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Dresden auf dem Weg zum Super-Hotspot

Die Landeshauptstadt erreichte am Montag erneut einen Corona-Höchstwert. Wegen der hohen Infektionszahlen drohen Dresden drastische Einschnitte.

Wird Dresden zum Corona-Hotspot, wird die Stadt noch leerer, als sie jetzt schon ist.
Wird Dresden zum Corona-Hotspot, wird die Stadt noch leerer, als sie jetzt schon ist. ©  Archiv/dpa/Robert Michael

Dresden. Der Zeiger der Corona-Ampel hat am Montag zum zweiten Mal den 200er-Inzidenzwert überschritten. Fast zwangsläufig ist nun von Ausgangsbeschränkungen, Alkoholverbotszonen und weiteren Maßnahmen die Rede, um den sprunghaften Anstieg der Infektionszahlen einzudämmen. Steht er fünf Mal hintereinander über dieser Marke, greifen strengere Schutzregeln. Doch ab wann muss Dresden handeln?

Ab wann gibt es neue Regeln?

Die neue Corona-Schutzverordnung des Landes tritt am 1. Dezember, also am Dienstag, in Kraft. Dann gilt: Werden an fünf aufeinanderfolgenden Tagen mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche gezählt, müssen die Landkreise und kreisfreien Städte Ausgangsbeschränkungen anordnen. Dann darf man das Haus nur noch verlassen, um arbeiten, einkaufen oder zum Arzt zu gehen. Sport und Freizeitausflüge wären auch erlaubt, aber nur noch im Wohnumfeld.

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Dresden überschritt die 200er-Marke am Freitag, fiel am Samstag aber wieder darunter. Laut Verordnung müssten damit also keine Ausgangsbeschränkungen angeordnet werden.

In Dresden werden die Regeln, die der Freistaat beschlossen hat, ohnehin erst gelten, sobald die Stadt eine entsprechende Allgemeinverfügung erlässt. Dafür benötigt die Verwaltung allerdings die genauen Formulierungen aus der Verordnung, um Maßnahmen wie etwaige Alkoholverbotszonen festlegen zu können.

Welche Regeln werden in Dresden gelten?

Im Dresdner Rathaus wird derzeit daran gearbeitet, welche Regeln konkret in Dresden gelten sollen. Zwar tritt die Landesverordnung am Dienstag in Kraft, die Stadt braucht aber noch etwas länger für die Abstimmung der Details.

Mit der Landesverordnung ist auch klar, was die betroffenen Kommunen selbst zu regeln haben. Regeln wie die Kontaktbeschränkungen - mit maximal fünf Personen aus höchstens zwei Hausständen - gelten in ganz Sachsen. Weihnachten sind dann Treffen mit bis zu zehn Personen erlaubt.

Ebenfalls in ganz Sachsen gilt eine Maskenpflicht ab Dienstag auch in Arbeits- und Betriebsstätten, außer direkt am Arbeitsplatz - sofern mindestens 1,5 Meter Abstand eigehalten werden können. Und auch für Läden gelten neue Vorgaben, unter denen sie öffnen dürfen.

Da Dresden am Montag erneut über die Schwelle von 200 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner geschritten ist, droht die Hotspot-Vorgabe. Das Land hat den Kommunen auferlegt, konkret zu regeln, welche Maßnahmen ergriffen werden, wenn sie fünf Tage am Stück über dem Wert liegen.

Die Regeln des Landes gelten ab Dienstag. Die Allgemeinverfügung der Stadt mit den Details dazu aber noch nicht. "Die Landeshauptstadt Dresden wird am Dienstag eine neue Allgemeinverfügung erlassen, die ab Mittwoch, 2. Dezember 2020 in Kraft tritt", so Rathaussprecher Kai Schulz.

Dresden muss entweder in der gesamten Stadt oder für bestimmte Zeiten und Orte ein Alkoholverbot verhängen - das gilt für den Verkauf und das Trinken. Einrichtungen für Erwachsenbildung müssen geschlossen werden. Auch hier muss Dresden definieren, welche das sind.

Für Versammlungen gilt dann eine maximale Teilnehmerzahl von 200 Personen. Da heißt es in der Verordnung aber, "wenn dies aus infektionsschutzrechtlichen Gründen geboten ist". Das wird die Versammlungsbehörde im Einzelfall mit dem Gesundheitsamt entscheiden müssen.

Wie sind die Infektionszahlen in Dresden?

Am Montag meldete die Stadt 266 Neu-Infizierte. Am Freitag waren es sogar 314 - der bisherige Tageshöchstwert. Nach Wochenendzahlen, die nach etwas Entspannung aussahen, ist Dresden damit zu Wochenbeginn wieder beim Niveau der vergangenen Woche.

Bisher haben sich 6.448 Dresdner nachweislich infiziert. 3.218 Menschen haben die Infektion bereits überstanden. Schätzungen zufolge ist das Virus abzüglich der nun insgesamt 55 Sterbefälle derzeit bei 2.175 Menschen aktiv. Eine genaue Angabe ist nicht möglich, da viele Menschen keine oder schwache Symptome zeigen.

Die Corona-Ampel steht am Montagmittag bei 230,1 Infektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Alle Zahlen und Grafiken zur Pandemie in Dresden - darunter die Belegung von Intensivbetten und die Verteilung nach Altersgruppen und Geschlecht - finden Sie in diesem Artikel (SZ+).

Woher kommen die hohen Zahlen?

Die Behörden tun sich schwer, Zahlentreiber und Dresdner Hotspots zu benennen. Fest steht: In Schulen, Kitas und Altenheimen gibt es viele Fälle. So stiegt am Freitag die Zahl der Dresdner Schüler und Lehrer , die derzeit aufgrund der Corona-Regelungen nicht in ihre Einrichtungen dürfen, innerhalb eines Tages um 500. Am Montagmittag (Stand 12 Uhr) gilt die Quarantäne für 1.673 Personen an 76 Schulen. Betroffen sind davon auch 30 Kitas und 326 Kinder und Erzieher. An etlichen Einrichtungen werden noch die Kontakte von Infizierten ermittelt.

Neu dazugekommen ist an den letzten Tagen unter anderem die 103. "Regenbogen"-Grundschule in der Dresdner Neustadt. Dort gilt nun für mehr als 70 Kinder und Lehrer eine Quarantäne bis zum 8. Dezember. Besonders viele Corona- und damit Quarantäne-Fälle gibt es derzeit an der 145. Oberschule: 20 Schüler und sechs Lehrer wurden positiv getestet, mehr als 230 Personen befinden sich in Quarantäne. Das hat auch Folgen für die restlichen Schüler, denen die Pädagogen fehlen. Deutlich gesunken ist die Anzahl von Quarantäne-Fällen in den Dresdner Pflegeheimen: Vermeldete das Gesundheitsamt am Donnerstag noch 228 Quarantäne-Fälle in sechs Dresdner Pflegeheimen, sank die Zahl am Freitag auf 60 Betroffene in vier Heimen.

Wie ist die Lage in den Kliniken?

Laut Intensivregister mussten am Montagmittag 56 Corona-Patienten auf einer Intensivstation behandelt werden. Bei den dort Versorgten kann es sich allerdings auch um Patienten handeln, die von außerhalb kommen und in der Landeshauptstadt medizinisch versorgt werden. 41 von ihnen wurden beatmet.

In der Uniklinik und im städtischen Klinikum werden mit den steigenden Zahlen die Kapazitäten knapper. Mit Stand Donnerstagnachmittag waren knapp 20 Prozent der 42 derzeit verfügbaren Intensiv-Betten auf der Corona-Station des Dresdner Uniklinikums frei. Auch am Städtischen Klinikum sind die Kapazitäten beinahe erschöpft. "Zum aktuellen Zeitpunkt halten wir 27 Intensivbetten für die Behandlung von Covid-19-Patienten vor. Hiervon sind 22 belegt", so Viviane Piffczyk, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit am Städtischen Klinikum.

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Gibt es weitere Absagen vor Weihnachten?

Es ist noch nicht zu 100 Prozent sicher, aber die Christvesper auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche fällt in diesem Jahr voraussichtlich aus. Die evangelische Kirche plant eine Vesper in der Kirche mit einer Fernsehübertragung. Es sei unmöglich, den Zugang der 10.000 bis 15.000 Besucher zu überwachen, die zu der Vesper kommen, und die Abstandsregeln auf dem Neumarkt einzuhalten, sagte Landesbischof Tobias Bilz.

Auch bei den Christvespern in den evangelischen Kirchen der Stadt wird es Einschränkungen geben. Sie werden kürzer sein als gewohnt und mancherorts ausschließlich im Freien stattfinden. Bilz findet es zudem schwer vorstellbar, dass Krippenspiele mit Maske aufgeführt werden.

Auch bei den Weihnachtsmärkten ist nun klar: Es wird keinen geben. Am Freitag sagten Frank Schröder den für die Prager Straße und Holger Zastrow den für die Hauptstraße ab. Auch die zwischenzeitlich als kleiner Ersatz geplanten "Dresdner Weihnachtsinseln" werden nicht veranstaltet.

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