwar, sie wurden allerdings im Rahmen einer privaten Initiative gespendet; nicht aus Digitalpakt-Mitteln beschafft. Der Grund dafür liegt laut Wenzel nicht etwa im Versäumnis der Stadt, sondern in Lieferengpässen: "Sie können jetzt nicht mal eben 300 Laptops kaufen", sagt er.

Nachfrage nach Leihgeräten eher verhalten

Die Nachfrage nach den Leihgeräten sei aber allgemein eher verhalten, hat Vincent Richter, Sprecher des Bautzener Standortes des Landesamtes für Schule und Bildung, beobachtet. Aber, fährt er fort, natürlich gebe es auch Familien, wo nicht ausreichend Geräte zur Verfügung stehen oder wo die finanziellen Mittel für den Neukauf nicht ausreichten: "Das Wichtigste ist: Diese Familien können sich an die Schulen wenden und ihnen wird geholfen. Niemand bleibt deshalb auf der Strecke", versichert Richter.

Das funktioniere gut, berichtet Franziska Breuer vom Bautzener Stadtfamilienrat. Der Geräte-Verleih sei ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch nicht die endgültige Lösung des Problems. Denn um die Aufgaben zu Hause erfüllen zu können, brauche es noch weitere Voraussetzungen. Da sei zuerst der Internetzugang zu nennen - viele neue Endgeräte erforderten sogar ein WLAN-Netzwerk. Gleiches gelte für Drucker und Scanner, die sich mit den Geräten verbinden lassen müssten.

"Ich weiß von Familien mit Kindern in verschiedenen Klassenstufen, die teilweise zu den Nachbarn gehen, um die Aufgaben für die Kinder auszudrucken", sagt die Stadtfamilienrätin. Insbesondere bei Schülern im Grundschulalter sei das ein Problem. Dort werde sehr viel mit Arbeitsblättern hantiert.

Das kann Schulleiterin Ines Jokusch aus Königswartha nur bedingt bestätigen. Der Unterricht in einer ihrer vierten Klassen laufe nahezu papierlos, erzählt sie. In anderen Klassen werde eine Mischform aus analogen und digitalen Materialien genutzt. Das Problem fehlender Technik aber, das kennt sie auch aus einigen Familien ihrer Schüler: "Wir stehen diesbezüglich in sehr engem Kontakt mit allen Eltern und suchen Lösungen, um alle Schüler zu erreichen", sagt sie.

Notfalls werden Aufgaben in der Schule ausgedruckt

Konkret heißt das: Wenn es nicht anders geht, werden die Aufgaben in der Schule ausgedruckt. Die Eltern können sie dann dort abholen. So verfährt auch Michael Hubrich in der Oberschule "Am Valtenberg". Bei seinen Schülern, erzählt er, sei es oft der leistungsfähige Internetanschluss, der fehle. Wenn der Stoff über das Mobilnetz der Eltern heruntergeladen werden müsse, sei das auch durch Ausleihe eines Gerätes nicht zu beheben.

Letztlich, so Wolfgang Rafelt, Direktor des Kamenzer Lessing-Gymnasiums, sei es auch nicht nur der technische Zugang zu den Unterrichtsmaterialien, der Bildungsgerechtigkeit sichere: "Auch wenn der Bedarf marginal ist, sind wir froh, dass wir 33 Tablets bekommen haben", sagt er. Die nützten aber nichts, wenn die Kinder geistig nicht bei der Sache sind: "Auf Tablets lässt sich auch toll spielen. Letztlich ist es vor allem die Motivation durch das Elternhaus, auf die es beim häuslichen Lernen ankommt. Für alles andere findet sich eine Lösung."

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