merken
PLUS Döbeln

Döbeln: Dirk Munzig tritt aus der AfD aus

Nach dem bizarren militärischen Auftritt vor einer Woche zieht der Döbelner Stadtrat die Konsequenzen. Munzig hat auch einen Schuldigen ausgemacht.

Dirk Munzig hat an diesem Montag auf der Kundgebung von Kritikern der Corona-Maßnahmen seinen Austritt aus der AfD bekannt gegeben.
Dirk Munzig hat an diesem Montag auf der Kundgebung von Kritikern der Corona-Maßnahmen seinen Austritt aus der AfD bekannt gegeben. © Erik-Holm Langhof

Döbeln. Nach seinem bizarren militärischen Auftritt bei der Kundgebung von Kritikern der Corona-Maßnahmen am vergangenen Montag hat der Döbelner Stadtrat Dirk Munzig die Konsequenzen gezogen. Bei der Kundgebung an diesem Montagabend sagte er, dass er aus der AfD ausgetreten sei.

Gleichzeitig entschuldigte er sich bei den Wählern, die ihn als Mitglied dieser Partei gewählt haben. Wie Munzig betonte, sei er bei den Kundgebungen immer als Privatmann und nie als Vertreter der AfD aufgetreten.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Die AfD Mittelsachsen hatte sich in der vergangenen Woche mit einer Pressemitteilung hart von ihrem Mitglied distanziert und den Auftritt "aufs Schärfste" verurteilt. Der Kreisverband kündigte an, innerparteiliche Schritte gegen Munzig einzuleiten. Einem möglichen Parteiausschluss ist dieser jetzt zuvorgekommen.

Landtagsabgeordneter Lars Kuppi als "Spalter"?

Wie Dirk Munzig bei der Kundgebung behauptete, stamme der Inhalt der Pressemitteilung vom Landtagsabgeordneten Lars Kuppi. Dieser betreibe die Spaltung der AfD Mittelsachsen, es seien schon weitere Mitglieder ausgetreten. Für ihn, Munzig, sei die Pressemitteilung der letzte Anstoß gewesen, ebenfalls die AfD zu verlassen.

Aufgrund der Äußerungen Munzigs zu Lars Kuppi meldete sich am Dienstag erneut die AfD Mittelsachsen „auf die unsinnigen Behauptungen von Herrn Munzig“ zu Wort: „Eine Pressemitteilung des Kreisverbandes Mittelsachsen erfolgt immer in Absprache mit allen Vorstandsmitgliedern. Lars Kuppi ist zwar der Kreisvorsitzende, aber nicht der Urheber der Pressemitteilung“. schrieb Pressesprecher Jürgen Stein.

Eine Spaltung innerhalb der Regionalgruppe Nord vollführe Dirk Munzig selbst. „Sowohl durch unqualifizierte verbale Angriffe gegen Parteimitglieder, als auch durch Nichtanwesenheit seiner Person in der RG Nord.“

Versuch der Rechtfertigung

Bei der Kundgebung am Montag kritisierte Dirk Munzig die Berichterstattung über die "Kunstaktion" in der vergangenen Woche. "Wir haben niemanden eingeschüchtert und auch keine militärische Aktion aufgezogen. Wir haben lediglich die Polizeibeamten auf ihren Eid aufmerksam gemacht", so Munzig.

Er stehe auch weiterhin zum Salutieren auf dem Döbelner Obermarkt, das live im Internet übertragen wurde. Er gibt zu: "Eigentlich sollten noch drei der Veteranen aus Bundeswehr und NVA hier vor das Mikrofon treten und etwas aus ihrer Laufbahn erzählen. Doch aus einem organisatorischen Missverständnis heraus kam es nicht dazu."

  • Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]

"Veteranen-Pool" eng vernetzt mit Rechtsextremen

Weiter erzählt Munzig, dass ein erster Auftritt des sogenannten "Veteranen-Pools" eigentlich in Zwönitz geplant war. "Doch dort geht das System schon mit voller Härte gegen friedliche Menschen auf der Straße vor", sagt er. Deshalb habe man sich für Döbeln entschieden.

Mitglieder des "Veteranen-Pools" nehmen sich eine ähnliche niederländische Gruppierung zum Vorbild. Diese hat sich bei mehreren Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen in Holland zwischen Protestlern und der Polizei positioniert. In Deutschland wurde vor einigen Wochen ebenfalls ein Aufruf gestartet, der sich vor allem an ehemalige Militärangehörige richtet.

In Telegram-Gruppen versuchen sich nun viele hunderte Mitglieder zu vernetzen. Vereinzelt sind Aufforderungen wie "Würde endlich gerne die Verräter jagen" zu lesen. Gemeint sind all diejenigen, die aktuell das Feindbild der Querdenken-Proteste darstellen. Denn der sogenannte "Veteranen-Pool" gliedert sich stark an die Querdenken-Szene an, nimmt radikalisierte Demonstranten auf.

Während große Teile der Querdenken-Szene vom Verfassungsschutz beobachtet werden, bilden sich aus genau diesem Kreis regionale Gruppen von größtenteils inaktiver Soldaten – eng vernetzt mit Rechtsextremen und extremen Verschwörungsideologen. So beschreibt es zumindest das Webportal Belltower in einem Beitrag.

"Übergroße Mehrheit kein Verständnis für Äußerungen"

Unterdessen meldete sich auch Döbelns Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU) am Montag zu Wort. Auf Anfrage von Sächsische.de teilte er mit: "Die übergroße Mehrheit der Döbelnerinnen und Döbelner hat kein Verständnis für solche Äußerungen. Sie packen an, um ihre Stadt voranzubringen. Das Ergebnis kann man täglich erleben."

Der Auftritt auf dem Obermarkt am letzten Montag habe für eine deutschlandweite Diskussion gesorgt und "das nicht im positiven Sinne", so Liebhauser.

Auf die Kritik von Dirk Munzig, dass im Stadtrat eine "normale Diskussionskultur nicht mehr möglich ist", entgegnete der Bürgermeister: "Der Stadtrat der Stadt Döbeln hat sich eine Geschäftsordnung gegeben, die den Rahmen für einen ordnungsgemäßen Ablauf der Stadtratssitzungen bildet. Als Oberbürgermeister ist es meine Aufgabe, die Sitzung zu leiten und für die Einhaltung der Geschäftsordnung zu sorgen."

Der Döbelner Anzeiger hatte am Dienstag bei Dirk Munzig angefragt, welche Auswirkungen der Austritt aus der AfD auf sein Mandat für den Döbelner Stadtrat habe. Er hatte auf die Fragen nicht geantwortet und war auch telefonisch und auf anderen Kanälen nicht zu erreichen.

Mehrere Polizeibeamte, teilweise auch aus der Bereitschaftspolizei, sicherten die Versammlung am Montag auf dem Döbelner Obermarkt ab.
Mehrere Polizeibeamte, teilweise auch aus der Bereitschaftspolizei, sicherten die Versammlung am Montag auf dem Döbelner Obermarkt ab. © Erik-Holm Langhof
Auf der Seite der Corona-Kritiker standen etwa 50 Teilnehmer.
Auf der Seite der Corona-Kritiker standen etwa 50 Teilnehmer. © Erik-Holm Langhof
Auf der Seite der Gegendemonstranten laut Polizei etwa gleich so viele.
Auf der Seite der Gegendemonstranten laut Polizei etwa gleich so viele. © Erik-Holm Langhof
Am Ende der Versammlung kam es zu einem kurzen verbalen Zusammenstoß zwischen beiden Fronten. Die Polizei mussten eingreifen.
Am Ende der Versammlung kam es zu einem kurzen verbalen Zusammenstoß zwischen beiden Fronten. Die Polizei mussten eingreifen. © Erik-Holm Langhof

Letzte Versammlung auf Döbelner Obermarkt?

Bei der Kundgebung an diesem Montag in Döbeln blieben die Veteranen fern, dennoch hatten sich erneut Kritiker der Corona-Maßnahmen auf dem Obermarkt versammelt. Knapp 50 Teilnehmer kamen nach Angaben der Polizei zusammen.

Dafür war das Polizeiaufgebot umso größer, das bereitstand, um die Kundgebung unter anderem vor einer Gruppe von Leuten aus dem vermutlich linken Lager abzuschirmen. Diese versuchte, die Kundgebung mit Zwischenrufen zu stören. Auch in diesem Lager zählten die Beamten etwa 50 Versammlungsteilnehmer.

Weiterführende Artikel

Döbeln: Ex-AfD-Fraktion rutscht nach hinten

Döbeln: Ex-AfD-Fraktion rutscht nach hinten

Die Gruppe hat sich einen neuen Namen gegeben. Auch die Sitzordnung hat sich geändert.

Mittelsachsen: AfD bestätigt Fraktionsspitze

Mittelsachsen: AfD bestätigt Fraktionsspitze

Romy Penz und Rolf Weigand bleiben bis 2024 im Amt. Es gibt aber auch einen Wechsel.

Hessenkemper verlässt die AfD

Hessenkemper verlässt die AfD

Seit 2017 sitzt der Freiberger im Bundestag. Bei der Nominierung zur Wahl 2021 hatte der Freiberger TU-Professor gegen Carolin Bachmann verloren.

Döbeln: Klare Worte zu „absurder Clownerie“

Döbeln: Klare Worte zu „absurder Clownerie“

CDU-Fraktionschef Rudolf Lehle kritisiert Dirk Munzig (AfD). Er habe mit seinem bizarren Auftritt auf dem Obermarkt nicht nur sich und seiner Partei geschadet.

Bis auf einen verbalen Zwischenfall sei die angemeldete Protest-Aktion ansonsten ruhig und ohne Störung verlaufen, so die Polizei. Nach eigenen Angaben wollen die Anmelder der wöchentlichen Kundgebung eine Fortführung prüfen. Möglicherweise sei es die letzte Versammlung auf dem Döbelner Obermarkt gewesen, teilten sie mit.

Mehr zum Thema Döbeln