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Kretschmer will "Bergamo in Sachsen nicht zulassen"

Während einer Diskussionsrunde findet Sachsens Regierungschef drastische Worte für die Corona-Lage im Land. Die harten Einschnitte verteidigt er.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) will die vierte Corona-Welle mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unter Kontrolle bringen.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) will die vierte Corona-Welle mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unter Kontrolle bringen. © dpa

Die Frage ist gut, auch wenn die Antwort klar ist. Muss man, wollte Regisseur Thomas Reiche von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer wissen, auch um den Preis der eigenen politischen Beschädigung „hart bleiben, um Leben zu retten“? Der CDU-Politiker antwortete: „Es gibt Dinge, die sind nicht verhandelbar.“ Niemand, glaubt Kretschmer, würde in Deutschland Bilder wie aus Bergamo ertragen, wo zu Beginn der Pandemie Särge vom Militär transportiert wurden. "Wenn wir nächste Woche um diese Zeit feststellen, wir haben immer noch ein solches Infektionsgeschehen, dann werden wir gemeinsam darüber sprechen, was noch mehr notwendig ist - weil wir Bergamo in Sachsen nicht zulassen wollen", sagte er am Donnerstagabend in einer Online-Diskussion. In Sachsen verbreitet sich das Virus im bundesweiten Vergleich am rasantesten. Die Inzidenz lag am Donnerstag laut Robert Koch-Institut bei 1074,6.

Die Videokonferenz der Veranstalter des abgesagten Adventskonzerts im Dresdner Stadion stand unter dem Motto: „2G – genesen und gespalten?“. Der Pirnaer Mediziner Professor Steffen Schön warb eindringlich fürs Impfen. Derzeit registriere Sachsen pro Tag mehr als 12.000 Coronainfektionen, drei Mal so viele wie bei der Welle vor einem Jahr.

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Kretschmer sprach am Donnerstagabend von einer Naturkatastrophe. Deutschland müsse durch die Entwicklung in Sachsen und Bayern gewarnt sein. Er regte Geisterspiele bundesweit an – und weitere deutschlandweite Einschränkungen. „Ansonsten werden die Zahlen überall steigen“, noch könne man die Verlängerung der Pandemie verhindern.

Dynamo-Geschäftsführer Jürgen Wehlend verwies auf „enorm hohe Relevanz“ des Fußballs in der Gesellschaft und Studien, die geringes Infektionsrisiko in Stadien nahelegen. Der katholische Bischof Heinrich Timmerevers warnte, Menschen auszugrenzen. Dennoch gebe es Regeln, an die sich die Kirche halte – auch wenn es Kraft koste, jemanden abzuweisen.

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Die evangelische Landeskirche hatte unlängst 2- und 3G-Regelungen für Gottesdienste skeptisch bewertet. Professorin Kerstin Weidner, die die Psychotherapie am Dresdner Uniklinikum leitet, wollte nicht von der Spaltung der Gesellschaft reden. Es habe sich eher „eine kleine Gruppe abgespalten“. Die Motive seien unterschiedlich. „Es wird einige Jahre dauern, bis die Folgen überwunden sind“, sagte Weidner. Kretschmer warnte vor Stigmatisierungen: „Wir müssen auch nach dieser Coronakrise weiter miteinander leben.“

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